Radschnellweg in Garching:Flott durch die Stadt

Erster Radschnellweg in Baden-Württemberg

Der Stadtrat entscheidet in Kürze über die Trasse.

(Foto: Christoph Schmidt/dpa)

Der Verlauf des seit Jahren verfolgten Radschnellwegs in Garching ist bis heute umstritten. Jetzt zeichnet sich eine Variante am Schleißheimer Kanal und an der Autobahn ab, die den U-Bahnhof Hochbrück anbindet.

Von Irmengard Gnau, Garching

Da war es wieder, das Raunen. Wer wollte, konnte es ganz leise durch den Garchinger Ratssaal hören am Donnerstagabend, als die Planer des Büros Wipfler-Plan den Mitgliedern des Bauausschusses ihre Varianten für den Verlauf des geplanten Radschnellwegs vorstellten. "Werden wir den fertigen Radschnellweg denn noch erleben?", hieß es hinter vorgehaltener Hand, als der Ausschuss nach zweistündiger Debatte statt des deutlichen Signals für eine bestimmte Route, das sich Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) gewünscht hatte, doch ein eher diffuses Stimmungsbild zu Protokoll gab.

Der Radschnellweg im Norden des Landkreises, der Berufspendler und Studierende aus München auf direktem Wege nach Garching, zum TU-Forschungscampus oder nach Unterschleißheim und in die Gegenrichtung gleiten lässt - er sollte ein Pilotprojekt werden, ein Zeichen dafür, wie ernst es der Landkreis nimmt mit dem Umdenken hin zu einer nachhaltigen Mobilität. Mit großen Plänen hob man 2016 zu dem Projekt an; inzwischen haben böse Zungen schon so manches Wortspiel mit dem Rad-schnell und -langsam-Weg getrieben. Allein, es ist eben nicht einfach, in einem dicht besiedelten Gebiet wie dem Landkreisnorden Platz für die ideale Route zu finden. Das wurde am Garchinger Beispiel einmal mehr deutlich. Ein Kompromiss zwischen widerstrebenden Interessen muss gelingen, und das fällt den Garchingern bei der Streckenbestimmung auf Stadtgebiet nicht so leicht.

Fünf Varianten hat das Büro Wipfler-Plan untersucht, um den Radschnellweg von der Kreuzung der Bundesstraßen 13 und 471 im Südwesten über Garching bis zum Forschungscampus im Norden zu führen, hinsichtlich ihrer Verträglichkeit, Kosten und der Anzahl von Radlern, die vermutlich diesen Weg befahren würden. 2000 pro Tag müssen es mindestens sein. Diese Zahl zu erreichen wäre nach jüngsten Erhebungen auf keiner der möglichen Varianten ein Problem, im Gegenteil: Sie bescheinigen den Routen streckenweise sogar mehr als 5000 Interessenten.

Ein Asphaltband durch die Heide?

Wo aber soll der mindestens vier Meter breite - mit Fußgängerstreifen kommen noch einmal zweieinhalb Meter dazu - asphaltierte Weg verlaufen? Der Weg durch die Heide nördlich des Gewerbegebiets Hochbrück sowie jener entlang der viel befahrenen, zum Ausbau anstehenden B 471 waren rasch ausgeschieden. Vom Knotenpunkt B13/B471 kommend soll der Radschnellweg am Schleißheimer Kanal entlang Richtung U-Bahnhof Hochbrück führen. Unterhalb des Bahnhofs teilen sich die Wege; Variante 1 läuft östlich des U-Bahnhofs, quert die U-Bahn über eine Brücke und verläuft weiter südlich des Park-and-Ride-Platzes bis über die B471 in die Schleißheimer Straße, der sie nach Norden bis in die bestehende Fahrradstraße Am See folgt; auf dieser führt die Route zur Egernfeldbrücke und über die Autobahn.

Variante 2 läuft westlich auf der Daimlerstraße am U-Bahnhof vorbei, unterquert die B 471 und leitet über Zeppelinstraße und Schafweideweg zur Fahrradstraße. Variante 3 führt östlich am U-Bahnhof vorbei auf dem Keltenweg bis zur Fahrradstraße Am See. Diese Variante wäre vermutlich die deutlich kostengünstigere, allerdings warnt Planer Roland Kindelbacher, der Übergang an der Schleißheimer Straße wäre sehr schwer zu lösen. Zudem wäre die Bodenversiegelung größer als beim Ausbau bestehender Wege und der U-Bahnhof wäre nicht angeschlossen.

Der Garchinger Arbeitskreis aus Stadtverwaltung, Radbeauftragtem, ADFC und Polizei favorisiert daher eine Kombination aus den Varianten 1 und 2, jedoch mit einer Brücke schräg über den Parkplatz; auf diese Weise will Bürgermeister Gruchmann schwierige und langwierige Verkaufsverhandlungen für Grundstücke östlich des U-Bahnhofs umgehen. Die Mitglieder des Ausschusses sahen einen leichten Vorteil für Variante 2.

Nach der Brücke soll der Schnellweg dann nach Mehrheitswunsch gleich parallel zur Autobahn entlang des Walls nach Norden verlaufen, dann südlich des Autobahnzubringers bis zur Kreuzung St2350/Ludwig-Prandtl-Straße, dann über eine Brücke nach Osten zu den Forschungsinstituten. Alternativ könnte die Route am Rande des Wohngebietes über die Freisinger Landstraße führen.

Kommenden Donnerstag muss der Stadtrat endgültig entscheiden, welche Variante Garching ins Rennen schickt. Am 18. Oktober befasst sich dann der Kreismobilitätsausschuss mit dem Thema.

© SZ vom 18.09.2021/belo
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