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Rad- und Wandertouren:Auf Vogel-Safari ins Münchner Umland

Achtung: Fotocredit steht im Dateinamen + LBV München

Mit etwas Glück zwitschern Stieglitze auf der Tour des LBV.

(Foto: Rosl Roessner/LBV München)

Endlich einen Stieglitz entdecken, die langen Schwanzfedern von Rauchschwalben bewundern oder einen Kiebitz sehen? Bei speziellen Touren in der Münchner Umgebung kann man mit dem Fernglas geschützte Vögel beobachten.

Von Claudia Wessel

Ein Fernglas und Geduld. Wenn man diese beiden Dinge dabei hat, könnte man durchaus erfolgreich sein. Man könnte zum Beispiel an der ersten Station dieser Fahrradtour des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), Kreisgruppe München, so lange auf das Feld starren, bis man wirklich einen Stieglitz erblickt. Und das kann dauern.

Reine Fahrzeit für diese kleine Tour ist eine halbe Stunde, sagt Marion Dorsch, Projektmitarbeiterin beim LBV, beim Start an der S-Bahnstation Johanneskirchen. Man kann die Strecke auch zu Fuß zurücklegen, dann ist die pure Gehzeit etwa zwei Stunden. Mit dem Ehrgeiz, leibhafte artengeschützte Tiere zu erblicken, könnte sich das auf einen halben Tag summieren. Die "StadtNaTour", die man als App auf dem Smartphone bei sich tragen kann, gibt es seit vier Jahren. Die hier beschriebene Route war die allererste.

Achtung: Fotocredit steht im Dateinamen + LBV München

Herrlich wilde Natur ist am Abfanggraben zu finden.

(Foto: Sophia Engel/LBV München)

Auf Münchner Stadtgebiet enthält sie sieben Stationen. Man kann sie aber ganz leicht um einen Ausflug in den Landkreis München ergänzen, indem man an Station 4 die Stadtroute verlässt und am Abfanggraben entlang einfach weiter geradeaus radelt. Dann ist man schon bald auf Aschheimer Flur und auf dem besten Weg zum Ismaninger Speichersee, an dem es ebenfalls viele interessante Arten zu sehen gibt. Der dortige Bereich hat eine eigene LBV-Gebietsbetreuerin, nämlich Karin Hass.

Auch am Speichersee wird dafür gesorgt, dass sich die Ausflügler im Vogelschutz bilden können. Gleich am Anfang des Seegebiets erwarten einen Infotafeln, die darüber aufklären, dass man sich am See in einem wichtigen Mauser-, Rast- und Brutgebiet von internationaler Bedeutung befindet. Man kann dann noch direkt über den Dammweg zwischen der West- und Ostseite des Sees weiter entlangfahren. "Das ist eine Sackgasse, also muss man dann wieder auf dem gleichen Weg zurück, aber man kann den See dort wunderbar sehen", verspricht Karin Hass und bittet: "Am Speichersee soll man natürlich ebenfalls besondere Rücksicht auf die dortigen Arten nehmen."

Schon nach ein paar Minuten Radlzeit ist man am ersten Haltepunkt der App. Es gibt auf der Reise einige Punkte, die nur via App zu bekommen sind, auf andere weisen Schilder hin. Gefühlt befindet man sich schon hier mitten in der Natur, denn weit und breit sind nur Felder zu sehen, an der rechten Seite ein paar Häuser der Gartensiedlung. Und die Gruppe ist auf der Suche nach Mehl- und Rauchschwalben. "Die haben diese charakteristischen langen Schwanzfedern, die sogenannten Schwanzspieße", erklärt Dorsch, während die Radler den Himmel absuchen. Auch Dorsch mit ihrem Fernglas findet nichts, sodass wie auch bei allen folgenden Stationen nur der Blick ins Handy bleibt, um das Aussehen des betreffenden Vogels zu sehen.

