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Stadt Freising:Mehr gefördertes Wohnen in moderner Anlage

Die maroden Wohnblöcke der Stadt Freising an der Johann-Braun-Straße sollen durch eine moderne Wohnanlage ersetzt werden. Statt 64 geförderten Wohnungen wird es dort dann 82 geben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die städtischen Mehrfamilienhäuser an der Johann-Braun-Straße sollen abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Für die im Planungsausschuss vorgestellten Pläne gibt es viel Lob.

Von Kerstin Vogel, Freising

Die Tage der städtischen Wohnanlage an der Johann-Braun-Straße sind gezählt: Der Planungsausschuss des Freisinger Stadtrats hat am Mittwoch die Aufstellung eines Bebauungsplans für diesen Bereich und damit den Abriss und Neubau der alten Wohnblöcke beschlossen. Warum eine Sanierung der aus den 50er Jahren stammenden Wohnanlage nicht mehr in Frage kam, erschließt sich schon beim Blick von außen: Die vier Mehrfamilienhäuser machen einen heruntergekommenen Eindruck, die insgesamt 64 Wohnungen stehen zum Teil bereits leer, weil sie mehr oder weniger unbewohnbar sind.

Hinzu kommt, dass die Grundrisse der Wohnungen zu klein sind, eine energetische Sanierung der Gebäude kaum sinnvoll umsetzbar ist und man wohl auch tatsächlich Zweifel an der Statik hatte, wie Andreas Voigt im Planungsausschuss erklärte. Voigt ist als Direktor der Stadtwerke auch zuständig für die Freisinger Wohnbau GmbH & Co, die zu hundert Prozent der Stadt Freising gehört und deren Kerngeschäft die Bereitstellung von gefördertem Wohnraum ist.

Die alte Anlage an der Johann-Braun-Straße ist marode, eine Sanierung kaum sinnvoll

Weil die Anlage an der Johann-Braun-Straße so marode ist, hatte sich die Stadt für einen Abriss entschieden - und für den Neubau einen Wettbewerb ausgelobt, für den 14 Arbeiten eingereicht wurden. Aufgabe war gewesen, mit der Planung unter anderem eine gewisse Nachverdichtung zu ermöglichen, über eine attraktive Architektur das nachbarschaftliche Miteinander zu fördern und auch bei der Gestaltung der Freiflächen auf Kommunikationsmöglichkeiten und Aufenthaltsqualität zu achten.

Denn nicht zuletzt will die Stadt hier an der Johann-Braun-Straße auch eines der Ziele aus dem Stadtentwicklungsplan umsetzen, nämlich "ein differenziertes Wohnangebot für alle Bevölkerungsschichten und Preissegmente bereitzustellen" und die "soziale Vielfalt in den Quartieren durch Mischung unterschiedlichster Wohn- und Gebäudetypologien zu stärken". Deshalb war eine weitere Forderung an die Wettbewerbsteilnehmer die Schaffung von Wohnraum in unterschiedlichen Größen für unterschiedliche Bewohnergruppen. Familien, Singles, aber auch Menschen mit Behinderung sollen hier künftig bezahlbaren Wohnraum finden, denn auch das steht fest: Die Wohnungen an der Johann-Braun-Straße werden weiter nach den Richtlinien der Einkommensorientierten Förderung vergeben.

Der Gewinner-Vorschlag soll eine Schallschutzfunktion zum viel befahrenen Karwendelring erfüllen

Den Wettbewerb gewonnen hat am Ende ein Entwurf von "Fink + Jocher Gesellschaft von Architekten und Stadtplanern mbH", der am Mittwoch dem Planungsausschuss vorgestellt wurde. Vorgeschlagen wird hier eine leicht geschwungene Bauzeile aus Dreispännern parallel zum Karwendelring, die auch eine Schallschutzfunktion zu dieser viel befahrenen Straße hin erfüllen soll. An der Johann-Braun-Straße ist dagegen eine platzartige Aufweitung vorgesehen, der Baukörper selbst ist leicht gestaffelt und folgt in seiner Höhenentwicklung dem Hang, wie es in der Beschreibung des Projektes heißt. Die alten Bäume auf dem Grundstück könnten großteils erhalten bleiben. Die Verwendung von Holz für die Fassade, der Einsatz von Photovoltaik und die begrünten Dächer würden als "guter Beitrag zur Nachhaltigkeit und Ökologie gesehen".

Insgesamt werden hier in zwei Bauabschnitten 82 neue Wohnungen entstehen, auch die alten Gebäude sollen in zwei Stufen abgerissen werden, damit nicht zu lang zu viel Leerstand entsteht, wie Voigt sagte.

Voigt erntete im Planungsausschuss viel Lob für sein Engagement in Sachen Wohnbau. Das sei ein "erfreuliches Projekt", sagte beispielsweise Grünen-Stadträtin Charlotte Reitsam, "das ökologische und soziale Aspekte gut zusammenbringt".

© SZ vom 18.12.2020/ilos
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