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Einzelhandel:Ismaninger sind anspruchsvolle Kunden

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Ein buntes Sortiment an Einkaufsmöglichkeiten wünschen sich die Ismaninger in ihrem Ortszentrum.

(Foto: dpa)

Laut einer Studie zum örtlichen Einzelhandel wünschen sich die Ismaninger ein attraktiveres Zentrum mit Läden und bessere Online-Auftritte der Händler.

Von Sabine Wejsada, Ismaning

Weil Ismaning laut Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) nicht zu einem "Schlafort veröden will, wo nur Zusteller herumfahren", hat die Gemeinde im vergangenen Herbst eine Studie zum Einzelhandel in Auftrag gegeben. In Kooperation mit dem Institut für Handelsmanagement (IHM) und der örtlichen Hochschule für angewandtes Management. Die Ergebnisse der Erhebung, an der sich insgesamt 586 Konsumenten und 76 Händler beteiligt haben, wurden jetzt im Gemeinderat vorgestellt. Demnach wünschen sich Kunden wie Händler einen zentralen und gut erreichbaren Einkaufsstandort. Nach Ansicht von Konsumenten wie auch Unternehmern fehlt es an einem Ortskern, wo man sich gerne aufhält, Leute trifft, Gastronomie- und Kulturangebote nutzt und einkaufen kann. Ein eigens dafür gegründeter Arbeitskreis könnte sich darüber Gedanken machen, so die Studienteilnehmer.

Beim Nutzungspotenzial des von der Kommune eingerichteten Online-Schaufensters "Wir in Ismaning" gibt es offenbar noch Luft nach oben: Es sei noch nicht vollständig ausgeschöpft und habe Mängel, was Benutzerfreundlichkeit und Bekanntheit betreffe, heißt es in der Studie. Der Ismaninger Einkaufstyp sei anspruchsvoll und wolle auf zwei Ebenen "bestmöglich angesprochen und bespielt werden", also online und stationär, so die Verfasser der Studie. Eine weiteres Erkenntnis: Bei der Bereitschaft und Fähigkeit zur Digitalisierung der stationären Fachhändler gibt es Verbesserungspotenzial, teilweise genüge die digitale Präsenz nicht, "um den anspruchsvollen Ismaninger Käufertyp zu erreichen und zu binden".

Alle befragten Ismaninger zeigen Bereitschaft, lokal zu kaufen und gegenüber lokalen Produkten und Geschäften loyal zu sein. Etwas die Hälfte erledigt die Besorgungen auch auf dem Arbeitsweg; gekauft würden vorrangig Lebensmittel, Gesundheitsartikel, Kosmetik (80 Prozent). Gesucht würden Produkte vorrangig über Google, Amazon oder auf den Internetseiten der Händler, das sagten ebenfalls 80 Prozent der Befragten; dies gelte über alle Altersgruppen hinweg. Produkte würden gleichermaßen bevorzugt auf Amazon und in stationären Geschäften gekauft (circa 70 Prozent). Eine wichtige Rolle spiele die Informationssuche online, wenn stationär gekauft wird, wie die Hälfte der Befragten angaben.

Die Ismaninger sind zufrieden mit dem Einkaufspersonal in den Läden am Ort, etwa die Hälfte der Studienteilnehmer hat nichts an der Sortimentsgestaltung und der Produktverfügbarkeit in der lokalen Geschäften auszusetzen. Einen Wunsch aber haben alle: Auf regionale und nachhaltige Angebote solle ein stärkerer Fokus gelegt werden, so das Fazit. Zudem gibt es Wünsche nach Einkaufsmöglichkeiten im Ortsteil Fischerhäuser, Wochenmärkten, Zero-Waste-Läden, einem Tee- und Kaffeehaus und wieder einen Buchladen für Ismaning. Vorteilhaft wäre es auch, wenn die Geschäfte länger und flexibler geöffnet seien. Etwas überraschend sei die Erkenntnis, dass die Ismaninger Kunden weniger online aktiv sind als angenommen, was Empfehlung und Bewertungen angeht. Die meisten unterstützten lokale Produkte noch stärker als vermutet, so die Macher der Untersuchung.

Auf Händlerseite hat die Untersuchung ebenfalls interessante Aspekte zutage gefördert: So ist für die Hälfte der befragten Unternehmen (44 Prozent) die Nachfolgeregelung noch kein Thema; präferierte Vertriebskanäle seien das Ladengeschäft und eigener Online-Shop, Website und Mail seien die relevantesten Kanäle für Marketing und Kommunikation, ebenso soziale Medien und regionale Angebote. Der Großteil des Umsatzes werde offline generiert. Allerdings schätze der Fachhandel das Wissen hinsichtlich Digitalisierung deutlich geringer ein als der Online-Handel. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der teilnehmenden Händler hat und plant laut Studie keine Digitalisierungsstrategie. Probleme sähen die Gewerbetreibenden vor allem im mangelnden Ortskern und der Nähe zu München; fast die Hälfte der befragten Händler wünscht sich bessere Parkmöglichkeiten und einen zentralen Einkaufsort.

Dass eine solche Studie nicht nur Anstöße gibt, wie einen Kommune im Rahmen ihrer Zuständigkeit die Bedingungen für Kunden und Händler verbessern kann, sondern auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit liefert, lässt sich übrigens in ein paar Jahren in der Kolomansau sehen. Ismaning hat nach Angaben aus dem Rathaus sein Versprechen eingelöst und für jeden ausgefüllten Fragebogen einen Baum gepflanzt: Die insgesamt 662 neuen Gewächse werden den dortigen Laubmischwald in diesem Bereich ergänzen.

© SZ vom 01.06.2021
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