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SZ-Serie: Hier bedienen die Chefs noch selbst:"Getränkequelle": Gefragt sind regionale Produkte

Anfangs ist es nur so eine Idee - doch dann setzt der gelernte Maschinenbauer Stephan Groß sie einfach in die Realität um und eröffnet in Lerchenfeld die "Getränkequelle". Seine Kunden interessieren sich vor allem für Bier, Wasser oder Säfte aus der Umgebung.

Nur so eine Idee sei das 1993 gewesen, sagt Stephan Groß. Lerchenfeld könne eigentlich noch einen Getränkemarkt brauchen, habe er sich gedacht. Und als er dann in der Nähe der Firma Hawe an der Kulturstraße eine leer stehende Halleneinheit entdeckte, wurde aus seiner Idee die "Getränkequelle". Schon bald wurde es dem gelernten Maschinenbauer dort zu eng, er zog mit seiner Firm an die Falkenstraße und schließlich in das Gewerbegebiet am Ende der Erdinger Straße. Doch dann wollte der benachbarte DM-Markt erweitern, geeigneter Ersatz fand sich nicht, weshalb sich Stephan Groß kurzerhand dazu entschloss, selbst zu bauen. Genau gegenüber, an der Erdinger Straße 104.

Nach mehreren Umzügen ist Stephan Groß mit seiner Getränkequelle sesshaft geworden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Mehr als 400 Quadratmeter beträgt nun seine Verkaufsfläche, er konnte sein Sortiment erweitern und seinen Abholmarkt so gestalten, wie er sich das immer vorgestellt hatte. Meist steht Groß dort selbst an der Kasse, gelegentlich hilft ihm seine Frau Elke. Und da sind noch seine "Buam", wie er sie nennt. Junge Studenten, die stundenweise aushelfen und sich ein paar Euro verdienen wollen. Allein wäre es auch nicht zu schaffen, bei diesen Öffnungszeiten von 8.30 bis 19 Uhr.

Bier von mindestens 50 Brauereien verkauft Stephan Groß, dazu Wasser, Cola, Säfte und diverse Mischgetränke. Außerdem kann man bei ihm auch gekühltes Fassbier bekommen, samt Biertischgarnituren und Gläser. Was man halt für eine Party so braucht. Und wer zu viel gekauft hat, der kann auch wieder etwas zurückbringen.

Im Moment sei Nostalgie gefragt, sagt Groß: Alte Sorten, alte Werbesprüche

Groß weiß genau, was seine Kunden wollen, was die neuesten Trends sind, was sich die Brauereien einfallen lassen, um den Umsatz zu steigern. Waren es in den vergangenen Jahren Bügelflaschen, die "hip" waren, wie er sagt, so sei jetzt Nostalgie gefragt. Alte Sorten in alten Flaschen, mit alten Etiketten und alten Werbesprüchen. Den Kunden gefalle das, sagt er, aber das sei natürlich nicht das große Geschäft, das sei eine Nische. Die Platzhirschen seien die beiden Freisinger Brauereien, das Hofbrauhaus und die Staatsbrauerei Weihenstephan. Danach käme das Augustiner und seit einiger Zeit das Tegernseer, bei dem es schon mal zu Engpässen komme. Er habe da aber weniger Probleme als seine Konkurrenten, weil er keiner Kette angehöre und frei auf dem Markt agiere. Vor 30 Jahren noch sei das Warsteiner gefragt gewesen, doch das sei vorbei. Überhaupt würden die "Fernsehbiere" nur wenig nachgefragt, "bei uns geht das nicht". Pils würde vor allem von Zugezogenen gekauft.

Bei Craft Beer, glaubt er, sei der Höhepunkt überschritten. Das Bier der Münchner Brauereien könne er - ausgenommen das Augustiner - praktisch nur über den Preis verkaufen. Seine Kunden interessierten sich vor allem für das Bier mittelständischer Brauereien aus der Region. Die Preise seien dabei recht unterschiedlich. Der billigste Träger einer Brauerei aus der Hallertau koste 7,99, der teuerste 48 Euro. "Hip" seien derzeit Sachen wie das Weißbier der Schweiger-Brauerei in 0,25-Liter-Flaschen, oder das Maxlrainer Helle in einer 0,33-Liter-Flasche, weil man so was im Stehen trinken könne.

Der Neubau an der Erdinger Straße 104.

(Foto: Marco Einfeldt)

Weißbier gehe vor allem im Sommer gut. Das werde sogar als Mischgetränk mit Grapefruit angeboten. Das Erdinger Weißbier sei einer Geschmacksfrage, sehr gut verkaufe sich jedoch das Alkoholfreie. Auch einen fertig gemischten Russen habe er im Angebot und natürlich das Radler, das die Freisinger Brauereien auch naturtrüb anbieten und das bei Hitze gut gehe. Heutzutage mische sich kaum noch wer sein Radler selber. "Wenn's richtig heiß ist", sagt Groß, dann trinken die Leute auch kein Radler mehr, dann trinken sie Wasser.

Auch vom Wasser gibt es verschiedenste Sorten, darunter regionale

Davon hat Groß die unterschiedlichsten Sorten auf Lager. Gefragt seien aber auch hier regionale Produkte, erzählt er. Marktführer sei das Adelholzener, danach komme die Petrusquelle, die beide in der Nähe von Bergen abgefüllt würden. Ein Renner sei auch das Abenstaler aus der Hallertau. "Wieso soll ich Wasser aus Frankreich kaufen", sagten sich viele, "unser Wasser ist genauso gut". Auch bei Säften sei Regionalität gefragt. "Wo kommt der Saft her?", sei eine häufig gestellte Frage. Auffallend sei, dass wieder verstärkt zu Glasflaschen und harten, wiederverwertbaren PET-Flaschen gegriffen werde. Wohl weil die leichten Plastikflaschen Weichmacher enthielten, die in dem Verdacht stünden, davon etwas an das Wasser abzugeben.

Was das Cola angehe, da hätten das Light und das Zero zwar aufgeholt, sagt er, am meisten gekauft werde aber immer noch das normale Cola, auch wenn das am meisten Zucker enthalte. Spezi werde praktisch nur noch fertig gemischt verkauft. Nachgefragt werde hier vor allem der von Paulaner, "der ist kultig, der geht wie die Sau". Auch Schorle mische sich keiner mehr selbst. Müsse man ja auch nicht. Gefragt sei heute nicht mehr allein Apfelschorle, Adelholzener biete mittlerweile mindestens 20 Geschmacksrichtungen an, "die sind da Marktführer".

Das Wehklagen über fehlendes Leergut könne er nicht teilen, sagt Groß. Höchstens mal im Hochsommer komme etwas weniger zurück, vor allem beim Wasser. Aber er ist schon auch der Ansicht, dass acht Cent Pfand für eine Flasche Bier viel zu wenig sei, wenn gleichzeitig für eine Plastikflasche, die später geschreddert werde, 25 Cent eingesetzt werden müssten. Aber wenn da etwas geändert werden solle, entstehe erst das Problem. Schon bei der ersten Ankündigung würden die Leute das Leergut im Keller horten und auf das höhere Pfand warten, befürchtet er, "mehr Geld kann man sich ja nicht verdienen".

Groß geschrieben wird in der Getränkequelle der Servicegedanke. Was der Kunde sich wünscht, werde angeboten und notfalls auch extra bestellt, so Groß. Das A und O in seinem Geschäft bleibe aber das Wetter, in einem verregneten Sommer lasse sich nun mal nicht so viel verkaufen.

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