bedeckt München 25°

Coronavirus im Landkreis München:Der Krisenstab arbeitet weiter

Neue Corona-Teststation für Menschen in systemrelevanten Berufen in München, 2020

Die Testzentren im Landkreis sollen erhalten bleiben, um sie schnell wieder hochfahren zu können.

(Foto: Florian Peljak)

Der Landrat will nach Ende des Katastrophenfalls Strukturen erhalten, die sich während der Pandemie bewährt haben.

Von Martin Mühlfenzl, Landkreis München

Dass der Katastrophenfall gefühlt schon seit geraumer Zeit vorbei ist, zeigt sich an vielen Orten im Landkreis München. An sonnigen Tagen etwa an der Isar bei Pullach und Grünwald, an den Seen im Norden, im Landschaftspark, wenn die Paragleiter durch die Lüfte ziehen - und auch in den zahlreichen Biergärten. Und seit Dienstag herrscht auch tatsächlich kein Katastrophenfall mehr im Freistaat, die Staatsregierung hat ihn offiziell für beendet erklärt. Landrat Christoph Göbel (CSU) begrüßt die politische Entscheidung grundsätzlich, der er vor allem eine "psychologische Wirkung" zuschreibt: "Wir haben momentan ja keine Katastrophe." In Jubel, so Göbel, könne er aber nicht ausbrechen. Denn mit der Aufhebung des Katastrophenschutzes würden auch Maßnahmen beendet, die sich in der Krise bewährt hätten.

Faktisch haben seit Dienstag sowohl Dominik Hinzmann, Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK), als auch der Oberhachinger Mediziner Oliver Abbushi ihre Tätigkeiten beendet. Hinzmann verantwortete bisher vor allem die Steuerung der Patientenströme im Landkreis München und der Landeshauptstadt sowie das Betten- und Behandlungs-Kapazitätsmanagement für Corona-Patienten in den Kliniken; Abbushi war als Versorgungsarzt des Landkreises vor allem für die Hausärzte zuständig, hatte einen eigenen Stab im Landratsamt, war dem Landrat unterstellt und unmittelbar an die örtliche Katastrophenschutzbehörde angebunden. Auch diese beendet mit dem Ende des Katastrophenfalls offiziell zunächst ihre Arbeit.

Bewährte Strukturen erhalten

Landrat Göbel aber will auch künftig die bewährten Strukturen im Landkreis zur Bekämpfung der Corona-Pandemie aufrecht erhalten, wie er der SZ sagte, um möglichst schnell reagieren zu können, falls sich das Infektionsgeschehen wieder verändere. In welcher Form dies geschehen kann, darüber berät an diesem Donnerstagvormittag der Corona-Koordinierungsstab im Landratsamt. Diesen hatte Göbel frühzeitig in Eigenregie ins Leben gerufen, um alle Maßnahmen schnell umsetzen zu können. "Und er wird seine Arbeit auch fortführen", sagt der Landrat.

Definitiv sollen die vier Corona-Behandlungszentren in Unterföhring, Ottobrunn, Oberhaching und Gräfelfing in Betrieb bleiben, dort werden Patienten getestet und auch behandelt. Und auch die noch bestehenden reinen Testzentren in den Kommunen blieben erhalten, um sie schnell wieder hochfahren zu können, wenn es das Infektionsgeschehen erfordert, sagt Göbel.

Das Ende des Katastrophenfalles aber hat zur Folge, dass der Landkreis nicht mehr direkt auf Hilfs- und Rettungskräfte oder auch Einheiten der Bundeswehr zurückgreifen und diese zu notwendigen Einsatzen abrufen kann. Dies könne fortan nur über ein Amtshilfe-Ersuchen geschehen, wie es in Artikel 35 des Grundgesetzes geregelt ist, sagt Göbel.

Ob Oliver Abbushi seine Arbeit als Versorgungsarzt für den Landkreis auch ohne den Katastrophenfall fortführen wird, ist noch nicht geklärt. Landrat Göbel deutet an, das er dies für wünschenswert hält, er wolle aber den Gesprächen nicht vorgreifen. Klar sei aber, dass der Landkreis wenn nötig Geld in die Hand nehmen müsse, um die noch bestehenden Strukturen zur Pandemie-Bekämpfung aufrecht erhalten zu können - ohne finanzielle Unterstützung durch den Freistaat Bayern.

Unterdessen kehren manche Kommunen weiter zum Normalbetrieb zurück. Von Juli an würden sich die Mitarbeiter, die in den vergangenen Monaten mit Unterstützung des Bayerischen Roten Kreuzes sich um die Informations-Hotline zum Coronavirus gekümmert haben, wieder ihren eigentlichen Aufgaben zuwenden, teilt Unterschleißheim mit. Die Corona-Arbeitsgruppe der Stadt bleibt aber im Dienst.

© SZ vom 18.06.2020/sab
P. Hans Grotz SJ; Jesuitenpater Hans Grotz

Coronavirus
:Einsames Abschiednehmen

Im Altenheim Katharina Labouré in Unterhaching waren viele Bewohner und Mitarbeiter an Covid-19 erkrankt. Darunter auch Jesuiten-Pater, die in einer Kommunität dort leben. Der Superior berichtet vom Tod seiner Mitbrüder und was es für die Gemeinschaft bedeutet.

Von Carina Seeburg

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite