Naturschutz und Mountainbike Auf erlaubten Pfaden an der Isar entlang

Der neue Plan soll die stark verästelten Trails zum Schutz der Natur wieder ausgedünnen.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Trails an der Isar sind bei Mountainbikern sehr beliebt. Naturschützer sehen sie als Gefahr für das FFH-Gebiet.
  • Nun haben sich beide Seiten auf ein Konzept geeinigt, das Freizeitsport im Isartal auf ein naturverträgliches Maß reduziert.
  • Das Routennetz soll 78 Kilometer umfassen, Gebietsbetreuer sollen die Einhaltung der Regeln überwachen.
Von Iris Hilberth

Von schmalen, technisch anspruchsvollen Trails schwärmen Mountainbiker, wenn sie über das Isartal im Süden von München sprechen. Bei Naturschützern kommen deren sportliche Ambitionen auf einem immer dichter werdenden Netz aus Wegen und Trampelpfaden in einem FFH-Schutzgebiet nicht gut an. Beide Interessengruppen haben sich dennoch nach jahrelangem Konflikt zusammengerauft und ein Lenkungs- und Zonenkonzept vorgelegt. Mit diesem Plan sollen die stark verästelten Trails wieder ausgedünnt, die Freizeit- und Erholungsnutzung gelenkt und die Belastung auf ein naturverträgliches Maß reduziert werden.

Nun haben alle am Planungsprozess beteiligten Naturschutzverbände und Radsportvereine eine gemeinsame Erklärung unterschrieben, mit der sie eine "umgehende Umsetzung" des Konzepts fordern. Der Umweltausschuss des Landkreises hat seine Beteiligung signalisiert, macht die Übernahme der Trägerschaft des Projekts aber von einer Zusage der Stadt München abhängig.

Mit der Resolution wird deutlich, wie sich die beiden Gruppen aufeinander zubewegt haben. Die Vertreter der Mountainbiker betonen zwar den hohen Stellenwert des Isartals für ihre sportlichen Aktivitäten, sehen sich aber auch "in der Verpflichtung", das Isartal und seine Lebensräume für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu schützen.

Im Gegenzug erkennen die Naturschutzverbände an, dass das Mountainbiken bei naturverträglicher Ausübung auch künftig seinen Platz im Isartal haben werde. Sie sind allerdings überzeugt, dass der ökologisch hochwertige Talraum der Isar und die Einhaltung der gesetzlichen Schutzverpflichtung nur durch eine Lenkung der vielfältigen Erholungsnutzung gesichert werden können. Das Konzept schreibt fest, welche Routen etabliert und an welchen Stellen zeitlich parallel Pfade zurückgebaut werden und Ruhezonen für die Natur entstehen sollen.

Laut Landratsamt München sieht der Entwurf des Routennetzes eine Gesamtstrecke von 78 Kilometern entlang des West- und Ostufers der Isar für Mountainbiker vor. 28 Kilometer davon sollen auf unbefestigten Wegen und Pfaden verlaufen und damit Trailcharakter haben. Diese Routen würden auf bereits vorhandenen Wegen und Pfaden ausgewiesen, sodass kein Wegeneubau erforderlich wäre. Zur Vermeidung von Schäden an Untergrund und Vegetation seien lediglich punktuell kleinere Baumaßnahmen erforderlich. Auch seien Regeln für ein umweltverträgliches Mountainbiken im Isartal erarbeitet worden.

Ob diese "Trailrules" aber auch eingehalten werden, müsste nach der Fertigstellung der Routen ebenso regelmäßig überprüft werden wie der Zustand der Wege. Daher halten sowohl Naturschutzverbände als auch Sportvereine eine ganzjährige Betreuung durch ausreichend Fachpersonal für zwingend notwendig. Auch das Landratsamt geht von mindestens zwei qualifizierten Gebietsbetreuern aus.

Bevor aber mit der Umsetzung der Pläne begonnen werden kann, müssen die Projektträgerschaft und mit ihr die Kostenübernahmen und die Verkehrssicherungspflicht geklärt werden. Da sowohl der Erholungsflächenverband als auch der Isartalverein eine Übernahme der Trägerschaft für die Einrichtung und den laufenden Betrieb ablehnen und auch die Isartalgemeinden abwinken, sind nun Stadt und Landkreis München am Zug. Der Umweltausschuss des Kreises plädierte für einen Zweckverband oder eine Zweckvereinbarung mit der Stadt. "Welche Form es dann wird, steht nicht im Vordergrund", sagte Landrat Christoph Göbel (CSU), wichtig sei die Teilung der Aufgaben und Kosten. "Wir wollen diesen gemeinsamen Weg gehen", so Göbel.

Der Kreistag kann allerdings erst darüber entscheiden, wenn alle Fragen zur Trägerschaft und Verkehrssicherheitspflicht geklärt sind. Dass bei der Einrichtung solcher Routen einiges zu bedenken ist, machte Kreisrat Stefan Kern (CSU) deutlich. "Ich bin passionierter Radfahrer und liebe solche Trails auch", gab er zu. Doch müsse man schon täglich schauen, ob die Neigungswinkel der Schanzen noch einigermaßen okay seien, und bedenken, dass jeder da grundsätzlich reinfahren könne - also auch Kinder und E-Biker. "Das Projekt ist sehr ambitioniert und wird einiges kosten", sagte Kern.

Den Aufwand für die Ersteinrichtung des Routennetzes bezeichnet die Verwaltung des Landratsamts als "relativ gering". Sie schätzt die dafür anfallenden Kosten auf etwa 100 000 bis 150 000 Euro. Übernimmt die Stadt die Hälfte, wäre der Landkreis mit 75 000 Euro dabei, die bereits für den Haushalt 2018 beantragt wurden. Hinzu kämen 30 000 Euro im Jahr für den Unterhalt. 50 000 Euro jährlich werden für den Geschäftsbetrieb einer Trägerschaft veranschlagt, für einen der beiden Gebietsbetreuer rechnet der Landkreis mit weiteren 50 000 Euro im Jahr. Die Stelle ist bereits beantragt. Ein externes Monitoring würde zusätzlich 10 000 Euro kosten.

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