Gleisarbeiten Sommer, Sonne, S-Bahn-Pause

Gute-Laune-Maulwurf Max versucht die Stimmung unter den Fahrgästen zu heben und weist den Weg zum Schienenersatzverkehr.

(Foto: Marco Einfeldt)
  • Die Bahn-Strecke nach Freising wird während der Sommerferien gesperrt.
  • Grund dafür ist, dass auf 33 Kilometern Länge Gleise und Weichen erneuert werden.
  • Danach wird die neue Neufahrner Kurve ans Netz genommen, die die direkte Zugverbindung von Ostbayern an den Flughafen ermöglicht.
Von Andreas Schubert

Der Countdown für eine der größten Baustellen dieses Sommers in Bayern läuft. Von kommenden Samstag, 28. Juli, an bis zum 10. September müssen sich etwa 50 000 Pendler am Tag, die auf der Strecke der S 1 unterwegs sind, in Geduld üben. Auf 33 Kilometern Länge erneuert die Bahn Gleise und sechs Weichen zwischen Freising und Feldmoching sowie zwischen der Station Flughafen-Besucherpark und Neufahrn.

Dabei werden 61 000 Schwellen und 42 000 Tonnen Schotter ausgetauscht. Zudem baut die Bahn die Bahnhöfe Unterschleißheim und Lohhof barrierefrei um und nimmt die neue Neufahrner Kurve ans Netz. Diese ermöglicht vom Ende des Jahres an direkte Zugverbindungen von Ostbayern an den Flughafen.

Dafür läuft während der Sommerferien ein Notprogramm. Wer sich gut vorbereitet, kommt dennoch vorwärts, wenn auch langsamer. Zwischen Feldmoching und Freising sowie zwischen Feldmoching und Flughafen fahren Ersatzbusse, die in der Hauptverkehrszeit zwischen Feldmoching und Lohhof verstärkt werden. Die S-Bahnlinie S 1 startet in Feldmoching Richtung Münchner Innenstadt. Vom Leuchtenbergring fährt sie auf der Strecke der S 8 ohne Halt in Daglfing, Englschalking und Johanneskirchen weiter zum Flughafen. Die Linie verkehrt zwischen 6 und 23 Uhr alle 20 Minuten. Zusammen mit der S 8 entsteht so ein Zehn-Minuten-Takt zum Flughafen.

Reisende, die mit Regionalzügen etwa aus Regensburg oder Passau über Landshut nach München wollen, müssen in Freising umsteigen. Hier stehen sowohl Busse zur Verfügung als auch S-Bahn-Züge; über Neufahrn und den Flughafen geht es auf der Strecke der S 8 ohne Umsteigen nach München. Diese Verbindung ist möglich, da während der Arbeiten Gleise für einen Notbetrieb zur Verfügung stehen.

Die Züge fahren in der Hauptverkehrszeit zwischen 6 und 9 Uhr sowie zwischen 16 und 19 Uhr alle 30 Minuten, ansonsten tagsüber stündlich. Zwischen 19.30 Uhr und 6 Uhr morgens ist dieser Zugbetrieb nicht möglich. Dafür gibt es den Schienenersatzverkehr mit Bussen zum Flughafen-Besucherpark. Diese fahren ganztägig bis Betriebsschluss ab Freising und verkehren alle zehn Minuten. Etwa 50 bis 60 Busse sollen jeden Tag im Einsatz sein. Die Reisezeit für Fahrgäste der Regionalzüge nach München verlängert sich so um etwa 70 Minuten. Zusätzlich stellt die Bahn am Besucherpark des Flughafens ihren Abo-Kunden Parkplätze zur Verfügung. Die Reisezeit von Freising nach München wird sich, wenn alles optimal läuft, auf knapp eine Stunde erhöhen.

Die Alternative: 25 Wochen Baustelle

Die Bahn setzt auf die Vollsperrung, weil sie die Arbeiten zügig abwickeln will. Bei laufendem Betrieb würden sie nach ihren Angaben nicht sechs, sondern 25 Wochen dauern, inklusive Einschränkungen wie langsame Fahrten und Sperrungen an Wochenenden. In den Ferien sind auf der Strecke deutlich weniger Fahrgäste unterwegs, weshalb die Sperre verkraftbar sei, sagt ein Bahn-Sprecher. Übrigens: Wer von Freising mit einer Dauerkarte nach München pendelt, braucht derzeit ein Ticket für zwölf Ringe. Der Flughafen liegt bereits im Ring 13. Diesen Umweg dürfen die Pendler nutzen, ohne eine neue Fahrkarte kaufen zu müssen. Weitere Infos über das Ersatzprogramm finden sich im Netz.

Mit Sperrungen dieser Größenordnung hat die Bahn bereits Erfahrung in Bayern gesammelt: So war im Sommer 2015 das Werdenfelsnetz ab Tutzing/Murnau bis Garmisch und Mittenwald/Ehrwald sechs Wochen lang gesperrt. Im Vorlauf zur Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke Nürnberg-Erfurt war die Strecke Erlangen-Bamberg-Lichtenfels sogar über sieben Monate gesperrt.

Außerdem läuft seit Mai bis in den Oktober hinein eine lange Sperrpause zwischen Buchloe und Memmingen, hier müssen sogar die Eurocity-Züge der Schweizer Bahn umgeleitet werden. In allen Fällen funktionierte der Schienen-Ersatzverkehr reibungslos, wie ein Bahn-Sprecher betont. Dies sei gleichwohl nicht so bequem und schnell wie Zugfahren, dafür bitte man die Reisenden um Verständnis. "Damit das Netz stabil bleibt und besser werden kann, müssen wir leider ab und zu die Infrastruktur anfassen."