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Seniorenarbeit in Freising:Eine bessere Anbindung als Herzensanliegen

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In Corona-Zeiten sind Seniorentreffen nicht mehr möglich, Hilde Meindl aber hat Wege und Möglichkeiten gefunden, in Kontakt zu bleiben.

(Foto: Simon Faderl)

Seit vielen Jahren leitet Hilde Meindl den Seniorentreff Lerchenfeld. Treffen sind derzeit nicht möglich, deshalb verteilt sie mit ihren Helfern jede Woche Briefe. Darüber hinaus setzt sie sich für Barrierefreiheit und gute Busverbindungen in die Stadtteile ein.

Von Johann Kirchberger, Freising

Vor 45 Jahren riefen Elisabeth Mucha und Hilde Meindl die Lerchenfelder Senioren unter dem Namen "Altenclub" zu einem wöchentlichen zwanglosen Treffen zusammen. Als Elisabeth Mucha vor 25 Jahren die Leitung abgab, löste sich der "Altenclub" von der Frauengemeinschaft ab und wurde unter der Leitung von Hilde Meindl eine eigenständige Gruppierung in der Pfarrei St. Lantpert mit dem neuen Namen "Seniorentreff Lerchenfeld". Seitdem treffen sich regelmäßig zirka 80 Senioren und Seniorinnen einmal wöchentlich bei Kaffee und Kuchen.

Dazu kümmert sich Meindl um ein Rahmenprogramm, lädt Politiker ein, organisiert mit dem Oberbürgermeister eine Art Bürgerversammlung und veranstaltet Dichterlesungen und Volksmusiknachmittage. Dazu kommen unterschiedliche Vorträge, wie mit der Kripo zum Thema Sicherheit oder dem BRK über Notrufe. Es werden Feste im Jahreskreis gefeiert und viermal im Jahr Ausflüge mit Stadtbesichtigungen gemacht. Ein Senioren-Faschingsball findet statt, ein Herbstkonzert und Geburtstagsfeiern. Auch das Angebot der wöchentlichen Seniorengymnastik wird von vielen angenommen. Seit 45 Jahren wird diese Arbeit ehrenamtlich durchgeführt, dabei sind heute 35 Personen engagiert. In diesen Corona-Zeiten sind die Seniorentreffen zwar nicht mehr möglich, Hilde Meindl aber hat Wege und Möglichkeiten gefunden, mit ihren Senioren in Kontakt zu bleiben.

SZ: Wie gehen Sie mit der Situation um, sich mit Ihren Senioren nicht mehr treffen zu können?

Hilde Meindl: Nachdem wir am 11. März unser letztes Treffen hatten, waren wir zunächst ratlos. Dann aber hatten wir die Idee, an Ostern kleine Ostertüten zu verteilen. Innerhalb von acht Tagen haben wir 120 Tüten mit Osterartikeln zusammengestellt, einen besinnlichen Text beigelegt und alles ausgefahren und vor die Haustüren gestellt. Das war eine Riesenfreude. Seitdem bleiben wir in Kontakt mit den Senioren und Seniorinnen und schicken ihnen jede Woche einen Brief.

Was steht denn in diesen Briefen?

Diakon Klaus Klonowski, Seniorenbeauftragter für den Pfarrverband St. Korbinian, schreibt besinnliche Texte. Dazu kommen persönliche Geschichten unserer Senioren und Seniorinnen aus Lerchenfeld.

Wer verteilt diese Briefe?

Zum Glück haben wir noch viele aktive Senioren und Seniorinnen in unseren Reihen, die gerne die 135 Briefe austeilen. Die Anzahl der Briefe hat sich seit Ostern noch gesteigert. Das klappt wunderbar.

Gab es an Weihnachten auch etwas für die Senioren und Seniorinnen?

Selbstverständlich. Wir haben diesmal Weihnachtstüten mit selbstgebackenen Plätzchen und Marmeladen gefüllt. Dazu gab es noch gebrannte Mandeln, Äpfel, Mandarinen und Schokolade. Alles wurde gespendet, wir haben dafür nichts ausgegeben. Und dazu kam noch eine schöne Weihnachtsgeschichte. Die Resonanz war unheimlich gut. Das war natürlich viel Arbeit, aber auch viel Freude. Insgesamt haben 23 Frauen und Männer mitgeholfen.

