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Moosburg:Der Hausretter

Der Moosburger Grünen-Politiker Johannes Becher möchte ein Stück Stadtgeschichte bewahren und das Hudler-Haus sanieren, das seit langem leer steht. Möglich ist das nur mit staatlichen und kommunalen Zuschüssen.

Von Alexandra Vettori, Moosburg

Normalerweise ist es Privatsache, wenn sich ein Stadtrat ein Haus kauft, auch wenn er zusätzlich noch Landtagsabgeordneter ist. Der Grünen-Politiker Johannes Becher aus Moosburg will einen anderen Weg beschreiten, den maximaler Transparenz. Denn Becher will sich nicht irgendein Haus kaufen. Er hat eines der ältesten Gebäude der Stadt im Visier, das sogenannte Hudler-Haus an der Leinbergerstraße. Seit Jahrzehnten steht das im Kern 500 Jahre alte Gebäude in der Moosburger Altstadt leer, weil die Denkmalschutz-Vorgaben eine Sanierung unrentabel machen. Nun will Becher dem wegen herabstürzender Steine inzwischen mit Planen verhüllten Gemäuer neues Leben einhauchen.

Noch ist die Moosburger Geschäftsfrau Rosa Hudler-Oswald die Besitzerin, von ihrem Großvater hat das Haus aktuell seinen Namen. Wie sie bei einem Pressetermin am Freitag erläuterte, sind in den vergangenen Jahrzehnten alle Vorstöße zu Umbauten behördlich abgelehnt worden, alle Verkaufsversuche gescheitert. Bis kürzlich Johannes Becher auf den Plan trat. Er hat für 40 000 Euro erst einmal verschiedene Gutachten erstellen lassen, die Quintessenz ist, dass zwar keine Schadstoffe zu erwarten sind, die gab es im Baumaterial der Entstehungszeit noch nicht, doch die Gebäudesubstanz ist denkbar schlecht. Das Fundament ist durchfeuchtet, der Giebel kippt nach hinten, unter dem undichten Dach fehlen Balken. Dazu sackt das ganze Haus ab und wird mittels Mikro-Pfahl-Gründung stabilisiert werden müssen.

Berechnungen zufolge liegen die Gesamtkosten für Sanierung, Kauf und Gutachten bei gut 1,5 Millionen Euro

Nach Berechnungen des Passauer Architekten Alexander Mayer liegen die Gesamtkosten für Sanierung, Kauf, Gutachten bei gut 1,5 Millionen Euro. "Ohne Zuschüsse ist das nicht möglich", sagt Becher, Anfang 30, der für das Projekt mächtig Schulden aufnehmen muss. Er traue sich das zu, zahle dann eben den Kredit ab statt wie bisher Miete. Außerdem kann er mit staatlichen und kommunalen Zuschüssen von bis zu 500 000 Euro rechnen. Das ist einer der Hauptgründe dafür, warum der Grünen-Stadtrat die Sache möglichst öffentlich machen möchte. Der andere ist, dass das Hudler-Haus Teil der Moosburger Geschichte ist und damit alle hier etwas angeht.

Voraussetzung, dass er das Projekt umsetzt, ist der in der Städtebauförderung vorgesehene Anteil der Stadt Moosburg an den Sanierungskosten, in diesem Fall 200 000 Euro. "Dafür braucht es einen Stadtratsbeschluss", bei dem er natürlich nicht mit abstimme, erklärt er. Vorgespräche mit den verschiedenen Fraktionen seien "sehr, sehr wertschätzend" verlaufen, ob dann alle auch zustimmen, werde man sehen. Weitere 300 000 Euro kommen aus Landesmitteln, 100 000 Euro aus verschiedenen kleineren Töpfen. "Bleiben eine Million und die viele Arbeit bei mir", so Becher.

Warum er sich das antut? Johannes Becher erklärt das mit der Liebe zu dem Gemäuer

Dass er sich die Mühen der denkmalschutzgerechten Sanierung und all die Schulden antue, erklärt Becher mit seiner Liebe zu dem alten Gemäuer, "wenn man sich überlegt, was das Haus schon alles gesehen hat in 500 Jahren". Bei der Sanierung hat der Architekt alle Denkmalschutz-Vorgaben eingeplant, Landratsamt und Landesamt als untere und obere Denkmalschutzbehörden haben Wohlwollen signalisiert. Allen Beteiligten stellte Becher ein dickes Lob aus, "immer wenn ich da anrufe, werde ich beraten".

Ein dendrologisches Gutachten hat ergeben, dass die Bäume des Dachstuhls aus der Zeit von 1630 bis 1690 stammen. Die Erklärung: 1702 ist der Dachstuhl des Hudler-Hauses vermutlich dem großen Brand zum Opfer gefallen und wurde neu gebaut. Zu den Bewohnern hat Becher im Stadtarchiv geforscht und herausgefunden, dass das Haus im 15. Jahrhundert direkt am Stadtgraben, also an der Stadtmauer, lag, Bauforschern zufolge im Kern erbaut irgendwann zwischen 1450 und 1550. Als Bewohner hat Becher im Jahr 1812 einen Johann Seidl aufgetan, seines Zeichens Getreide-Messer und Nachtwächter. In alten Aufzeichnungen heißt das Gebäude auch Wachterhaus. Sonst gibt es wenig Material, wer etwas hat oder weiß, so Bechers Bitte, solle sich bei ihm melden. Die Öffentlichkeit will er nicht nur auf der Homepage www.hausamgries.de Anteil an der Wiedererweckung der gemauerten Geschichte nehmen lassen. Im Erdgeschoss plant er Co-Working-Spaces samt Galerie und kleinen Kultur-Veranstaltungen im Mini-Garten.

© SZ vom 05.06.2021/ilos
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