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Stromnetz:Bürgersolaranlagen vor dem Aus

PV-Anlage Oberweikertshofen

Drei Männer für Solarkraft: Bürgermeister Martin Obermeier (von links), Ziel 21-Vorsitzender Gottfried Obermair und GbR-Geschäftsführer Josef Blum.

(Foto: oh)

Das EEG erlaubt derzeit 20 Jahre lang eine Einspeisung ins Netz. Für die Kollektoren in Oberweikertshofen wäre 2021 Schluss

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Die Photovoltaik-Anlage in Oberweikertshofen, die 2000 als erste Bürgersolaranlage im Landkreis, und vermutlich weit darüber hinaus, errichtet wurde, muss Ende nächsten Jahres vom Netz genommen werden. Das liegt am EEG, dem erneuerbaren Energie Gesetz. Es erlaubt Solaranlagen nur 20 Jahre eine Einspeisung ins öffentliche Stromnetz. Wird es nicht bald korrigiert, droht nicht nur den Sonnenkollektoren in Oberweikertshofen, sondern auch vielen weiteren die Abschaltung. Gottfried Obermaier, dem Vorsitzenden des Energiewendevereins Ziel 21, ist das Problem bekannt. Er hat im September einen Termin mit dem bayerischen Wirtschaftsminister; dort wolle er das Thema "ganz deutlich ansprechen".

"Wir wollten ein bisschen einen Impuls geben, und es war auch so, dass nachdem wir unsere Anlage gebaut haben, die anderen Gemeinden im Landkreis nachgezogen sind." Josef Blum, Initiator der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des SC Oberweikertshofen und Geschäftsführer der dazugehörigen Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), erinnert sich. Damals seien er und seine Mitstreiter oft in andere Gemeinden eingeladen worden, um andere am Sonnenstrom Interessierte zu beraten. In relativ kurzer Zeit entstanden nach dem Vorbild aus dem kleinen Egenhofener Ortsteil etliche Bürgersolaranlagen, 2003 gab es 17 davon im Landkreis. "Das hat dann zum guten Ton gehört, dass so ungefähr jede Gemeinde im Landkreis ihre eigene Bürger-PV-Anlage hatte", sagt Blum.

Und jetzt droht der Anlage, deren Anschaffung sich für das Dutzend Teilhaber nach zehn, elf Jahren amortisiert hatte und die bis Ende 2019 knapp 600 000 Kwh Strom produziert hat, das Aus. Die aktuelle Ausgestaltung des EEG sieht nur eine garantierte Einspeisevergütung von 20 Jahren vor; danach müssen die Betreiber mit der Abschaltung rechnen. Ende kommenden Jahres läuft der Vertrag für die Anlage auf dem SC-Dach aus. "Man kann dann nicht mehr einfach ins Netz einspeisen, sondern ich müsste den Strom an der Strombörse verkaufen", erläutert Blum die Konsequenzen. Das würde teure Umbauten sowie weiteren Arbeitseinsatz erforderlich machen, die Anlage wäre nicht mehr lukrativ. Der Geschäftsführer hofft nun, dass Obermair sich beim Wirtschaftsminister erfolgreich für eine Änderung einsetzt. "Schauen wir mal, was passiert. Wenn alle Anlagen, die 20 Jahre alt sind, abgebaut werden müssen, ist das ja kontraproduktiv."

"Neben vielen anderen Verbänden haben auch wir uns einerseits über das Unterzeichnen von Petitionen, andererseits aber auch direkt an das bayerische Wirtschaftsministerium gewandt, um auf eine Klärung der anstehenden Problematik hinzuweisen und Lösungen einzufordern", erklärt Obermair laut einer Mitteilung mit Blum und Martin Obermeier. Der GbR-Geschäftsführer und der Egenhofener Bürgermeister, selbst Anteilseigner, hatten das Problem dem Ziel 21-Vorsitzenden berichtet. Wie Letzter unterstreicht, könne sich die Bundesregierung grundsätzlich nicht leisten, PV-Anlagen, die in der Statistik für die Erzeugung regenerativen Stromes geführt werden, außer Betrieb zu nehmen.

© SZ vom 28.08.2020

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