Mobilität:Der langsamste Radschnellweg Bayerns

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Mobilität: In Garching werden Radschnellwege geplant. Der Radweg soll unter anderem über den Schafweideweg zur Straße Am See weitergeleitet werden.

In Garching werden Radschnellwege geplant. Der Radweg soll unter anderem über den Schafweideweg zur Straße Am See weitergeleitet werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Seit sechs Jahren wird über eine Verbindung von München nach Garching und Unterschleißheim diskutiert - nun soll zumindest die Route stehen.

Von Martin Mühlfenzl, Garching

Es ist kein Wunder, dass die Erwartungen an den ersten Radschnellweg im Freistaat nach sechs Jahren Planungszeit hoch sind. Doch sie haben sich nicht für alle Beteiligten erfüllt. Jetzt, nachdem sich nach endlosen Beratungen, zig Machbarkeitsstudien und Kontroversen eine finale Trassenführung auch in der Stadt Garching herauskristallisiert, zeigte sich am Donnerstag im Mobilitätsausschuss des Kreistags Markus Büchler, Kreisrat und Landtagsabgeordneter der Grünen, enttäuscht von der Lösung. Die Streckenführung in Hochbrück und Garching, so Büchler, gleiche eher einer "Radumfahrung" mit "viel Zickzack". Es mache wenig Freude, sagte der Grüne, wenn man als Radler "um alle möglichen Ziele herumgeführt" werde.

Im Jahr 2015 hatte der Landkreis mit den Planungen der Fahrrad-Autobahn von der Münchner Stadtgrenze in den nördlichen Landkreis nach Unterschleißheim und in die Universitätsstadt Garching begonnen; unterstützt durch Analysen, die dieser Strecke hervorragende Potenziale bescheinigten. Diese bestehen nach wie vor. Aber in dem Prozess kristallisierte sich schnell heraus, dass vor allem die innerstädtische Streckenführung in Garching Probleme beinhaltet. Vor allem entlang der B 471. Nun hat sich der Garchinger Stadtrat offenkundig für eine Trasse entschieden, die auch die Kreisräte unterstützen: von der Kreuzung der B 13 mit der B 471 über den Schleißheimer Kanal Richtung Osten, dann östlich der Daimlerstraße nach Norden bis zur U-Bahnhaltestelle Garching Hochbrück, über den Kreisverkehr am Parkring weiter entlang dem Schafweideweg und schließlich der Straße Am See in den Norden. Dort werden die Freizeit- und Sporteinrichtungen sowie nach der Querung der A 99 über die Freisinger Landstraße und die Ludwig-Prantl-Straße der Forschungscampus und die U-Bahnhaltestelle Garching-Forschungszentrum angeschlossen.

Der Garchinger Stadtrat wird sich am kommenden Dienstag, 30. November, mit dieser Variante befassen und dabei auch noch einmal über kleinere Änderungen beraten. Etwa eine alternative Streckenführung westlich des Garchinger Sees. In den Grundzügen aber steht die Trasse nun endlich. Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) erinnerte am Donnerstag im Ausschuss noch einmal an die lange Planungszeit. "Der Prozess bei dem Radschnellweg seit 2015 hat uns die Erkenntnis gebracht, dass wir leider nicht von einer schnellen Planung profitieren werden", monierte Böck und kritisierte die späte Einbindung der betroffenen Kommunen durch den Landkreis: "Eine Einbindung von Anfang an wäre sinnvoll gewesen und hätte uns eine Menge Zeit gespart."

Landrat Christoph Göbel (CSU) sagte, die nun gefundene Lösung sei im engen Dialog mit der Stadt erarbeitet worden; allerdings gestand auch er ein, dass das Wort "schnell" bei diesem Radschnellweg nicht unbedingt angebracht sei. Zudem verwies der Landrat auf die beengten Verhältnisse in der Universitätsstadt, welche die Planer vor große Herausforderungen gestellt hätten. So hätten etwa die Ausbaupläne für die B 471 einer dortigen Trassenführung entgegen gestanden, so der Landrat. Korrekt ist, dass sich im Bundesverkehrswegeplan der Ausbau der Bundesstraße auf vier Spuren wiederfindet, der die zusätzliche Eingliederung eines Radschnellwegs verhindert. Mit Blick auf die abgeschlossenen Koalitionsverhandlungen in Berlin sagte der Grüne Büchler, es werde ja bald einen neuen Bundesverkehrswegeplan geben. "Ich hoffe daher, dass der vierspurige Ausbau nicht kommt, denn er würde doch wieder für noch mehr Verkehr sorgen", so der Oberschleißheimer.

Komfortabel und sicher vom Stachus bis zum Forschungscampus

Nach Fertigstellung sollen einmal Fahrradfahrer auf einer Gesamtlänge von 23 Kilometern vom Stachus in der Münchner Innenstadt komfortabel und sicher bis zum Garchinger Forschungscampus respektive nach Unterschleißheim gelangen können. Alleine im Landkreis werden sich die Baukosten auf mindestens 35 Millionen Euro belaufen. In der Landeshauptstadt indes sind die Planungen noch nicht so weit gediehen wie im Landkreis - und es sind dort aufgrund der Platzverhältnisse etwa auf der Ludwigs- und Leopoldstraße auch Konflikte zu erwarten. Und wie erbittert in München um öffentlichen Raum gestritten werden kann, haben schon die Diskussionen um Pop-up-Radwege gezeigt.

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