Gastronomie Das Werksviertel bekommt eine "Knödel-Alm"

Prost auf's neue Projekt: Peter Brandl und seine Tochter Julia Baer lehnen sich in ihrer neuen Almhütte aus dem Fenster.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Fürs Erste kann sie nur von Gruppen und für Firmenfeiern gebucht werden. Und das Essen hat seinen Preis: 29 Euro kostet das günstigste Menü.

Von Franz Kotteder

Vom Feiern versteht Peter Brandl erwiesenermaßen eine Menge: Schließlich fasst das Bierzelt des 62-Jährigen fast 5000 Besucher. Es steht allerdings nicht auf dem Oktoberfest, sondern auf dem Cannstatter Wasen, dem anderen großen Volksfest in Süddeutschland.

Jetzt kehrt der gebürtige Karlsfelder in die Heimat zurück - zwar nicht mit seinem großen Bierzelt, dafür aber mit einer bayerischen Almhütte. Denn seine Tochter Julia Baer, 25, eröffnet am Montagabend ihre "Knödel-Alm" im neuen Werksviertel hinter dem Ostbahnhof. Daher auch der Name, denn das ehemalige Pfanni-Gelände von Eigentümer Werner Eckart ist natürlich immer noch der Vergangenheit verpflichtet.

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"Eigentlich ist das ein Familienbetrieb", sagen Vater und Tochter einvernehmlich. Neben dem Vater arbeiten auch Mutter und Oma sowie Tanten fleißig mit. Der Familie Brandl liegt das gewissermaßen im Blut: Seit 93 Jahren schon sind sie Festzeltbetreiber, Brandls Großvater hatte 1949 bei der ersten Wiesn nach dem Krieg die Hacker-Festhalle.

Sein Vater wiederum war Wirt des Nürnberger Bratwurstglöckls am Dom und bediente alle großen Volksfeste im Südwesten Deutschlands mit einem eigenen Bierzelt. Sohn Peter machte nach dem Abitur eine Lehre als Zeltbaumeister und stieg in den väterlichen Betrieb ein.

Das macht Tochter Julia so ähnlich. Sie hat Tourismusmanagement studiert und außerdem in Salzburg, einer der ersten Adressen für diese Ausbildung, Hotelkauffrau gelernt. In der Knödel-Alm darf sie jetzt zeigen, was sie gelernt hat. Die Almhütte steht direkt neben der Nachtkantine mit der schönen Adresse "Am Kartoffelgarten 14". Fürs Erste soll sie vor allem von Gruppen und für Firmenfeiern gebucht werden können. "Zwischen 30 und 100 Leuten können wir bewirten", sagt Julia Baer.

Peter Brandl legt Wert darauf, unterschiedlichsten Bedürfnissen entgegenzukommen: "Es gibt drei verschiedene Menüs, die kosten pro Person zwischen 29 und 79 Euro." In der günstigsten Version sind Speckknödelsuppe, Schweinsbraten und Bayerische Creme dabei, in der teuersten gibt's vorneweg Champagner und einen bayerischen Cesar Salad, Surf und Turf mit Rinderfilet und Riesengarnelen sowie diverse Nachspeisen. Meistens wird das in großen Töpfen und Reindln serviert - das Teilen ist grad groß in Mode, man nennt das in der Gastronomie "Sharing-Prinzip".

Auf zwei Jahre haben die Brandls den Platz für ihre Almhütte gepachtet. Wie es weitergeht und ob die Alm auch einmal für Laufkundschaft geöffnet wird, das lässt sich derzeit noch nicht sagen. Bis jetzt läuft es jedenfalls ganz gut an, sagt Julia Baer: "Bis Weihnachten sind wir schon an 23 Abenden ausgebucht." Gerechnet hatten die Brandls mit etwa zwei Abenden pro Woche.

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