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Mobilität:Starthilfe für den ersten Radschnellweg

Bei seinem Besuch in Garching hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gute Laune dabei - und 2,3 Millionen Euro für den Radschnellweg.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bundesverkehrsminister Scheuer kommt nach Garching und bringt 2,3 Millionen Euro an Fördergeldern mit.

Von Stefan Galler, Garching

Um ein Haar hätte ihn ausgerechnet ein Hinweisschild für den Radschnellweg zu Fall gebracht. Gerade noch konnte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ausweichen, als ein eifriger Helfer das Szenario etwas umgestalten wollte. Schließlich sollte der Besuch aus Berlin ins rechte Bild gesetzt werden bei diesem symbolträchtigen Termin.

Am Freitagnachmittag übergab Scheuer in Garching einen Förderbescheid über 2,3 Millionen Euro an Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) - die Unterstützung des Bundes für ein Pilotprojekt: den ersten Radschnellweg Bayerns über mehr als 23 Kilometer von München nach Garching und Unterschleißheim.

Seit fünf Jahren gibt es die Pläne

Gut fünf Jahre ist es her, dass den Kreisräten des Landkreises München ein ganzes Netz solcher Radlautobahnen vorgestellt wurde als Alternative zum motorisierten Individualverkehr. Doch so richtig Rückenwind erhielt das Projekt nicht, immer wieder verzettelten sich die Entscheidungsträger, dazu kamen Unstimmigkeiten über die Trassenführungen und nicht zuletzt die Frage nach dem lieben Geld. Grünen-Kreisrat Christoph Nadler spottete im Februar: "Was der Flughafen für Berlin ist, das ist der Radschnellweg für uns. Da lacht uns doch die ganze Welt aus."

Doch nun scheint endlich der Weg frei für die erste von insgesamt 14 Trassen, die dem Landkreis am Ende einer Potenzialanalyse 2015 vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München vorgelegt worden war. "Ich will ganz ehrlich sein: Noch ist der Mittelfluss für den Radverkehr nicht zufriedenstellend", sagte Andreas Scheuer am Freitag. Dabei sei ein flächendeckendes Radverkehrsnetz in Deutschland "der Wunsch von zwei Dritteln der Bevölkerung", so der CSU-Politiker. "Wir werden diesen Bereich mit insgesamt 1,54 Milliarden Euro stärken, das sind 900 Millionen mehr als bisher." Davon sollen alleine 65 Millionen Euro in die Radschnellwege in Bayern fließen.

Und davon wiederum sind nun also 2,3 Millionen für den ersten bayerischen Radschnellweg vorgesehen, der am Münchner Stachus startet, über Odeonsplatz, Leopold- und Ingolstädter Straße nach Neuherberg und dann über die B 13 bis nach Unterschleißheim führen soll. Richtung Osten führt der Weg weiter bis zum Forschungszentrum Garching. Allerdings werden alleine die Kosten für den Bauabschnitt von der Stadtgrenze München bis zu den Endpunkten im Kreis auf 34 Millionen Euro geschätzt. Der Bau soll im Stadtgebiet München voraussichtlich im Jahr 2021 und im Landkreis 2022 beginnen.

Die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) dankte dem Kollegen aus der Bundesregierung dafür, dass "eine Menge Geld nach Bayern geht" und versprach, dass man stets darauf achten werde, die Planungen so weit voranzutreiben, dass das Geld schnell genutzt werden könne. Schreyer hatte ihre Charmeoffensive schon bei Scheuers Eintreffen gestartet: "Wo der Andi hinkommt, scheint die Sonne", sagte sie angesichts von etwa 35 Grad und wolkenlosem Himmel. Scheuer blieb im Rahmen der klimatischen Möglichkeiten cool: "Jaja, die Sonne hat vorher auch schon gescheint."

Das "Geschenkkörbchen" reicht nicht

Die Laune war vortrefflich, auch bei Annette Ganssmüller-Maluche (SPD), die Landrat Christoph Göbel (CSU) vertrat: "Das ist auch für meine SPD, die Radfahrerpartei, ein historisch toller Tag. Wir haben lange gewartet, das will ich nicht verschweigen. Aber manchmal geht es dann eben doch ganz schnell." Der Landkreis München sei als wirtschaftliches Zugpferd die richtige Wahl für ein solches Pilotprojekt, sagte Ganssmüller-Maluche und dankte der Unterhachingerin Schreyer, dass diese auch den Ausbau der S-Bahnlinie 7 im Süden anschiebe.

Als Vertreter der beteiligten Kommunen zeigten sich auch Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) und Garchings Zweiter Bürgermeister Jürgen Ascherl (CSU) sehr zufrieden. "Die Frage nach der Führung müssen wir in Garching noch klären", so Ascherl. "Je mehr Schnörkel, umso weniger wird eine Strecke von den Radlern auf dem Weg zur Arbeit genutzt." Böck bekräftigte, wenn die Trassenfindung in Garching zu kompliziert sei, stehe Unterschleißheim bereit: "Bei uns ist die Streckenführung bereits klar."

Kritik kam unterdessen von den Grünen: "Im Gegensatz zu anderen Bundesländern ist in Bayern nicht einmal geklärt, wer hier für den Unterhalt und die Planung der Radwege zuständig ist", sagte Christoph Nadler. "Diese Frage ist viel wichtiger als dass der Verkehrsminister mit dem Geschenkkörbchen vorbeikommt."

© SZ vom 22.08.2020

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