Breitbandausbau:Mit Lichtgeschwindigkeit in die Zukunft

Breitbandausbau: Die Welt ist ein Dorf: Der Sauerlacher Ortsteil Altenkirchen soll schon bald per Glasfaser ans schnelle Internet angebunden werden.

Die Welt ist ein Dorf: Der Sauerlacher Ortsteil Altenkirchen soll schon bald per Glasfaser ans schnelle Internet angebunden werden.

(Foto: Claus Schunk)

Sauerlach will als eine der ersten Gemeinden bis 2024 komplett ans Glaserfasernetz angeschlossen werden. Dazu geht das Rathaus eine Partnerschaft mit einem Unternehmen ein.

Von Martin Mühlfenzl, Sauerlach

Altkirchen hat so Einiges mitgemacht. 1632 verwüsteten die Schweden im Dreißigjährigen Krieg den kleinen Ort, später wütete die Pest. Seitdem ist es in dem Weiler bei Sauerlach beschaulich. Nun aber soll er in die Moderne katapultiert werden - und mit ihm die ganze Gemeinde. Ganz Sauerlach soll in drei Jahren ein Glasfasernetz haben, als eine der ersten Kommunen im Land.

Der Clou dabei: Die Kommune soll der Aufbau und auch der Betrieb des Netzes nahezu nichts kosten. Die Gemeinde geht hierfür eine Partnerschaft mit der Deutschen Glasfaser ein, das Unternehmen wird den Netzausbau privatwirtschaftlich betreiben. Ein ähnliches Projekt wird von dem Unternehmen, hinter dem der schwedische Investor EQT steckt, derzeit in Hohenbrunn vorangetrieben. Als sichtbares Zeichen, dass es im Ort künftig Highspeed-Verbindungen geben wird, wurden unlängst drei sogenannte Pops, Point of Presence, aufgestellt. Von diesen Hauptverteilern soll der ankommende und abgehende Datenverkehr geleitet werden. Sie werden den Ort in Lichtgeschwindigkeit mit der Welt verbinden. Die Tiefbauarbeiten für die Leitungen sollen im kommenden Frühjahr in Hohenbrunn und den Ortsteilen Riemerling und Luitpoldsiedlung beginnen.

In Sauerlach steht der Aufbau eines Netzes noch ganz am Anfang. Enrico Hesse, der bei der Deutschen Glasfaser für die Kooperation mit den Kommunen zuständig ist, stellte unlängst im Gemeinderat klar, dass sein Unternehmen natürlich kein reiner Wohltäter sei. "Unser Interesse, Glasfaser unter die Erde zu bringen, ist natürlich Rendite zu erwirtschaften." So wird die Deutsche Glasfaser nicht von sich aus alle Gemeindeteile anschließen. Sauerlach ist mit nahezu 57 Quadratkilometer von der Fläche her die mit Abstand größte Kommune im Landkreis München; die zwölf Gemeindeteile, darunter kleine Einöden und Weiler wie Gumpertsham oder Kleineichenhausen, liegen weit auseinander und verstreut. Das Unternehmen will die Ortsteile Arget, Lanzenhaar, Lochhofen und den Hauptort Sauerlach ans Glasfasernetz anbinden - und den Weiler Walchstatt mit seinen gut zehn Häusern. Dieser kleine Ortsteil soll nur deshalb in den Genuss der Highspeed-Anschlüsse kommen, weil er nahe der A 8 liegt, an der die Hauptleitungen verlaufen.

Für Sauerlachs Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) ist das Angebot "eine Chance, die wir unbedingt nutzen müssen". Was auch dringend notwendig ist. Während in Ländern wie Südkorea oder Spanien mehr als 80 Prozent der Haushalte bereits ans Glasfasernetz angeschlossen sind, sind es in Deutschland unter zehn Prozent. Neben der Kooperation mit der Privatwirtschaft gehen Kommunen auch andere Wege. Der Landkreis Cham etwa hat ein eigenes kommunales Unternehmen gegründet; gut die Hälfte des Kreises ist bereits mit Glasfaser versorgt. Sauerlachs Weg wiederum kann nur dann erfolgreich sein, wenn sich ausreichend Haushalte ans Highspeed-Netz anbinden zu lassen. Die magische Marke bei der sogenannten Nachfragebündelung liegt bei 33 Prozent - so viele Haushalte müssen ihre Bereitschaft zum Vertragsabschluss erklären, nur dann steigt das Unternehmen ein.

