Kritik:Bester Laune

Das Konzert zur Feier des jüdischen Neujahrsfestes im Prinzregententheater.

Von Klaus Kalchschmid, München

Ach was sind christliche Neujahrskonzerte doch manchmal bemüht heiter und oft allzu vorhersehbar in ihrem Programm. Nicht so das alljährliche große Festkonzert zur Feier des jüdischen Neujahrsfestes "Rosch ha-Schana" im Prinzregententheater mit dem Jewish Chamber Orchestra Munich (JCOM) unter Daniel Grossmann. Ohne Maske und immer wieder zum Mitklatschen angefeuert von den beiden großartigen jungen Kantoren Chaim Stern und Nachman Turgeman, erreichte die gute Laune der begeisterten Zuhörer im ausverkauften Haus am Ende einen fast schon bedenklichen Pegel.

Beginnend mit dem traditionellen "Kol Nidre", das später mit "Hamavdil" sein Gegenstück fand, folgte jede Menge wunderbar launige Musik für ernste, religiöse Texte. Im 20. Jahrhundert oftmals in Amerika entstanden, hat sie viele Strömungen aufgesogen und stellt ein herrliches Amalgam dar zwischen Psalmodieren auf Hebräisch, Oper, Operette, Musical und gar Popmusik. Im einzigen rein instrumentalen Stück des Abends, "Dos Yiddishe Lid" von Sholom Secunda, hörte man den ersten Satz von Mahlers vierter Symphonie durchschimmern, andernorts das Wolga-Lied von Franz Lehár. Fragt sich nur, was zuerst war. Oder speist sich beides aus jüdischer Tradition früherer Jahrhunderte?

Nur schade, dass man des Hebräischen nicht mächtig ist, denn hört und sieht man den beiden Tenören zu, kann man an der verschmitzten Mimik oftmals Hintergründiges erahnen. Stern hat die geschmeidigere, farbenreichere Stimme, Turgeman die brillant durchdringendere. Trotzdem eifern sie mehrfach launig um den noch schöneren Spitzenton, wie es sich für zwei Tenöre auf einem Podium gehört. Daniel Grossman ist nicht nur inspirierender Dirigent eines enorm elegant und spritzig spielenden JCOM, sondern erläutert, was in Stücken wie "Ma Tovu", "Moshe and Aharon", "Kol Dodi", "Or Chadash", "Re'i Rachel", "Avinu Shebashamayim" oder "Shir Hamhalot" verhandelt wird und welche Bedeutung der Text im jüdischen Leben hat.

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