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MVV-Tarifreform:Der Norden fühlt sich abgehängt

Der Bahnhof Ismaning bleibt zum Leidwesen der Menschen in der Nordgemeinde vom MVV-Innenraum ausgeschlossen.

(Foto: Robert Haas)

Auch wenn Vertreter Ismanings und Garchings eine Benachteiligung ihrer Kommunen beklagen, stimmt der Kreistag dem neuen MVV-Tarifwerk mit großer Mehrheit zu. Der CSU-Landtagsabgeordnete Weidenbusch fordert für Fahrgäste außerhalb der M-Zone eine Kostenerstattung

Als alle Argumente ausgetauscht waren und die Abstimmung anstand, mussten all diejenigen, die der letzten Sitzung des Kreistags in diesem Jahr beiwohnten, ohne selbst Kreisrat zu sein, die Hainhalle in Ismaning verlassen. Denn die Geschäftsordnung des Kreistags besagt, dass Themen, die die Gesellschafterversammlung des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) betreffen, ausschließlich in nicht-öffentlicher Sitzung zu behandeln sind. Zumindest das Ergebnis wurde anschließend von der Pressestelle des Landratsamtes kommuniziert: Der Kreistag hat der MVV-Tarifreform schließlich mit großer Mehrheit zugestimmt.

Damit findet eine Debatte, die bisweilen erbittert geführt wurde, ihr vorläufiges Ende. Vor allem auf Initiative von Bürgermeistern aus den Nordgemeinden hatte der Landkreis München die ursprüngliche Reform vor zwei Monaten abgelehnt; die erheblich modifizierte zweite Version des Vertrags soll nun bis zum nächsten Fahrplanwechsel in einem Jahr umgesetzt werden.

In der Kreistagssitzung am Montag haben sich jedoch einige Räte, allen voran die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche und der Ismaninger Bürgermeister Alexander Greulich (beide SPD), noch einmal vehement gegen die Reform ausgesprochen: "Ich kann als Kreisrat meine Augen nicht davor verschließen, dass diese Reform ungerecht und unsolidarisch ist", sagte Greulich, der betonte auch im Namen von Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) zu sprechen, der nicht Mitglied des Kreistags ist. Der Ismaninger Rathauschef führte als Grund für seine Ablehnung unter anderem die Verteuerungen an, die es teilweise im Ausbildungstarif und bei Monats- und Wochenkarten für drei Ringe geben wird.

Annette Ganssmüller-Maluche sagte, die Reform sei "nicht gut", auch wenn die "Aktivitäten der Nordallianz und meiner Wenigkeit" einige Verbesserungen im Vergleich zum ersten Anlauf gebracht hätten. "Der Landrat und die Grünen haben ja schon beim ersten Entwurf begeistert ihre Zustimmung signalisiert", sagte die Kreisrätin aus Ismaning. Nunmehr in die M-Zone eingegliederte Gemeinden wie Putzbrunn, Oberhaching oder Aschheim hätten zwar Vorteile, das gelte aber eben bei weitem nicht für alle Kommunen, sagte die SPD-Politikerin.

Markus Büchler (Grüne) reagierte empört: "Zuerst wird betont, dass alle Verbesserungen auf SPD-Initiative gekommen seien, und dann lehnt man eine Reform ab, die uns 35 Millionen aus dem Freistaat und weitere 15 Millionen für neue Schienen bringen wird. Das ärgert mich ganz persönlich", so der Oberschleißheimer. Das von Greulich genannte Beispiel mit drei Ringen bezeichnete Büchler als "Extremfall", räumte gleichzeitig allerdings ein, die Tarifreform könne nur ein kleiner Schritt für die Lösung der Verkehrsprobleme in der Region sein. Man müsse in den nächsten Jahren bei der Infrastruktur nachlegen.

Landrat Christoph Göbel (CSU) verteidigte die Reform: "Dass es für alle teurer wird, ist nicht richtig, und es ist auch nicht redlich, das zu behaupten." Durch die Idee der Überlappungszonen - eine breite Grenze außerhalb der M-Zone, in der Tarifsprünge entfallen - sei die Zahl der Leute, für die Monatstickets teurer werden, sogar "unter einem Prozent". Der stellvertretende Landrat und CSU-Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch brachte eine neue Idee ins Spiel: "Wir wollten den ganzen Landkreis in der Zone M unterbringen." Das habe nicht geklappt, auch die Initiative, die Mehrkosten für teurere Tickets selbst zu tragen, hätten die Nachbarlandkreise abgelehnt, weshalb man mit der Situation nun "kreativ" umgehen müsse. Weidenbusch schlug vor, allen Landkreisbürgern, die außerhalb der Zone M eine Wochen-, Monats- oder Jahreskarte kaufen, den Differenzbetrag auf Landkreiskosten zu erstatten.

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