Lager in Garching:Amazon will noch schneller liefern

Amazon greift neue Chefin der Handelskommission FTC an

Amazon rückt noch näher an München heran: In Garching soll ein neues Verteilerzentrum entstehen.

(Foto: dpa)

Das Versandunternehmen baut in Garching ein neues Verteilerzentrum, um Kunden in und um München schneller beliefern zu können. Hunderte Arbeitsplätze sollen dadurch entstehen.

Von Irmengard Gnau, Martin Mühlfenzl und David Wünschel

Amazon will in Garching ein neues Verteilerzentrum bauen, um Kunden in und um München schneller beliefern zu können. Schon in der ersten Hälfte des kommenden Jahres soll das Verteilerzentrum den Betrieb aufnehmen, heißt es in einer Mitteilung. Demzufolge könnten am neuen Standort zahlreiche Arbeitsplätze entstehen: 90 bei Amazon und mehrere Hundert bei Partnerunternehmen, die Fahrerinnen und Fahrer beschäftigen. Der Bauantrag für das Verteilerzentrum ist bereits genehmigt. Auf dem Gelände soll unter anderem ein Parkhaus entstehen, sodass Lieferwagen nicht auf umliegenden Parkplätzen abgestellt werden müssen.

Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) wünscht sich eine schnelle Umsetzung des Projekts. Bei Bestellungen im Internet würden viele Menschen eine Express-Lieferung an die Haustür erwarten. "Ich denke, mit der Ansiedlung des neuen Amazon-Verteilzentrums in Garching-Hochbrück wird diese Erwartungshaltung bestens erfüllt", wird Gruchmann in der Pressemitteilung zitiert. Außerdem begrüße er, dass E-Lieferwagen zum Einsatz kommen sollen.

Bislang beliefert Amazon die Münchner Kunden aus einem Verteilerzentrum in Olching, das etwa 15 Kilometer nordwestlich der Stadt liegt. Eigenen Angaben zufolge beschäftigt das Unternehmen in seinem deutschen Logistiknetzwerk mehr als 16 000 Festangestellte. Viele von ihnen arbeiten in riesigen Hallen, in denen sie Waren zusammenstellen, verpacken und dann verschicken - unter anderem an Verteilerzentren wie jenes, das in Garching entstehen soll. Dort werden die Pakete dann für "die letzte Meile" vorbereitet, wie es im Fachjargon heißt: Zunächst werden sie automatisch nach Zonen sortiert, dann laden die Fahrer sie in ihre Lieferwagen und bringen sie zu den Kundinnen und Kunden. So spart Amazon sich die Kosten für Versanddienstleister wie DHL oder Hermes.

In den meisten Fällen dauert es mindestens einen Tag, bis Amazon-Bestellungen ankommen. Doch in einigen Städten, darunter auch München, gibt es seit einiger Zeit die Möglichkeit, sich noch am gleichen Tag beliefern zu lassen. Das Angebot gilt allerdings nur für bestimmte Waren und bestimmte Kunden: Im Sortiment sind hauptsächlich Artikel, die man auch im Supermarkt oder in der Innenstadt kaufen könnte; und man muss Amazon-Prime-Kunde sein.

Dass sich Amazon Garching als neuen Standort ausgesucht hat, dürfte kein Zufall sein; die Stadt liegt verkehrsgünstig an der A 9. Diesen Standortvorteil nutzt auch die Post-Tochter DHL, die etwas weiter südlich in Aschheim derzeit das größte Paket-Verteilzentrum Deutschlands errichtet. DHL ist bereits mit einem kleinen Verteilzentrum in Aschheim vertreten, baut nun aber auf einem 67 000 Quadratmeter großen Areal eine neue, gigantische Pakethalle, in der von kommendem Jahr an etwa 72 000 Pakete in der Stunde sortiert werden sollen. Mehr als 500 tarifgebundene Arbeitsplätze will der Logistiker schaffen und bei dem Neubau etwa mit einer Fotovoltaikanlage und der Wärmeversorgung über Fernwärme auch auf das Thema Nachhaltigkeit setzen. Die Investitionssumme der Post-Tochter beläuft sich auf etwa 150 Millionen Euro. Für Aschheim ist das DHL-Projekt vor allem nach der Wirecard-Pleite ein Gewinn; der Ort erhofft sich steigende Gewerbesteuer-Einnahmen.

Mit ihren Investitionen tragen DHL wie auch Amazon der immer rasanter steigenden Nachfrage der Kunden insbesondere in der Boomregion Oberbayern Rechnung. Beim Spatenstich in Aschheim Ende April sagte Ministerpräsident Markus Söder, der eigens angereist war, das Konsumverhalten der Menschen habe sich in der Corona-Pandemie stark verändert. Zwar sei es erklärtes Ziel der Staatsregierung, so Söder, die Innenstädte und den Einzelhandel zu stärken, aber zur Wahrheit gehöre eben auch, dass die Menschen vermehrt online bestellen wollten.

© SZ vom 14.07.2021
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