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Freising:Konkurrenz für die Spürnasen

Mit einem Bioradar an der Seilwinde hebt die große Rettungsdrohne ab, Steuern und Absetzen des Geräts wollen geübt sein.

(Foto: Marco Einfeldt)

Beim Projekt "Cursor" testet das THW auf dem alten Bundeswehrgelände in Untergartelshausen in einem ersten Feldversuch den Einsatz von Rettungsdrohnen - mit Robotern sollen sie nach Katastrophen Verschüttete orten.

Von Petra Schnirch, Freising

Die braune Golden-RetrieverHündin Belana spielt diesmal nur eine Nebenrolle. Zwar hat sie auf einem Trümmerhaufen auf dem Freisinger THW-Übungsgelände am Dammweg wieder einmal bewiesen, dass sie eine feine Spürnase hat und einen verschütteten Dummy geortet. Doch das eigentliche Spektakel findet ein paar Kilometer weiter auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände bei Untergartelshausen statt. Dort startete am Dienstag ein Feldversuch für den Einsatz neuer Rettungsdrohnen und Roboter nach Naturkatastrophen.

Ziel des groß angelegten Forschungsprojekts "Cursor" unter Leitung des Technischen Hilfswerks ist es, die Sicherheit für Einsatzkräfte zu erhöhen und Verschüttete schneller lokalisieren zu können, wie Tiina Ristmäe erklärt. Die THW-Mitarbeiterin koordiniert das Projekt, an dem 17 Organisationen aus acht Ländern beteiligt sind.

"Wie wenn man in der Fahrschule auf einem VW-Golf lernt und dann auf einen 40-Tonner umsteigt"

Die Arbeit mit den großen Fluggeräten ist auch für erfahrene Drohnen-Piloten wie Malte Daniels vom THW-Ortsverband Bad Honnef Neuland. Normalerweise steuere er als Luftfahrzeugfernführer, so die offizielle Bezeichnung, etwa bei der Vermisstensuche Geräte mit einem Gewicht von etwa einem Kilogramm. Die große Drohne, die mit ihren sechs wuchtigen Propellern gerade mit lautem Brummen von der Wiese abhebt, bringt es auf stattliche 18 Kilogramm. "Das ist, wie wenn man in der Fahrschule auf einem VW-Golf lernt und dann auf einen 40-Tonner umsteigt", sagt Daniels. Deshalb finden die ersten Flugübungen auch nicht gleich auf dem THW-Übungsgelände mit seinem üppigem Baumbestand statt.

Hündin Belana beschnuppert das Bioradar, das ihre feine Nase allenfalls ergänzen kann.

(Foto: Marco Einfeldt)

Gut 30 Minuten kann das Gerät mit vier Batterie-Packs bei dieser Zuladung fliegen. Daniels Kollege Andreas Wilde vom Ortsverband Hauenstein löst die gestellte Aufgabe mit ruhiger Hand. Einen Meter über dem Zielobjekt wirft er drei kleine Roboter-Dummies, so genannte Smurfs, über einem Handwagen ab. Dafür gibt es spontan Applaus. Im Ernstfall hätte er die smarten Helfer mit Sensoren zur Detektion Verschütteter, mit Gas-Sensoren und Infrarot-Kamera genau an der gewünschten Stelle platziert. Getestet werden auch eine Drohne mit Bioradar sowie ein Schwarm mit fünf kleineren Fluggeräten, die Aufnahmen vom Einsatzgebiet liefern.

Die EU fördert das Projekt mit sieben Millionen Euro

Cursor ist ein Projekt im Europäischen Forschungsraum, es wird von der EU mit sieben Millionen Euro gefördert und ist auf drei Jahre angelegt. Entwickelt würden unterschiedliche Lösungen, sagt Tiina Ristmäe, um möglichst präzise Informationen zu Hohlräumen zu erhalten. Dazu gehört auch ein Bodenhorchgerät.

Malte Daniels (links) und Andreas Wilde machen die Drohne startklar.

(Foto: Marco Einfeldt)

Nach der Anpassung vorhandener Drohnen für das Projekt in den vergangenen Monaten sind die eineinhalb Tage in Freising die ersten Praxistests im freien Feld, im Herbst ist ein weiterer Probelauf in Frankreich geplant. Dazwischen und danach wird jeweils an der Technik gefeilt. Dass die ersten Versuche in Freising starten, liegt laut Tiina Ristmäe daran, dass die Übungsbedingungen gut sind und der Ortsverband seit Jahren mit Drohnen arbeite. Das örtliche THW gehöre zu den Vorreitern, sagt Florian Wigger, seit etwa zehn Jahren setze man in Freising Drohnen ein - auch hier bisher aber nur kleinere Exemplare. Um auf einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest vorbereitet zu sein, habe man auch schon die Suche nach Wildschweinen geübt, schildert Felix Willert.

Feine Hundenasen kann selbst modernste Technik nicht ersetzen

Arbeitslos wird Belana dennoch nicht. Die sechsjährige Hündin hatte mit Stephan Mondry erst vor wenigen Monaten ihren ersten Auslandseinsatz nach der Explosion in Beirut. Feine Hundenasen könne selbst modernste Technik nicht ersetzen, sagt Ristmäe. Sie könne aber bei der genauen Ortung helfen und womöglich einmal mit Verschütteten kommunizieren.

© SZ vom 30.06.2021/ilos
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