Georg Schlagbauer:Ein CSU-Mann spricht von einer "Seuchenwoche"

Bereits am Mittwoch hat der CSU-Chef von einem Schaden für die gesamte Partei gesprochen, als der Nürnberger Landtagsabgeordnete Michael Brückner Sex mit einer Minderjährigen eingeräumt hatte. Einen Zusammenhang zwischen Brückner und Schlagbauer will in der CSU jedoch niemand herstellen. Auch gegen Brückner ermittelt die Justiz. "Jetzt schlägt es dramatisch ein", sagt ein CSU-Landtagsabgeordneter. Ein anderer spricht von einer "Seuchenwoche".

Um 13 Uhr versammeln sich die Münchner CSU-Granden im zweiten Stock des Rathauses zur Beratung. Ernste Gesichter, noch keine Aussagen. Bezirkschef Spaenle kommt extra an den Marienplatz, betritt die Fraktionsräume über den Innenhof von hinten. Die Gesten schwanken zwischen Fatalismus und Fassungslosigkeit. Seit Anfang der Woche weiß offenbar ein enger Zirkel an der Parteispitze, dass Schlagbauer in Schwierigkeiten steckt. Man versucht, ihn zu einem offensiven Bekenntnis zu bewegen. Vergebens.

Die dürren Zeilen des Anwalts sorgen in der Partei für Ärger. Als die Staatsanwaltschaft sich äußert, ist es mit der Zurückhaltung vorbei. Um 14 Uhr kommen neue Statements: "Der Rücktritt von Georg Schlagbauer ist notwendig und unausweichlich. Es stehen schwerwiegende Vorhaltungen im Raum, die umfassend aufzuklären sind", erklärt Spaenle.

Schlagbauer wollte für den Landtag kandidieren

Bürgermeister Schmid äußert sich ähnlich. "Georg Schlagbauers Rücktritt von allen öffentlichen Ämtern ist der Sachlage angemessen und folgerichtig." In der CSU machen sich aber auch viele Sorgen um den Parteifreund. "Ich wünsche Georg Schlagbauer, dass er nun die Zeit und Ruhe findet, seine persönlichen Probleme in den Griff zu bekommen", sagt Schmid.

Stadtrat und Fraktionsvize Manuel Pretzl ist wie seine Kollegen bestürzt: "Georg Schlagbauer war lange Mitglied der Fraktion, für die er vielfältige Ämter bekleidet hat. Wir wünschen ihm, dass er diese für ihn und seine Familie existenzielle Krise meistern kann."

Schlagbauer fällt von weit oben. Seit 2008 sitzt er für die CSU im Stadtrat. Er war Landesinnungsmeister beim Fleischerverband Bayern und Vizepräsident beim Deutschen Fleischer-Verband, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern sowie des Bayerischen Handwerkstages. Erst vor wenigen Wochen hat er erklärt, in einem neuen Stimmbezirk im Zentrum für den Landtag kandidieren zu wollen.

Der Rücktritt erfolge "auch zum Schutze der Würde der jeweiligen Institutionen und Gruppierungen vor einer Belastung durch eine öffentliche Diskussion über Gesundheit und Familienleben meines Mandanten", heißt es in dem Schreiben des Anwaltes. Schlagbauer ist verheiratet und hat zwei Kinder. Wie sehr sein Leben und die Karriere immer mehr aus den Fugen geraten ist, ahnten wohl nicht einmal seine Parteifreunde.

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