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Landtag:Mit Sicherheit Schluss

Mahnende Worte zum Abschied: Peter Paul Gantzer bei seiner letzten Rede am Donnerstag im Landtag.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Haarer SPD-Abgeordnete Peter Paul Gantzer warnt in seiner letzten Rede im Bayerischen Landtag vor den Gefahren für die Demokratie

Von Lars Brunckhorst

Dafür, dass Peter Paul Gantzer im Grunde seines Herzens ein ziemlicher Draufgänger ist, hat den SPD-Politiker Zeit seines Lebens vor allem ein Thema beschäftigt: Sicherheit. Und so ist es auch keine Überraschung, dass er sich in seiner letzten Rede im Landtag über weite Strecken diesem Thema widmete - allerdings nicht in dem Sinne, wie das viele Weggefährten, Kollegen und Beobachter erwartet haben dürften. Der Sicherheitspolitiker und Ehrenkommissar der bayerischen Polizei, der in seinem Porsche 911 auf der Hutablage eine Dienstmütze, eine Kelle und eine schusssichere Weste liegen hat und in seiner Freizeit - immer noch - leidenschaftlich Fallschirm springt, sprach am Donnerstagabend einmal weniger über Kriminalitätsbekämpfung, sondern über Verunsicherungen in der Bevölkerung und Gefahren für die Demokratie.

Als ältestem und nach Landtagspräsidentin Barbara Stamm dienstältestem Abgeordneten fiel dem Sozialdemokraten aus Haar in der letzten Sitzung des Landtags vor der Wahl die Abschiedsrede seitens der Opposition zu - eine "Ehre", der er sich bewusst sei, wie der bald 80-Jährige vor dem Plenum sagte, in das er 1978 erstmals einzog, zusammen mit Franz Josef Strauß. Es war zugleich auch seine letzte Landtagsrede, denn Gantzer tritt zu der Wahl am 14. Oktober nicht mehr an - eine Tatsache, derer sich Freunde und Gegner lange nicht sicher waren. Was folgte, war eine eindringliche Warnung, die Sorgen und Ängste einer durch Globalisierung, Digitalisierung und gesellschaftlichen Wandel verunsicherten Bevölkerung ernstzunehmen, und ein flammendes Plädoyer gegen das Auseinanderklaffen der Gesellschaft in Arm und Reich.

Gantzers mahnende Worte zum Ende seiner 40-jährigen Abgeordnetentätigkeit mündeten in den Aufruf, dagegen anzukämpfen, dass sich immer mehr Menschen von der Demokratie entfremdeten. "Bis heute ist es bei Historikern umstritten, wie zu erklären ist, dass es den Nazis gelungen ist, die Menschen in wenigen Jahren zu radikalisieren und von menschlichen Werten zu entfernen", erinnerte Gantzer, um daran zwei Fragen anzuschließen: "Was haben die klassischen Parteien damals falsch gemacht? Was haben wir heute falsch gemacht?"

Doch Gantzer wäre nicht der erfahrene und als solcher bekannte Sicherheitspolitiker, wenn er nicht auch auf diesem Gebiet ein Sicherheitsnetz bereit hielte: ein vereintes Europa als einzige Kraft, um den Herausforderungen der Zukunft standzuhalten. Er selbst hat für sich persönlich übrigens - wie beim Fallschirmspringen auch - ebenfalls einen zweiten Schirm: Nach seiner Ära im Landtag kehrt Gantzer in seinen Beruf als Notar zurück. Er landet also sicher.

Mit Applaus verabschieden die Abgeordneten ihren Kollegen Peter Paul Gantzer nach 40 Jahren aus dem Landtag.

(Foto: Stephan Rumpf)
© SZ vom 28.09.2018/lb

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