Politik München:Welche Brücke kommt nun am Giesinger Berg?

Politik München: Der neue Entwurf für den Giesinger Steg kommt mehr dem Denkmalschutz entgegen. Simulation: Leonhardt, Andrä und Partner

Der neue Entwurf für den Giesinger Steg kommt mehr dem Denkmalschutz entgegen. Simulation: Leonhardt, Andrä und Partner

Beim Bau des neuen Stegs müssen Denkmal- und Naturschutz gegeneinander abgewogen werden. Neue Pläne sollen verträglich ausfallen - allerdings müssten auch dabei vier ganz besondere Bäume gefällt werden.

Von Andreas Schubert

Seit vielen Jahren wünschen sich die Radfahrer und Fußgänger eine Brücke am Giesinger Berg. Diese soll an der östlichen Isarhangkante zwischen Heilig-Kreuz-Kirche und Lutherkirche einen Lückenschluss zwischen dem Gasteig und Harlaching schaffen. Doch beim bisherigen Entwurf des Architekturbüros "karlundp" hatten sowohl die Untere Denkmalschutz- und die Untere Naturschutzbehörde massive Bedenken.

Jetzt hat das Baureferat eine Machbarkeitsstudie samt einem eigenen Entwurf vorgelegt, mit der sich der Bauausschuss des Stadtrats am Dienstag befasst. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile, weshalb die Verwaltung weder für den einen noch den anderen Entwurf eine Empfehlung ausspricht. Um ein bestmögliches Ergebnis zu erreichen, sollen deshalb fünf weitere Planungsteams bis Mitte nächsten Jahres neue Varianten erarbeiten. Auf den ersten Blick mag es nur eine Brücke sein, die in ihren Dimensionen im Vergleich zu Autobrücken eher harmlos ist. Doch die Lage des Übergangs ist äußerst sensibel. Da die Fuß- und Radwegbrücke im Landschaftsschutzgebiet "Isarauen" liegt, bedarf die Brücke einer Erlaubnis durch die Untere Naturschutzbehörde im Planungsreferat.

Es geht nun darum, den Denkmalschutz gegenüber dem Naturschutz abzuwägen. Denn laut Denkmalbehörde ist die katholische Pfarrkirche Heilig Kreuz "die letzte noch weitgehend vollständig erhaltene neugotische Kirche Münchens", die in "stadtbildprägender Situation am Isarhochufer" stehe und einen wichtigen Bestandteil "des Ausblickes aus der Stadtmitte in Richtung der Alpen" darstelle. Einen Eingriff in deren Terrassenstützmauer lehnen die Denkmalschützer strikt ab.

Und hier läge der Vorteil des neuen "Testentwurfs" gegenüber der ursprünglichen Planung der karlundp-Architekten. Die alternative Trasse sähe einen südwestlichen Anschluss der Brücke - wie auch bei der Konzeption von karlundp-Architekten - hinter dem Giesinger Bräustüberl vor. Die Brücke würde dann nicht gerade über die Straße verlaufen, sondern einen Linksbogen machen, sodass der Anschluss auf der Seite der Kirche etwa 19 Meter nördlich der denkmalgeschützten Treppenanlage erfolgen würde. Die unter Denkmalschutz stehende Terrassenstützmauer mit ihrer barockisierenden Brunnenanlage und die Mauereinfassung des Podestes der westlichen Treppenanlage blieben erhalten.

Das Bauwerk würde dann allerdings nicht 80 Meter sondern 115 Meter lang, was sowohl die geschätzten Kosten von bisher angenommenen sieben bis zehn Millionen auf zehn bis 15 Millionen Euro steigern würde. Doch bei den Eingriffen in die Natur schneidet der alte Entwurf deutlich besser ab. Der Eingriff in den Laubwaldbestand auf der Hangleite wäre beim neuen Testentwurf mit rund 720 Quadratmetern etwa doppelt so groß wie beim Architekten-Entwurf, dem rund 370 Quadratmeter Wald zum Opfer fiele.

Beim Konzeptentwurf von karlundp müssten voraussichtlich 22 Bäume gefällt werden, darunter 16 Bäume, die unter die Baumschutzverordnung fallen. Beim Testentwurf der Stadt stünden dem 47 Baumfällungen gegenüber, davon fielen 30 Bäume unter die Baumschutzverordnung. Der Eingriff in das Landschaftsbild ist deshalb beim Testentwurf prägender.

Bei beiden Entwürfen allerdings wären vier ganz besondere Bäume betroffen. In diesen befinden sich elf Höhlen, die als Lebensraum für Tiere dienen. Zwei Bäume sind nach Angaben der Naturschutzbehörde für Fledermäuse und Brutvögel geeignet, vor allem eine alte Esche auf der Hangleite unterhalb des Giesinger Bräu, die acht Höhlen hat, sei ein wertvoller, in dieser Größe und Struktur seltener Baum.

© SZ vom 05.07.2021/mmo
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