Taufkirchner Filmemacher:Rechten Netzwerken auf der Spur

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Taufkirchner Filmemacher: Kommen mit ihrem bisher größten Projekt nach dem Kino auch ins Fernsehen: die beiden aus Taufkirchen stammenden Dokumentarfilmer Luca Zug (links) und Alexander Spöri.

Kommen mit ihrem bisher größten Projekt nach dem Kino auch ins Fernsehen: die beiden aus Taufkirchen stammenden Dokumentarfilmer Luca Zug (links) und Alexander Spöri.

(Foto: Stephan Rumpf)

In ihrem aufwendig recherchierten Film "Liken.Hassen.Töten" zeigen Luca Zug und Alexander Spöri, wie Jugendliche zu Terroristen werden. Jetzt ist er auf Arte und in der ARD zu sehen.

Von Udo Watter, Taufkirchen

Was bringt einen Jugendlichen dazu, seine im Netz gepflegten Mordfantasien in die Tat umzusetzen? Wie und in welchen virtuellen Räumen entstehen solche Fantasien überhaupt, welche Online-Netzwerke stehen eventuell dahinter? Wie kann man solche Anschläge präventiv verhindern?

In ihrer Dokumentation "Liken.Hassen. Töten. Wie Jugendliche zu Terroristen werden" gehen die jungen Filmemacher Luca Zug und Alexander Spöri diesen und anderen Fragen nach, befeuert von dem journalistischen Interesse, die Motive des Attentäters David S., der 2016 im Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen ermordete, besser zu verstehen und in die Hintergründe der Tat einzutauchen. Dabei stoßen sie auf Erhellendes und Erschreckendes: Sie sprechen mit einem Aussteiger aus der "Amok-Community", der seine Schule in die Luft sprengen wollte, sowie verschiedenen Experten und geraten während ihrer investigativen Online-Aktivitäten selbst ins Visier des Staatschutzes.

Es geht auch um neue Hintergründe zum Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum

Der rund 50-minütige Film wird an diesem Dienstag, 5. Juli, erstmals auf Arte Deutschland ausgestrahlt (auf Arte Frankreich am 6. Juli) sowie am 18. Juli im Ersten (ARD), Beginn jeweils 22.55 Uhr, und am 20. Juli im BR (22 Uhr). Außerdem ist er bereits jetzt in der Arte-Mediathek zu sehen. Für Spöri und Zug, die beide in Taufkirchen aufgewachsen sind und 2018 als Mitglieder der Filmgruppe Movie Jam Studios mit dem Tassilo-Preis der SZ ausgezeichnet wurden, ist es das bisher größte Projekt ihrer Karriere als Filmemacher.

Auf ihrer Spurensuche im Netz, unter anderem mittels eines Undercover-Accounts auf der Spieleplattform Steam, stießen sie auf Jugendliche, "die in Kinderzimmern unentdeckt zu Rechtsterroristen werden", wie die Erzählerstimme im Film sagt. "Wir kennen die Untiefen einer neuen Welt, die für viele verborgen ist." Dort finden sie heraus, dass zahlreiche Jugendliche mit gefährlichen und rassistischen Mordfantasien (von denen manche diese auch umsetzten wie David S. oder der US-Amerikaner William A., der an seiner High School zwei Menschen ermordete) zwar Einzelgänger vor dem Bildschirm waren, aber auch Teil eines Online-Netzwerks, in dem sie sich vor ihren Taten regelmäßig untereinander austauschten. Ein Netzwerk, dass bis heute aktiv ist. "Mit diesem Film wollen wir ein Bewusstsein für diese neue Art der jugendlichen Radikalisierung schaffen, um möglicherweise Anschläge in der Zukunft zu verhindern", erklären Spöri und Zug.

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