Coronavirus im Landkreis München:"Die Nerven der Leute liegen blank"

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Coronavirus im Landkreis München: Das Gedränge an den Impfbussen und Impfstationen schlägt auch auf die Stimmung.

Das Gedränge an den Impfbussen und Impfstationen schlägt auch auf die Stimmung.

(Foto: Robert Haas)

Landrat Göbel und Ismanings Bürgermeister Greulich beklagen einen zunehmend aggressiven Umgang mit Helfern an den Impfstationen.

Von Sabine Wejsada, Landkreis

Weil die Infektionszahlen rapide steigen und in den meisten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens die 2-G-Regel gilt, wollen sich immer mehr Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen oder sich ihre dritte Booster-Spritze abholen. Und das möglichst schnell und unkompliziert, was angesichts langer Warteschlangen an den Impfbussen und vor dem Impfzentrum in Haar viele auf eine Geduldsprobe stellt. "Die Nerven bei den Leuten liegen blank", sagt Landrat Christoph Göbel (CSU). Doch bei dem momentanen Ansturm sei klar, dass es zu Wartezeiten komme. Aus Haar berichtete der SZ eine Leserin von einer 250 Meter langen Schlange am Dienstag, trotz Impftermin hätten Menschen auch zwei Stunden später noch vor dem Gebäude gewartet.

Haar, das neue Corona Impfzentrum direkt neben der Teststation,  Foto: Angelika Bardehle

Nimmt Mitarbeiter und Helfer gegen Angriffe in Schutz: Landrat Christoph Göbel (CSU).

(Foto: Angelika Bardehle)

Was Göbel nach eigenen Worten jedoch besonders bestürzt, ist "der oft aggressive Umgang" mit den Einsatzkräften bei den Impfaktionen und im Haarer Zentrum. Sogar von "tätlichen Angriffen" gegen Mitarbeiter ist die Rede. Auch er selbst und viele seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Amt seien derzeit Angriffen und Beschimpfungen ausgesetzt - und zwar in einer Dimension, die er in 25 Jahren im Beruf noch nicht erlebt habe.

Er habe sehr wohl Verständnis dafür, dass sich die Menschen eine schnelle Impfung wünschten, so Göbel, dass einige dabei den Helfern allerdings ohne jeden Respekt begegneten, sei nicht hinzunehmen. Die Kritik treffe oft genau diejenigen, die lediglich den ihnen übertragenen Aufgaben nachkämen und dabei mehr und mehr an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit kämen. Göbel dankt allen Mitarbeitern und Helfern: "Es ist ein unglaublicher Einsatz, der hier seit inzwischen fast einem Jahr Woche für Woche erbracht wird."

Polizei und Security beim Impftag in Ismaning

Der Landkreis tut dem Landrat zufolge im Moment alles, um die Impfkapazitäten hochzufahren. "Das limitierende Problem ist hier vor allem die Personalknappheit." Sowohl das Bayerische Rote Kreuz (BRK) als auch die Johanniter Unfallhilfe und der Malteser Hilfsdienst benötigen dringend personelle Verstärkung, da Mitte kommender Woche neben Haar die beiden weiteren Impfzentren in Oberhaching am Keltenring 16 und in Unterschleißheim an der Freisinger Straße wieder öffnen. Gesucht werden derzeit in Voll- und Teilzeit Ärzte, medizinisches Fachpersonal und Mitarbeitende für Empfang und Betreuung.

In der Kreisbehörde ist man unterdessen dabei, den Corona-Krisenstab zu reaktivieren. Auch die Hotline, an die sich Bürger für Beratungen wenden können, soll über einen Dienstleister verstärkt werden. Im besten Fall könnten dort Fragen beantwortet werde, um die sich sonst Ärzte und Sanitäter kümmern müssten.

Wie sehr der respektvolle Umgang gelitten hat, weiß auch Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich (SPD). Es mehrten sich Beschwerden und Berichte über Aggressivität und Respektlosigkeit. Dabei sollten seiner Meinung nach "ein gedeihliches Miteinander" und ein "wertschätzender Umgang" selbstverständlich sein. Dass bei der Impfbus-Aktion Polizisten und Security-Mitarbeiter hätten auflaufen müssen, zeige eine gesellschaftliche Schieflage, sagte Greulich bei den Haushaltsvorberatungen am Donnerstagabend im Ismaninger Gemeinderat.

"Für etwaige Versäumnisse in der großen Politik können und dürfen die fleißigen und für uns so wichtigen Stützen nicht als Prellbock oder Blitzableiter für Verärgerungen und Unverständnis herangezogen werden", sagte Greulich. Ansonsten laufe die Gesellschaft Gefahr, "dass immer mehr dieser für uns alle so wichtigen Stützen in der Krise wegbrechen, weil sie einfach nicht mehr können und irgendwann auch nicht mehr wollen".

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