Brauwirtschaft:Italiener bekunden Interesse an Brauerei Maisach

Brauwirtschaft: Fest mit den bayerischen Landesfarben ist die Maisacher Brauerei verbunden. Möglicherweise kommt bald die italienische Trikolore dazu.

Fest mit den bayerischen Landesfarben ist die Maisacher Brauerei verbunden. Möglicherweise kommt bald die italienische Trikolore dazu.

(Foto: Johannes Simon)

Die Suche nach einem Investor für den insolventen Traditionsbetrieb konkretisiert sich. Die Interessenten kommen nicht nur aus Bayern.

Von Erich C. Setzwein, Maisach

Wird in der Brauerei Maisach bald häufiger Italienisch gesprochen? Gute vier Wochen vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die Brauerei Maisach GmbH sind die Bemühungen um die Rettung der Traditionsbrauerei offenbar weit gediehen. Unter den drei interessierten Brauern, mit denen Geschäftsführer Michael Schweinberger und der vorläufige Insolvenzverwalter Hanns Pöllmann derzeit Gespräche führen, sind zwei bayerische und ein italienischer. Italien als Wachstumsmarkt könne er sich vorstellen, sagte Schweinberger am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Maisach.

Um die Brauerei Maisach zu retten, arbeiten der vorläufige Insolvenzverwalter und der Geschäftsführer parallel. Um den Wert des Unternehmens zu ermitteln, hat Pöllmann ein Gutachten anfertigen lassen. Schweinberger hat unterdessen auf einer eigens eingerichteten Homepage Interessenten für die Idee einer Genossenschaft gesucht. Es hätten sich 250 Menschen gemeldet, die insgesamt eine Summe von 600 000 Euro aufbringen wollten, um die finanzielle Grundlage für eine Genossenschaft zu schaffen. Vom Genossenschaftsgedanken ist vor allem Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU) angetan. Allerdings ist die Gründung dieser mitgliederbezogenen Gesellschaftsform aufwendiger, als wenn ein Investor einsteigt. Nach den Worten Schweinbergers können sich aber die drei möglichen Investoren eine spätere Genossenschaft vorstellen. "Das Genossenschaftsthema ist ein sehr wertvolles Element", sagte Schweinberger, es gehe zunächst aber darum, kurzfristig eine neue Firma zu gründen: "Wir reden über eine sechsstellige Summe."

Die Konkurrenz macht Wirten Angebote

Doch nicht alles ist in den Wochen seit dem Insolvenzantrag gut für die Maisacher Brauer gelaufen. Zwar habe er in vielen Gesprächen fast alle Gastronomiekunden überzeugen können, zu bleiben können, aber eine Gastwirtschaft sei auf dem Absprung. Dort wolle man lieber Helles von Augustiner ausschenken statt die Maisacher Perle. Augustiner, so Schweinberger, mache den Wirten "auf subtile und hinterfotzige Art unmoralische Angebote", um sie abspenstig zu machen. "Das gefährdet den Sanierungsprozess." Auch Vertreter der Münchner Paulaner-Brauerei hätten sich in manchen Gaststätten blicken lassen. In Luttenwang habe er es selbst den Auftritt eines Vertreter einer Augsburger Brauerei erlebt. "Wir haben ihm ein Bier spendiert, dann war alles gut", kommentierte Schweinberger den Abwerbeversuch. Ausdrücklich lobte er aber das Verhalten der König-Ludwig-Brauerei in Fürstenfeldbruck. Überhaupt tue die Solidarität im Landkreis gut. So habe die Gemeinde erklärt, dass im Bürgerhaus weiter Maisacher Bier ausgeschenkt werde.

Brauwirtschaft: Alle Maschinen und Geräte zur Bierherstellung, die der insolventen Brauerei gehören, sind bewertet worden.

Alle Maschinen und Geräte zur Bierherstellung, die der insolventen Brauerei gehören, sind bewertet worden.

(Foto: Leonhard Simon)

Höherer Bierpreis notwendig

Um den Betrieb wirtschaftlich weiterführen zu können, werde kein Weg an einer Erhöhung des Bierpreises vorbeiführen, sagte der Geschäftsführer. Im Handel würde der Kasten dann knapp unter 20 Euro kosten. Und auch in der Gastronomie dürften die Preise für die "Perle", das Kellerbier und den "Räuber Kneißl" steigen. Die Gespräche mit den Handelspartnern liefen, auch die Wirte seien informiert. Schweinberger hat vor, in den sich konkretisierenden Investorengesprächen einen profitabel wirtschaftenden Betrieb darzustellen. In der kommenden Woche wolle auch die Eigentümerin Martina Wieser-Sedlmayr an den Gesprächen teilnehmen. "Sie will einer einvernehmlichen Lösung nicht entgegenstehen", sagte Schweinberger.

Eines der Themen, die dabei besprochen werden sollen, ist die Pacht des Brauereigebäudes oder ein Kauf des Geländes. Er selbst habe einen 20 Jahre laufenden Pachtvertrag mit Wieser-Sedlmayr, so Schweinberger. Der Wirt des Maisacher Bräustüberls, Harry Faul, sei ebenfalls Pächter. Schweinberger geht davon aus, dass es zu einem Bieterwettbewerb kommen dürfte. Wer den Betrieb dann übernimmt, soll spätestens in drei Wochen bekannt gemacht werden. Aber auch bis dahin reichen die Biervorräte noch aus: "Wir brauen wieder und sind derzeit bis Ende April lieferfähig."

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