An einem alten Bahndamm befindet sich der nächste Halt. "Es zwitschert hier ganz schön", sagt Dorsch. In der Tat. Laut Dorsch handelt es sich um Schwalben. Sichtbar sind sie aber leider nicht. Auch der Idasbläuling, ein besonderer Schmetterling, auf den die LBV-App an dieser Stelle hinweist, ist nicht anwesend. "Schmetterlinge kommen ja auch erst vermehrt im Sommer", sagt Dorsch. Diesen Ort mit dem alten Bahndamm möge er aber aufgrund des kiesigen Bodens. Auf dem Foto in der App sieht er jedenfalls gut aus.

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Schmetterlinge wie den Dunklen Wiesenbläuling lassen sich erst im Sommer blicken.

(Foto: Eberhard Pfeuffer/LBV München)

Weiter geht es nach Johanneskirchen in einem Ausläufer des Erdinger Mooses. "Früher waren die Böden hier zu feucht für die Landwirtschaft",sagt Dorsch. Um diese Böden zu entwässern, hat man in den 1920er-Jahren einen Abfanggraben angelegt. An diesem führt die Naturtour später eine ganze Zeitlang entlang.

"Hier kann man eventuell den Kiebitz sehen!" verkündet Dorsch an Haltepunkt Nummer 3 und zückt ihr Fernglas. "Er ist Bodenbrüter, aber jetzt ist gerade Balzzeit." Nun, mit der Balz ist er offensichtlich sehr beschäftigt. "Da sieht man jetzt was laufen!", ruft Dorsch unvermittelt. Ach nein, war doch nur eine Krähe. Wieder Fernglas-Alarm irgendwo ganz hinten. "Schon wieder weg", sagt Dorsch. Hier in diesen Heckenstreifen jedenfalls sind viele kleine Vögel zu Hause, der LBV pflegt diese Hecken, in denen im Sommer Beeren, Weißdorn, Holunder, Schlehe und ein paar Meter weiter Disteln wachsen, die der Stieglitz, auch Distelfink genannt, sehr liebt. Die Hecken sind in Johanneskirchen bei aller Ländlichkeit kleine Oasen. Denn rundherum befinden sich nur landwirtschaftliche Anbauflächen. Weshalb man sich auch des öfteren vor kreuzenden Traktoren hüten muss.

Ansonsten ist es hier auffällig verkehrsarm, vor allem ein Unterschied zum Süden von München und dem südlichen Landkreis fällt ins Auge: keine Mountainbiker. Zumindest nicht an diesem Freitagnachmittag. Dass es aber welche geben muss, beweist ein aufgestelltes Suchschild: "Satteltasche mit Schlüssel verloren".

Achtung: Fotocredit steht im Dateinamen + LBV München

Mit etwas Glück erspähen die Tourteilnehmer sogar Kiebitze.

(Foto: Andreas Hartl/LBV München)

Ein besonders schöner Haltepunkt ist Nummer 6. Hier befindet man sich an einem kleinen künstlichen See im Abfanggraben, mit einem kleinen Wasserfall und vielen Vögeln: Enten. Die Wasseramsel dagegen, die diesen Bereich schützenswert macht, ist untergetaucht. Auf der Infotafel gibt es aber schöne Bilder. Dass auch der Dunkle Wiesenknopfbläuling an der letzten Station nicht zu sehen ist, liegt nicht an seiner Scheu, sondern an der Jahreszeit. Denn es gibt noch keinen großen Wiesenknopf, den dieser Schmetterling zum Überleben braucht.

Beim Schnelldurchlauf hat man wenig gesehen, kein Wunder. Wer so offensichtlich daher radelt, vertreibt alle scheuen Vögel. Also: Zeit mitbringen, an einem schönen Platz entlang des Abfanggrabens rasten und mit Fernglas ausgerüstet warten. Ganz viele schützenswerte Vögel und Schmetterlinge halten sich in diesem Gebiet auf, ganz sicher. Mehr unter www.lbv-muenchen.de. Die Routen gibt es hier auch als Download.

© SZ /vewo
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