Kinofilm "Trautmann" Hier wird die Reitanlage in Riem zum Manchester-Stadion

Die Reitanlage in München-Riem wird zum Stadion von Manchester City.

(Foto: Arri Media)

Marcus Rosenmüllers neuer Film erzählt die erstaunliche Lebensgeschichte des deutsch-englischen Fußballers Bernhard Trautmann.

Von Barbara Hordych

Wie viele Kinder hörte auch Robert Marciniak, heute Produzent bei der Münchner "Lieblingsfilm", mit Begeisterung zu, wenn Geschichten erzählt wurden. Besonders faszinierten sie ihn, wenn sie den Zusatz "wahr" erhielten. Von daher beeindruckte ihn eine Geschichte besonders, die er als Zwölfjähriger von seinem Vater gehört hatte. "Sie handelte von Bernhard Trautmann, einem jungen deutschen Soldaten von Anfang Zwanzig, der kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in britische Gefangenschaft geriet und in der Nähe von Manchester inhaftiert war. Noch in der Gefangenschaft wurde er als Torwarttalent entdeckt und am Ende engagierte ihn Manchester City. Trautmann war damit der erste deutsche Profi in England", erzählt Robert Marciniak.

Freilich sei es seinerzeit nicht so gewesen, dass Trautmann dort mit offenen Armen empfangen worden wäre; ganz im Gegenteil, dem früheren "Kriegsfeind" schlug viel Ablehnung entgegen, nachdem er 1949 bei Manchester City unterschrieben hatte. Einmal demonstrierten sogar 20 000 Menschen gegen die Entscheidung des Clubs, einen ehemaligen deutschen Fallschirmjäger aufzustellen.

"Aber dann gab es 1956 dieses legendäre Cup-Finale im Londoner Wembley-Stadion, das alles veränderte", sagt Marciniak. Trautmann ermöglichte seinem Team den Sieg gegen Birmingham, vor 100 000 Zuschauern, darunter auch die Queen. In den letzten 20 Minuten verletzte er sich bei einem Zusammenprall mit einem gegnerischen Stürmer, spielte aber trotz großer Schmerzen weiter, weil Auswechslungen damals noch nicht erlaubt waren, und sicherte so seiner Mannschaft den Sieg. Es gibt da dieses Foto, auf dem Trautmann sich an den schmerzenden Nacken greift, nachdem ihn dort das Knie des Gegners getroffen hatte. Im Nachhinein stellte sich bei einer Röntgenuntersuchung heraus, dass Trautmann die letzten 20 Minuten mit gebrochenem Genick gespielt hatte. Als das Ergebnis bekannt wurde, schlug die Stimmung komplett um: von da an wurde Trautmann als "Held" gefeiert.

300 Statisten saßen auf derTribüne der Olympia-Reitanlage, die digital vervielfältigt wurde.

(Foto: Arri Media)

Diese Geschichte erzählte Robert Marciniak vor mehr als zehn Jahren dem Regisseur Marcus H. Rosenmüller, als sie gemeinsam im Schneideraum für Rosenmüllers Film "Die Perlmutterfarbe" saßen. Nebenbei schauten sie EM-Qualifikationsspiele, ins Bild geriet auch Tschechiens Torhüter Petr Cech, der nach einem Schädelbruch immer mit einem Kopfschutz spielt. Die Assoziation zu Trautmanns Schicksal war gegeben, spontan erzählte Marciniak dem Regisseur davon. "Was für eine tolle Geschichte, die müssen wir unbedingt verfilmen", habe Rosenmüller ausgerufen.

Es sollte dann allerdings Jahre dauern, bis die Münchner Lieblingsfilm die Finanzierung von Rosenmüllers erstem Film in englischer Sprache, gefördert auch vom Film-Fernseh-Fonds Bayern, beisammen hatte. Im Zuge der Vorarbeiten besuchten Rosenmüller und Marciniak auch eine Woche lang Trautmann, der inzwischen 86 Jahre alt war und in Valencia lebte. Sprachen mit ihm über seine Erlebnisse und Erinnerungen, die sie in das Drehbuch einarbeiteten.

"Es war sein großer Wunsch, die Premiere des Films noch zu erleben", sagt Marciniak. Die Erfüllung dieses Wunschs war Trautmann allerdings nicht mehr vergönnt. Er starb 2013, mit 89 Jahren, an einem Herzinfarkt. Vielfach ausgezeichnet übrigens, 1956 wurde "Bert" zu Englands "Fußballer des Jahres" gewählt, 2004 erhielt er von Queen Elisabeth II. den Order of the British Empire für seine Verdienste um die englisch-deutsche Verständigung durch Fußball. In seinem Nachruf befand der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach über den Torhüter: "Er kam als Soldat und damit als Kriegsgegner nach England und wurde auf der Insel ein umjubelter Held. Er war schon zu Lebzeiten eine Legende. Seine außergewöhnliche Karriere wird für immer in den Geschichtsbüchern bleiben."

Dass diese außergewöhnliche Lebensgeschichte nicht nur in Büchern, sondern auch auf der Leinwand zu verfolgen ist, dafür sorgt nun Rosenmüllers neuer Film "Trautmann" mit David Kross in der Titelrolle. Die Weltpremiere feierte man bereits im September in Zürich, im Frühjahr 2019 startet der Film dann auch in den deutschen Kinos. Die Dreharbeiten der internationalen Koproduktion fanden in Irland und in Bayern statt.

"Weil auch Nordengland heute längst nicht mehr so aussieht wie in den Fünfzigerjahren, sind wir nach Irland ausgewichen", sagt Marciniak. Eine Herausforderung waren dann auch die Aufnahmen in den Stadien, in denen sich die spektakulären Spiele ereigneten. Denn die waren längst abgerissen, als im vergangenen Jahr gedreht wurde. "Mir fiel aber ein, dass bei der Olympia-Reitanlage noch eine alte Tribüne aus den Siebzigerjahren stehen geblieben ist", sagt Marciniak. Die Anlage eignete sich gut, weil keine Aschenbahn dabei war, das historische Manchester Stadion war nämlich ein reines Fußballstadion. So weit war alles gelöst.

"Doch als wir im Juli drehen wollten, mussten wir überrascht feststellen, dass der Rasen völlig ruiniert war, in den Wochen davor hatte es dort Pferdesportveranstaltungen gegeben". Kurzerhand verschob man den Dreh auf August und säte in der Zwischenzeit einen neuen Rasen aus. "Wir hatten riesiges Glück mit dem Wetter, es war heiß und feucht, der Rasen wuchs in den vier Wochen tatsächlich komplett nach", sagt Marciniak. Die Dreharbeiten konnten beginnen, die Tribüne wurde mit rund 300 Statisten in historischer Kleidung besetzt und später in den Arri-Studios digital vervielfältigt. Im Film sind fast 50 000 jubelnde Fans zu sehen.

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