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Auktionen:Adrenalin und Missgunst unter Sammlern

Bernhard Pacher.

(Foto: Claus Schunk)

Bernhard Pacher versteigert in Grasbrunn alte Orden und Waffen. Dabei kommt es vor, dass jemand aus reiner Bosheit den Preis hochtreibt.

Von Christina Hertel, Grasbrunn

Es gibt Menschen, die Fallschirm springen. Und es gibt Leute wie Bernhard Pacher, die ihren "Adrenalin-Kick", wie er es ausdrückt, bei Versteigerungen suchen. "Das ist richtig Action", sagt Pacher, dessen Stimme am Telefon schnell verrät, dass er aus Österreich stammen muss.

Seit fast drei Jahren leitet der ehemalige Unternehmensberater das Auktionshaus Hermann Historica in Grasbrunn. Diese Woche finden dort zwei Versteigerungen statt, bei denen Pacher selbst als Auktionator im Einsatz sein wird. Bei der einen am Donnerstag, 22. Oktober, versteigert er internationale Orden und militärhistorische Sammlungsstücke, bei der anderen am Freitag, 23. Oktober, bietet er Sammlerstücke aus der deutschen Zeitgeschichte ab 1919 an.

Darunter sind Silberfiguren deutscher Kurfürsten, aber auch preußische Kriegswaffen und Auszeichnungen, die die deutsche Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs erhielt. Zum Beispiel kommt das Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten unter den Hammer. Startwert liegt bei 150 000 Euro. "Am Ende muss mindestens eine zwei davor stehen", sagt Pacher. "Aber wir sprechen hier auch nicht von Strass, der so tut als ob."

Bekommen hat das Eichenlaub einst Albert Kesselring, ein Generalfeldmarschall der Luftwaffe. In Italien ließ er 335 Zivilisten erschießen. Wer will einen Ordnen von so jemanden haben? Springerstiefel und Glatzköpfe werde man nicht sehen, sagt Pacher. Vielmehr seien es geschichtsinteressierte Menschen, Wissenschaftler oder Museen - meist ausländische, weil dort der Umgang mit der deutschen Geschichte ein anderer als hierzulande sei.

Pacher bekommt die Stücke meist von Erben oder von Sammlern, die am Ende ihres Lebens niemanden finden, der sich dafür begeistern kann. Nach Abzug von Steuern kann sein Auktionshaus etwa 21 Prozent des Wertes, für den das Objekt ersteigert wurde, behalten. Das klingt nach viel - doch längst nicht alle Stücke sind so viel wert wie die Eichenlaub-Auszeichnung aus Weltkriegszeiten. Im Durchschnitt liegen die Erlöse laut Pacher etwa bei 1000 Euro.

Auch im Internet wird mitgeboten

Und was macht die Versteigerung für ihn so spannend wie für andere einen Fallschirmsprung? Als Auktionator, sagt Pacher, müsse man schnell sein. Ein Publikum von 50 Menschen im Blick haben, plus vier Menschen, die Gebote im Internet entgegennehmen und noch einmal zehn Personen, die die Telefone beantworten.

Normalerweise würden 100 Objekte innerhalb von einer Stunde versteigert. Für eines bleibt also nicht mal eine Minute. Seit mehr und mehr Menschen im Internet mitbieten, verzögere sich die Versteigerung zwar, es sei jedoch trotzdem eine enorme Konzentration nötig. Denn die meisten Bieter im Saal geben nur verstohlene Handzeichen.

Denn auch unter Sammlern gebe es Feindschaften und Menschen, die nur deshalb den Preis in die Höhe treiben, weil sie jemand anderen ärgern wollen. "So eine Versteigerung", sagt Pacher, "hat einen richtigen Eventcharakter."

© SZ vom 19.10.2020/wkr

Auktionshaus
:Geschichte unter dem Hammer

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Von Bernhard Lohr

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