Guiness-Buch der Rekorde Das ist das sparsamste E-Auto der Welt

Lisa Kugler hat sich in das E-Mobil gezwängt, ihre Kollegen Philipp Wurdak, Martin Angerer und Maxime Raab helfen bei den Startvorbereitungen.

(Foto: Graeme Fordham/Rightlight Media)

Ein Team der TU München hat es konstruiert - und sich jetzt einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde gesichert.

Von Jakob Wetzel

Am Ende wird es doch noch einmal eng. Es ist Samstag um kurz nach halb zehn auf einer Audi-Teststrecke in Niederbayern, und das Tufast-Eco-Team versucht sich am Weltrekord. Neun Alumni und Studenten der Technischen Universität München wollen beweisen, dass sie das energieeffizienteste Elektrofahrzeug der Welt konstruiert haben.

Alles ist bereit, das Gefährt steht an der Startlinie, eine Prüferin von Guinness World Records hat den Stift gezückt, die Fahrerin drückt auf den Startknopf. Sie sollte nun ganz sachte und leise losrollen - doch da fängt der Motor an zu poltern. "Probier's noch mal", ruft Techniker Philipp Wurdak. Aber es hilft nichts: das gleiche Geräusch.

Hektisch öffnen sie das Fahrzeug. Doch es hat sich nur ein Verschluss gelockert, ein Handgriff, und alles ist repariert. "Braucht jemand eine Herztablette?", fragt einer noch, da fährt das Fahrzeug schon davon, der zweite Start hat geklappt. Es ist 9.40 Uhr. Der Rekordversuch beginnt.

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Das Team erfüllt sich an diesem Samstag einen Traum. Seit Jahren schrauben sie an energiesparenden Elektroautos herum, einige hat das Projekt ihr ganzes Studium begleitet, es hat sie zusammengeschweißt. Der Weltrekord soll dem die Krone aufsetzen: Das zigarrenförmige Dreirad soll so sparsam dahinrollen, dass es mit der Energie von umgerechnet einem Liter Benzin mindestens 10 000 Kilometer weit kommt. Die bisherige Bestmarke liegt bei 5000 Kilometern pro Liter, ein Team der ETH Zürich hat sie aufgestellt.

Die Fahrerin sitzt nicht, sie liegt

Eigentlich wollten die Münchner diesen Rekord heute brechen, aber daraus wird nichts, das ist vor dem Start schon klar: Die Schweizer fuhren mit einem Wasserstoffauto, die Münchner fahren ausschließlich mit Akku. Guinness widmet dem neuen Versuch deshalb eine eigene Kategorie. Die Münchner werden also neben den Zürichern stehen.

Am Steuer der rollenden Zigarre sitzt - oder besser liegt - Lisa Kugler. Das Fahrzeug ist der 26-Jährigen auf den Leib gebastelt, sie ist die einzige im Team, die hineinpasst. 2,7 Meter ist es lang, einen halben Meter hoch und nur wenig breiter. Jedes überflüssige Gewicht wurde entfernt, etwas mehr als 20 Kilogramm wiegt das Fahrzeug jetzt noch, dazu kommen die 50 Kilogramm von Lisa Kugler. Sie liegt auf dem Rücken, den Hals nach oben geknickt, damit sie zwischen den Beinen nach vorne sehen kann. Bewegen kann sie sich kaum, aber das mache ihr nichts aus, sagt sie später, eigentlich sei es ganz bequem. Sie steuert mit zwei Lenkhebeln. Armaturen gibt es keine, nur eine Handbremse und einen Ausschaltknopf für den Notfall.

Um Geschwindigkeit geht es an diesem Tag nicht, sie ist voreingestellt auf 26 Kilometer pro Stunde. Für Kugler gilt: Sie muss möglichst ohne Schlenker auf der Ideallinie fahren, denn jedes Lenkmanöver bedeutet Reibung, und das verbraucht Energie. Kurz vor dem Ziel wird sie den Motor ausschalten und das Fahrzeug ausrollen lassen, um Strom zu sparen. Die anderen können nicht viel mehr tun als warten.

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So wie Klaus Hoschke. Der 28-jährige Maschinenbauer sitzt auf einer Leitplanke an der Teststrecke und überlegt, was jetzt noch alles schief gehen könnte. "Bei der Elektronik kann immer was passieren", sagt er. Zur Not dürfen sie den Versuch bis zu zweimal wiederholen. Die Generalprobe ist ihnen bereits misslungen.

Eine Woche zuvor war das Team am selben Ort, dessen genaue Lage geheim bleiben muss; ohne diese Bedingung hätte Audi keinen Journalisten an die Strecke gelassen. Es war heiß , 30 Grad Celsius, die Scheibe des Elektrofahrzeugs beschlug, der Motor lief heiß, die Reifen wurden klebrig, die Verbrauchswerte waren indiskutabel. Tag und Nacht überarbeiteten die Techniker daraufhin den Motor und das Fahrwerk, erst am Freitag fuhren sie zu einem letzten Test auf einen Parcours der Universität der Bundeswehr in Neubiberg. Doch auch hier lief nicht alles rund. Beim Testen beschädigten sie das Hinterrad.