Mikroplastik Kunstrasen als "ökologische Kleinkatastrophe"

Der Kunstrasenplatz des SE Freising in der Savoyer Au ist mit Gummigranulat gefüllt. Das Material sondert möglicherweise Mikroplastik ab.

(Foto: Marco Einfeldt)

Fußballplätze mit Kunstrasen aus Gummigranulat sondern möglicherweise Mikroplastik ab. Kleinste Partikel können so in die Umwelt und damit ins Grundwasser gelangen. Die Stadt Freising reagiert auf dieses Problem.

Von Nadja Tausche, Freising

Die Stadt Freising reagiert auf das Problem, dass Fußballplätze aus Kunstrasen möglicherweise Mikroplastik absondern. Wegen des Gummigranulats könnten kleinste Plastikpartikel in die Umwelt und damit ins Grundwasser gelangen, wie zuletzt in mehreren Medienberichten zu lesen war. In Freising ist das Thema relevant, weil hier bald neue Fußballplätze entstehen sollen. "Die Freisinger Sportvereine haben einen hohen Bedarf an zusätzlichen Sportplätzen", sagt Sebastian Wanzke, Vorsitzender des Stadtverbands für Sport: "Jetzt müssen wir diskutieren, welche Felder wir schaffen."

Die ökologische Verträglichkeit sei dabei ein wichtiger Gesichtspunkt, aber nicht der einzige, meint Wanzke. Im Moment frage man bei anderen Kommunen nach, aus welchem Material die Plätze dort bestehen. Denn es gibt durchaus Kunstrasenplätze, die nicht mit Gummigranulat gefüllt und dadurch weniger schädlich für die Umwelt sind. Mehrere Vereine haben sich schon bei den Herstellern danach erkundigt, so Wanzke.

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Dass Freising neue Sportplätze braucht geht aus dem Sportentwicklungsplan hervor, den das Institut für kommunale Sportentwicklungsplanung (INSPO) im Auftrag der Stadt Freising erstellt hatte. Zuständig für die Umsetzung ist der Ausschuss für Bildung und Kultur und Sport. Hier habe man bereits über das Thema Kunstrasen gesprochen, berichtet Susanne Günther (Grüne), Mitglied des Ausschusses: "Das wird aber auf jeden Fall noch Mal eine Diskussion", prophezeit sie. Die Plätze aus Gummigranulat seien schließlich eine "ökologische Kleinkatastrophe".

Sportplätze sind womöglich die drittgrößte Quelle für Mikroplastik

Wie der Bayerische Rundfunk berichtete, sind Sportplätze möglicherweise die drittgrößte Quelle für Mikroplastik in Deutschland. Nach Berechnungen des Fraunhofer Instituts machen Fußballplätze aus Kunstrasen demnach den größten Anteil aus. In einer Studie von Juni 2018 bezieht sich das Fraunhofer Institut dabei auf Hochrechnungen, noch nicht auf konkrete Untersuchungen. "Wir haben versucht abzuschätzen, wie hoch die Emissionen sein könnten", erklärt Leandra Hamann, Co-Autorin der Studie. Es gehe dabei um "reine Brutto-Emissionen", also um die Menge an Mikroplastik, die ohne Filter in die Umwelt gelangen würde. Welche Menge in der Realität - also mit Filter - in die Umwelt gelangt, soll Hamann zufolge eine Folgestudie klären.

Bei der Diskussion um Mikroplastik geht es um Plätze, bei denen das Gummigranulat aus Altreifen besteht. Auf einem solchen trainiert zum Beispiel der SE Freising. Vor vier Jahren habe man den Platz anlegen lassen, berichtet Georg Appel, Abteilungsleiter Fußball: Es habe damals überhaupt keine Diskussion gegeben. "Als der Platz gebaut wurde, hat das dem Standard entsprochen", meint er. Sportlich sei man mit dem Platz sehr zufrieden. Von der Umweltbelastung durch Gummigranulat habe er zwar gehört, daran ändern könne der SE Freising aber sowieso nichts: Eigentümerin des Platzes ist die Stadt Freising.

Es gibt auch umweltfreundlichen Kunstrasen im Landkreis

Dass die Fußballvereine überhaupt Kunstrasen nutzen, hängt mit der Belastbarkeit zusammen. Zwei Kunstrasenplätze hat der SE Freising: Würde man stattdessen natürlichen Rasen benutzen, bräuchte man Appel zufolge mehr Felder, um die Wiese nicht zu zerstören. Außerdem könne man auf Kunstrasen das ganze Jahr über trainieren, so Daniel Mühlbacher, kommissarischer Abteilungsleiter des SG Eichenfeld. Dort gibt es keinen Kunstrasen - Mühlbacher wünscht sich aber einen.

Alternativen zum Kunstrasen aus Gummigranulat findet man im Landkreis zum Beispiel beim FC Moosburg. Dort trainieren die Fußballer seit 2009 auf Kunstrasen aus Quarzsand, berichtet Vorstand Robert Heilmaier. Als er von dem Problem mit dem Mikroplastik gehört habe, habe er sich erkundigt und herausgefunden, dass der Verein von der Altreifenthematik nicht betroffen sei. Beim SV Marzling besteht der Kunstrasen aus Naturkork. Der Platz liege im Hochwassergebiet, erklärt der Vorsitzende Marcus Jacobs: "Wenn Hochwasser kommt, schwimmt das Granulat einfach weg." Weil das bei Granulat aus Kork weniger umweltschädlich sei als bei dem aus Gummi, habe man sich bei der Anschaffung 2015 für die Korkvariante entschieden, obwohl die etwas teurer gewesen sei. Die Gemeinde Gröbenzell im Landkreis Fürstenfeldbruck wählt noch eine andere Option: Hier will die Gemeinde den Kunstrasenplatz mit einem pflanzlichen Stoff befüllen, der zur Hälfte aus Hanf besteht.

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