Bevor Kabel verlegt werden, muss zunächst mit modernen Vermessungsmethoden geklärt werden, wo Glasfaserleitungen verlegt werden können. Statt in offener Bauweise sollen die Kabel anschließend mit lärmmindernder Frästechnik oder mit sogenannten Erdraketen verlegt werden. Die Zuleitungen zum Haus erfolgen durch Tiefbohrungen unter dem Vorgarten oder der Einfahrt. Wer sich nicht für einen Anschluss entscheidet, kann dies später nachholen: Die Leitungen werden bis zur Grundstücksgrenze gelegt. Nach Unternehmensangaben könnte der Netzausbau im gesamten Sauerlacher Ortsgebiet bis Anfang 2024 abgeschlossen sein. Über die Kosten pro Haushalte macht das Unternehmen keine genauen Angaben. Firmenvertreter Hesse spricht von "marktüblichen Preisen". Kommunale Einrichtungen wie Rathaus, Schulen und Kindergärten sollen Sondertarife erhalten.

Anschluss gesucht

Die Zukunft des Lichtwellenleiters ist in Pullach noch nicht merklich angekommen. Gerade einmal ein Prozent der Haushalte verfügt über einen Glasfaseranschluss. Der Gemeinderat befinde sich mitten in Überlegungen, wie man die Verfügbarkeit des schnellen Netzes erhöhen könne, sagt Peter Kotzur, Leiter der Bautechnik im Rathaus und technischer Vorstand der Versorgungs-, Bau und Servicegesellschaft (VBS) der Gemeinde. Bei der VBS denke man darüber nach, einen Versorger zu finden, der bereit ist, das Netz betriebsfähig auszubauen und zu betreiben.

Das Problem in Pullach dabei sei aber, dass die von der Telekom gebotene Grundversorgung so gut ist, dass die Gemeinde für den Glasfaserausbau vom Freistaat keine Förderung erhält. "Zu gut für eine Förderung, aber für einen zeitgemäßen Glasfaserbetrieb zu schlecht", fasst Kotzur das Pullacher Dilemma zusammen. Mögliche Anbieter könnten mit dem Ausbau des Pullacher Glasfasernetzes kein Geld verdienen, daher zeigten sich Telekom und M-Net auch noch sehr zögerlich. Ungeachtet dessen verlegt die VBS bereits Leerrohre - "für eine spätere Einblasung der Glasfasern", wie Kotzur sagt.

Die Gemeinde Ismaning hat das Glück, bei der Energieversorgung auf Fernwärme setzen zu können - davon profitiert auch der Breitbandausbau, da parallel zu den Rohren neue Leitungen verlegt werden können. Zuständig hierfür ist die kommunale Stromversorgung Ismaning (SVI). Nahezu 52 Kilometer Glasfaser seien in der Gemeinde mittlerweile verlegt, sagt Bürgermeister Alexander Greulich (SPD).

Auch Außenbereiche wie der Ortsteil Fischerhäuser hätten mittlerweile dank der Kooperation mit dem Unternehmen M-Net eine Glasfaseranbindung. "Dort wäre es für uns als Gemeinde aufgrund der Entfernung zu teuer gekommen", sagt Greulich. Die Kombination aus Fernwärme und Glasfaser sei außerdem für die Kommune ein echter Standortvorteil. mm, müh

Ortsteile, die nicht auf Kosten der Deutschen Glasfaser angebunden werden, müssen ebenfalls nicht auf schnelles Internet verzichten. Das Pfarrdorf Altkirchen und der Weiler Grafing würden im Auftrag der Gemeinde und mit Fördermitteln von Bund und Freistaat angeschlossen, sichert Sauerlachs Bürgermeisterin Bogner zu. Vielleicht erleben die Altkirchner bald etwas, mit dem sie nicht so schnell gerechnet haben.

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