Wie sind Sie denn zur Agenda-Projektgruppe gekommen?

Die Arbeit im Lerchenfelder Seniorentreff hat es mit sich gebracht, dass ich mich auch ehrenamtlich in der Projektgruppe Seniorinnen und Senioren des Agenda-21-Sozialbeirats engagiere. Rita Schwaiger, die damalige Sozialreferentin der Stadt, hat mich angesprochen. In den letzten Jahren war ich gemeinsam mit Helmut Hoof Sprecherin der Gruppe. Seit Hoof aus Freising weggezogen ist, mache ich das alleine. Jetzt bräuchte ich halt noch einen männlichen Stellvertreter, da ich der Meinung bin, dass die Seniorenarbeit nicht nur Frauensache ist.

Wie groß ist denn die Agendagruppe und wie oft trifft sie sich?

Wir sind etwa 25 Personen. Das sind meist Frauen, aber ich achte darauf, dass auch Männer dazukommen. Etwa alle zwei Monate treffen wir uns im Rathaus. Zurzeit ist es ruhig, denn das Herbstfest musste ebenso abgesagt werden wie der nächste Seniorenfaschingsball und Besprechungstreffen sind auch nicht möglich.

Und was wird sonst noch gemacht?

Wir haben erst kürzlich die dritte Auflage des Wegweisers für die Generation 60 plus herausgebracht, der im Bürgerbüro und bei der Touristinformation abgeholt werden kann. Da ist alles enthalten, was Senioren brauchen und was sie interessieren könnte, das geht von Seniorentreffs, Bildungsangeboten bis zu Hilfsangeboten sozialer Organisationen und Vereine. Es wird informiert über das Wohnen im Alter, den Hausnotruf, Essen auf Rädern und Pflegeeinrichtungen, man erfährt was über Vollmachten, Verfügungen und Nachlassregelungen. Außerdem wirken wir bei allen seniorenrelevanten Planungen der Stadt mit, geben Anregungen, wo barrierefreie Zugänge verbessert, öffentliche Toiletten errichtet und Ruhebänke aufgestellt werden sollten. Und wir haben auch einen Bewertungskatalog für ein seniorenfreundliches Einkaufen erstellt. Ein wichtiges Anliegen ist uns auch die Mobilität im Alter.

Wie kommen Sie mit dem Thema Mobilität voran?

Eigentlich ganz gut, die Stadtwerke sind sehr aufgeschlossen und es wird viel gemacht. Aber da kann schon noch was verbessert werden, die Linienverbindungen sind noch nicht das Wahre. Sehr am Herzen liegt uns eine bessere Anbindung der einzelnen Stadtteile, etwa die Busverbindung von Lerchenfeld in die Innenstadt, zum Krankenhaus und zum Waldfriedhof. Busfahren muss man aber auch lernen. Deshalb haben wir mit den Stadtwerken ein Sicherheitstraining durchgeführt und auch die Busfahrer wurden geschult, um Senioren ein gefahrloseres Busfahren zu ermöglichen und Unfälle zu vermeiden. Aber das ist momentan wieder eingeschlafen. Wegen Corona ist ja viel ausgefallen.

Seit zwei Jahren gibt es bei der Stadt eine eigene Seniorenbeauftragte. Hat sich dadurch die Zusammenarbeit mit der Stadt verändert?

Seit Alexandra Pöller diese Aufgabe übernommen hat, haben wir eine direkte Ansprechpartnerin zur Stadtverwaltung. Als positiv empfinden wir, dass die Gruppe in die Innenstadtkonzeption eingebunden ist und im sanierten Asamkomplex eine Begegnungsstätte für Senioren ohne Konsumzwang eingerichtet werden soll. Wichtig ist, dass die Senioren rausgehen, sich treffen und sich unterhalten können. Ein Traum von mir wäre eine Außenstelle der Stadtverwaltung, zum Beispiel ein Bürgerbüro in Lerchenfeld, wo man beraten wird und Anträge abgeben kann. So zwei- bis dreimal in der Woche vielleicht. Vieles kann zwar auch online erledigt werden, aber nicht alle Senioren haben es so mit den Computern.

Woran merkt man, dass man langsam zu den Senioren gehört?

Wenn die Schränke höher werden, die Leute leiser reden, die Zeitung kleiner schreibt und wenn man mehr Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten hat.

© SZ/nta
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