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Unterhaching:Gassigehen hinterm Zaun

Die Hundemeile verläuft entlang des Zauns zum Bundeswehrgelände. Die Gemeinde will einen zweiten Zaun errichten, um sie vom Rest des Landschaftsparks abzutrennen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Gemeinde Unterhaching will die Hundemeile im Landschaftspark vergrößern, aber zum Schutz von Vögeln wie der Feldlerche durch einen Zaun abtrennen. Dagegen regt sich Widerstand der Herrchen und Frauchen

Von Daniela Bode, Neubiberg/Unterhaching

Gegen die Pläne der Gemeinde Unterhaching, die Hundemeile im Landschaftspark durch einen Zaun auf einen zehn Meter breiten Streifen zu begrenzen, regt sich Widerstand unter den Hundebesitzern. Sie haben die Bürgerinitiative "Artgerechte Hundemeile" gegründet und Unterschriften gesammelt. Dabei kämpfen sie nicht nur gegen den neuen Zaun, sondern wollen auch erreichen, dass die Hälfte der Grünfläche zwischen dem Zaun zum Bundeswehrgelände und der Landebahn für "artgerechten Freilauf" festgelegt wird. "Zehn Meter sind nicht genug", schreibt Initiatorin Claudia Thielen aus Neubiberg in einer Pressemitteilung. "Hunde brauchen Auslauf und Sozialkontakte mit Artgenossen", betont die Tierärztin und Hundebesitzerin. Aussichtslos scheint ihr Anliegen nicht zu sein. Laut dem Unterhachinger Rathaussprecher Simon Hötzl soll das Thema im Gemeinderat noch einmal behandelt werden.

Stein des Anstoßes für die Hundebesitzer ist ein Beschluss des Ferienausschusses vom August. Da hatte dieser beschlossen, zehn Meter südlich des Zauns zum Gelände der Bundeswehr einen zweiten Zaun zu errichten und die Hundemeile abzutrennen. Die CSU hatte im Vorfeld diverse Verbesserungen für die Hundebesitzer beantragt, unter anderem einen 30 bis 40 Meter breiten Bereich von der Hundemeile an abzutrennen. Dies ist aber laut der Gemeinde aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht möglich, da sich angrenzend an die Hundemeile ein gesetzlich geschütztes Biotop befinde, wie es in der Begründung der Verwaltung heißt. Also einigte sich das Gremium mehrheitlich auf den mit der unteren Naturschutzbehörde ausgehandelten Kompromiss mit dem Zaun. Dadurch würde die Hundemeile auf zehn Meter verbreitert, die frei lebenden Tiere in den übrigen Wiesenflächen wären geschützt.

Thielen und ihren Unterstützern genügt das nicht. Auf einem zehn Meter breiten auf beiden Längsseiten begrenzten Streifen können ihrer Ansicht nach, "keine artgerechten Hundebegegnungen im Freilauf stattfinden, da keine Ausweichmöglichkeiten bestehen", schreibt Thielen in der Pressemitteilung. Auf Unverständnis stößt auch die Begründung, die Feldlerche in den angrenzenden Wiesenflächen könnte durch die freilaufenden Hunde gestört werden. "Fakt ist: Das riesengroße durch Beschilderung ausgewiesene Schutzgebiet für Bodenbrüter befindet sich südlich, also auf der anderen Seite der asphaltierten Landebahn", sagt Thielen. Ein Zaun an der geplanten Stelle sei daher überflüssig. Sie bemängelt zudem, dass in einer "derartigen Enge ohne Ausweichmöglichkeit" viele Hunde nicht mehr stressfrei aneinander vorbeigehen könnten.

Mit ihren Anliegen trifft die Initiative zum Teil auf Verständnis bei der Gemeindeverwaltung. Man habe vernommen, dass das bei jenen, denen eigentlich etwas Gutes getan werden sollte, nicht so angekommen sei, sagt Hötzl. Der Gemeinderat werde sich voraussichtlich im Januar noch einmal mit dem Thema befassen. Denn für die wegen der Corona-Pandemie ausgefallene Bürgerversammlung sei ein Antrag eingegangen, auf den Zaun zu verzichten und eine größere Freilauffläche nach Süden hin einzurichten. Hötzl kann sich vorstellen, dass das Thema nach der Reaktion der Hundebesitzer noch einmal kontrovers diskutiert werden dürfte. Sicher ist aber schon jetzt: Eine Verbreiterung der Freilauffläche nach Süden "geht gesetzlich nicht", wie Hötzl sagt. Anders als die Initiative vorbringt, begännen die geschützten Wiesen tatsächlich unmittelbar nach der Hundemeile. Und auch wenn das oft belächelt werde, die Feldlerche sei zu schützen. Ihre Population im Landschaftspark sei zuletzt drastisch geschrumpft, zudem gebe es nur noch wenige weitere Populationen.

© SZ vom 24.11.2020
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