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Kommunalwahl im Landkreis München:Konkurrent im eigenen Haus

Aneinandergekettet? Akten doppelt unter Verschluss? Wenn ein Mitarbeiter gegen den amtierenden Bürgermeister kandidiert, ist beides denkbar.

(Foto: Mauritius Images)

In Pullach und Sauerlach treten zwei Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung bei der Kommunalwahl gegen die amtierenden Bürgermeisterinnen an. Die Beteiligten bemühen sich um einen professionellen Umgang.

Von Rathausmitarbeitern werden Loyalität und Verschwiegenheit gefordert. Wer Interna aus seinem Sachgebiet nach außen trägt und dabei erwischt wird, muss mit drastischen Strafen bis hin zur Entlassung rechnen. Wenn nun aber eine Kommunalwahl ansteht und jemand aus der Belegschaft sich anschickt, der Dienstherrin den Bürgermeistersessel streitig zu machen, wie es in den Gemeinden Pullach und Sauerlach der Fall ist? Bleibt das dienstliche Verhältnis vertrauensvoll und können sich Kandidat und Bürgermeisterin auf dem Amtsflur noch in die Augen schauen?

"Ja", erklären Susanna Tausendfreund (Grüne), die amtierende und wieder kandidierende Bürgermeisterin von Pullach, sowie ihre Angestellte, Christine Eisenmann (CSU) von der Abteilung Hochbau. "Können wir", sagen auch die Sauerlacher Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) und ihr Herausforderer, Bauamtschef Hubert Zellner (CSU).

Es gibt genügend öffentliche Themen

Und auch Pullachs Zweite Bürgermeisterin Cornelia Zechmeister (WIP), die als Leiterin des Bauamts in Icking gerne Margit Menrad (UBI) als Bürgermeisterin beerben würde, sieht kein Problem dabei, den Spagat zwischen persönlichen Interessen und Amtspflichten hinzukriegen.

Eine Herausforderung aber sind die besonderen Gemengelagen in den drei Rathäusern für die Protagonisten noch aus einem anderen Grund: "Natürlich werden andere Fraktionen vermuten, dass ich Interna rausgebe, aber das passiert nicht, ich nehme meine Arbeit sehr ernst", sagt Christine Eisenmann. Seit 1997 ist die heute 53-Jährige in der Gemeindeverwaltung tätig, wo sie aktuell stellvertretende Leiterin der Abteilung Bautechnik ist.

Sie werde zwar versuchen, "die Sachen herauszuarbeiten, die mich von der amtierenden Bürgermeisterin trennen"; aber was sie auf keinem Fall anstrebe, sei eine Schlammschlacht. "Da gibt es nur Verlierer." Außerdem gebe es im Ort genügend öffentliche Themen, da brauche es keine Verbreitung von Interna.

Wenn es nach der vor sechs Jahren überraschend zur Pullacher Bürgermeisterin gewählten Susanna Tausendfreund geht, dann wird die CSU-Frau auch nach der Kommunalwahl ihren Dienst in der Abteilung Bautechnik verrichten. Die erste und bislang einzige grüne Bürgermeisterin im Landkreis München spricht von einer ungewöhnlichen Situation. "Wir haben darüber gesprochen, damit der Wahlkampf möglichst wenig Einfluss auf die Arbeit im Rathaus hat, und dass wir, in welcher Konstellation auch immer, auch nach dem Wahltag gut miteinander weiterarbeiten wollen," sagt die 56-Jährige.

Sauerlachs Bürgermeisterin Barbara Bogner:

"Wir arbeiten zusammen, was zu arbeiten ist. Vielleicht treffen wir uns ein bisschen weniger als sonst."

Dass Christine Eisenmann ihre Stellung im Rathaus und ein damit verbundenes exklusives Wissen zu ihren Gunsten nach außen tragen würde, nimmt die Rathauschefin nicht an. "Ich habe kein Problem mit der Konkurrenz im eigenen Haus", erklärt Tausendfreund.

"Das ist sicher kein ganz einfaches Thema", sagt Hubert Zellner, der Leiter des Sauerlacher Bauamtes, der nach dem 15. März oder einer möglichen Stichwahl 14 Tage darauf mit Sack und Pack umziehen will ins Bürgermeisterbüro. Der 50-Jährige, der von der CSU ins Rennen geschickt wird, will nach 34 Jahren Tätigkeit in der Rathausverwaltung "einen anderen Blickwinkel bekommen", wie er seine Kandidatur begründet. Und einen anderen Blickwinkel hätte er definitiv, wenn er nach der Kommunalwahl Platz nehmen könnte auf dem Bürgermeistersessel, den dann seine langjährige Chefin, Barbara Bogner von der UBV, freigeben müsste.

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Kandidatinnen und Kandidaten auf der Bühne

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"Wir versuchen das ohne Streit durchzubringen."

Zellner spricht von einer professionellen Zusammenarbeit mit der Rathauschefin und will nach eigenen Worten einen sachlichen Wahlkampf führen. Den gegenseitigen Umgang bezeichnet er als sehr respektvoll. Rathausinterna politisch ausschlachten werde er auf keinen Fall. "Wir müssen nach der Wahl ja wieder zusammenarbeiten", sagt Zellner. Das sieht Barbara Bogner genauso. Die 59-Jährige strebt eine dritte Amtszeit an und hat es dabei zum ersten Mal mit einem Konkurrenten aus dem eigenen Haus zu tun. "Wir versuchen, das ohne Streit durchzubringen", sagt die Rathauschefin, die strikt zwischen Privat und Dienst trennen will.

"Die Kandidatur Zellners ist sein Freizeitvergnügen", erklärt Bogner. Einfluss auf ihre Zusammenarbeit mit dem Bauamtsleiter nehme dessen Bewerbung nicht. "Wir arbeiten zusammen, was zu arbeiten ist", sagt sie. Allerdings räumt sie ein: "Wir treffen uns vielleicht ein bisschen weniger als sonst."

Zu den Drei vom Bauamt mit höheren Ambitionen zählt auch Christine Zechmeister, die ihre politische Heimat zwar in Pullach hat, wo sie zweite Bürgermeisterin ist und für die WIP-Fraktion im Gemeinderat sitzt, nun aber in Icking im Nachbarlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ganz nach oben strebt. Dort ist die Situation aber eine andere, weil die amtierende Rathauschefin Margit Menrad (UBI) freiwillig abtritt. "Um Himmels Willen, nein, da sehe ich keine Probleme", sagt Menrad, die nach eigenen Worten eine gute Zusammenarbeit mit Zechmeister pflegt. Menrad selbst war 2006 als Bauamtsleiterin zur Bürgermeisterin aufgestiegen. Ihre Erinnerungen könnten Zechmeister zur Vorsicht mahnen: "Das Bauamt ist kein ideales Sprungbrett, ich weiß, wovon ich rede."

"Das eine ist mein Beruf, das andere ist die Politik", sagt Zechmeister. Die 54-Jährige tritt zwar für die PWG an, hat aber nach eigener Darstellung mit der Fraktion nichts zu tun. Sie sei sich bewusst, dass sie wenigstens bis zur Wahl als Rathausmitarbeiterin im Amt ist und nicht als Politikerin im Gemeinderat. "Ich werde mich zurückhalten", sagt die Pullacherin.

© SZ vom 25.01.2020
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