Holzplatz "In München wissen viele gar nicht, dass Mercury hier fünf Jahre wohnte"

Eigentlich ein Juwel: Das gusseiserne Oktogon auf dem Holzplatz wurde ursprünglich im Jahr 1900 auf dem Stachus errichtet.

(Foto: Catherina Hess)

Der Stadtführer Martin Arz will nun an den Sänger und seine Beziehung zur Stadt erinnern - an einem ganz speziellen Örtchen am Holzplatz.

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Martin Arz, Verleger, Schriftsteller und Stadtführer, will das Pissoir am Holzplatz im Glockenbachviertel aufmöbeln - mit Hilfe von Street-Art-Künstlern. Er hat gerade die Erlaubnis der Denkmalschutzbehörde bekommen, ein Ausnahmefall. Das Pissoir ist nämlich nicht irgendeine Toilette, sie gilt als einziges gusseisernes Oktogon Münchens und wurde ursprünglich im Jahr 1900 auf dem Stachus errichtet. Nach seinem Umzug in das Glockenbachviertel nach dem Krieg wurde das achteckige Pissoir als "Klappe" berühmt und ist eng verbunden mit der Geschichte der Homosexualität in München. Vor etwa 30 Jahren wurde das denkmalgeschützte Klohäuschen zugemacht.

SZ: Herr Arz, eigentlich wollten Sie mit dem Pissoir ja ein Memorial setzen. Ein Memorial für den verstorbenen Sänger der Band Queen, Freddie Mercury.

Martin Arz: In den Vorgesprächen mit den Denkmalschützern kam raus, dass sie mit einem Memorial nicht glücklich gewesen wären. Deshalb bin ich davon abgekommen. Wir - bei den Gesprächen war ich mit einer Vertreterin des Kulturreferats und Beate Bidjanbeg, der Kulturausschussvorsitzenden im Bezirksausschuss - sind ja heilfroh, dass es doch noch geklappt hat. Dann nennen wir es halt nicht Memorial.

Wieso Freddie Mercury?

Weil er in seinen fünf Jahren im Viertel unter anderem am Holzplatz gewohnt hat. An der Pestalozzistraße. Und vielleicht hat er das Pissoir ja auch mal genutzt.

Was für ein Zeichen wollten Sie setzen?

Was David Bowie für Berlin war, war Freddie Mercury für München. Die Berliner wissen sehr wohl, Bowie präsent zu halten. In München wissen viele gar nicht, dass Mercury hier fünf Jahre wohnte. Und die es wissen, haben es oft erst durch den kürzlich laufenden Queen-Film "Bohemian Rhapsody" erfahren.

Was hat Freddie Mercury denn im Glockenbachviertel gefunden?

Er hat sich hier sehr wohl und frei gefühlt. Er war natürlich der große Star, aber hier war er auch der Freddie, der einfach ein Bier trinken gehen konnte.

Er bekommt jetzt also kein Memorial. Aber ein kleiner Erinnerungsort soll das frühere Pissoir doch noch werden?

Derzeit ist angedacht, mit der Wandgestaltung an drei bekannte Isarvorstadt-Gäste zu erinnern. Freddie Mercury ist einer von ihnen.

Und die anderen Persönlichkeiten, an die erinnert werden soll?

Albert Einstein, von dem ja auch kaum bekannt ist, dass er hier in der Adlzreiterstraße aufgewachsen ist. Und Rainer Werner Fassbinder, der gegenüber vom Hotel Eiche am Gärtnerplatz wohnte.

Verglichen mit dem herausgeputzten Gärtnerplatz sieht der Holzplatz allerdings heruntergekommen und eher nach einem großen Parkplatz aus.

Das ist ein schönes Viertel, und es sollte wieder schön werden. Man könnte aus dem Holzplatz ein kleines Juwel machen. Die Pissoir-Aktion ist ein erster Schritt dazu. Denn derzeit ist es regelmäßig mit Tags verschmiert. Das leistet der Verwahrlosung des Platzes Vorschub.

Mit welchen Künstlern wollen Sie bei der Gestaltung des Pissoirs zusammenarbeiten?

So, wie es derzeit aussieht, mit den Jungs von Graphism, ein Team für Gestaltung, alle mit viel Streetart-Erfahrung. Sie haben vor einigen Jahren auch die Graffiti-Aktion an der Viehhofwand organisiert. Die kriegen das hin, und zwar so, dass es klappt trotz der beschränkten Farbpalette.

Eine Vorgabe der Denkmalschützer?

Ja, wir dürfen in der Farbgestaltung nicht weit abweichen von den Farben des Denkmals, müssen also alles eher in Grün und Beige halten.

Gibt es noch weitere Vorgaben?

Der ursprüngliche Zustand muss erhalten bleiben. Wir dürfen also nicht direkt auf das Denkmal malen, sondern auf Platten, die wiederum am Denkmal befestigt werden. Aber noch ist unklar, welche Platten das sein könnten und wie sie befestigt werden könnten.

Wann wollen Sie anfangen?

Wir müssen natürlich zunächst sauber machen. Bis jetzt sind wir nicht mal ins Pissoir reingekommen - wir wissen nicht mal, wo der Schlüssel ist und wie es von innen aussieht. Am 29. Juni ist ein Fest auf dem Holzplatz geplant. Da wollen wir was machen - entweder die Künstler können dann loslegen oder vielleicht ist ja schon Vernissage.

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