Kunstwelt:Zeigen, was man hat

Andrea Lissoni wird neuer Direktor am Haus der Kunst in München, 2019

Der Direktor am Haus der Kunst Andrea Lissoni.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Haus der Kunst-Chef Andrea Lissoni will helfen, München als internationalen Kunststandort zu stärken. Dabei setzt er darauf, dass die Szene sich besser vernetzt. Er selbst geht dafür auch gern mal in den Garten.

Von Susanne Hermanski, München

Nein, Andrea Lissoni ist wirklich nicht der typische Vereinsmeier. Der Haus der Kunst-Leiter ist ein Poet von Natur - kein einsamer, ein geselliger. Deshalb befindet er sich seit diesem Herbst prompt im Vorstand des "Vereins zur Förderung der Außenwahrnehmung Münchens als Kunststandort". Was sich so ungelenk liest, stellt als aktives Grüppchen recht geschickt diesen Herbst schon zum vierten Mal die "Various Others" auf die Beine, eine Initiative, an der sich private Galerien ebenso wie staatliche Museen und etwa Auktionshäuser beteiligen. Zu Lissonis Mitstreitern zählen Galeristen wie Tim Geissler und Johannes Sperling, Kuratorinnen wie Sarah Haugeneder (Espace Louis Vuitton) und Patrizia Dander (Museum Brandhorst).

"Ich bin überzeugt von der Idee, München in der internationalen Szene als tollen Ort für Kunst bekannter zu machen", sagt Andrea Lissoni. Er ist in Mailand geboren, hat unter anderem in Paris studiert, in New York unterrichtet, in Taschkent kuratiert und bis zu seinem Wechsel ans Haus der Kunst im April 2020 an der Tate Modern in London gearbeitet. Er weiß also, dass da noch Luft nach oben ist mit dem Ruf Münchens als Kunststadt. Dabei sei die Ausgangslage prima hier. Das Bündeln des Angebots durch die Various Others habe schlicht den Sinn, Kunstinteressierten aus nah und fern zu signalisieren: "Kommt, und bleibt gern ein paar Tage länger, hier gibt es auf kurzen Wegen viel zu entdecken." Im besten Fall kämen die Sammler, kauften etwas - vielleicht in einer kleinen Münchner Galerie von einem Münchner Künstler, der später mal ein ganz großer werde, was dann noch später wieder seinen Weg zurück in die Pinakotheken findet. "Das wäre der Traum", sagt Lissoni.

Aber klar gehe es nicht darum, dabei im eigenen Weißwurstsud zu kochen, sondern um Austausch. Über Ländergrenzen hinweg. Partner aus Leipzig, Berlin und Düsseldorf und Galerien aus fünf europäischen Nachbarländern, den USA und Hongkong sind als Gäste geladen. Mit Künstlergesprächen, Performances, Buchvorstellungen und Musik läuft das Programm bis in den Oktober, ein Booklet, das vielerorts ausliegt, verschafft den schnellsten Überblick, die Homepage www.variousothers.com tut es auch. Zu entdecken gibt es vieles. Etwa auch, wie die Terrasse des Hauses der Kunst nicht nur für den bloßen Sundowner in der Bar, sondern auch für die Kunst selbst mitbespielbar ist.

Überhaupt hat Andrea Lissoni vor, weiter zu denken, was die räumliche Situation seines Ausstellungshauses anbelangt: Er wird demnächst nicht nur spontan einer jungen Münchner Künstlerpersönlichkeit im Westflügel Platz geben - das ist bahnbrechend, weil dieser Bereich seit Jahrzehnten nur für Veranstaltungen genutzt worden ist. Lissoni will sich auch weiter in Richtung Englischer Garten vorwagen, der unter der bekannt strengen aber meistens gerechten Aufsicht der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung steht, und dessen Südspitze das Haus der Kunst säumt. "Ich finde es naheliegend, dass man das Haus auch zum Garten hin öffnet und den Park zum Haus hin." Er hoffe, dass erste Zeichen der Lockerung der bisherigen Trennung - wie durch das Pandemieprogramm "Bayern spielt", das öffentliche Räume neu für die Kunst erschließt - auch künftig beibehalten und behutsam ausgeweitet werden können. Dem Ruf Münchens als Kunststadt könnte das jedenfalls förderlich sein.

© SZ/arga
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