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Freibäder im Kreis Freising:Watergate

Trotz Abstandsgebot und anderer Corona-Regeln sollen die Gäste des Moosburger Freibads, wie hier auf der Rutsche, ihren Spaß haben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Ein Nadelöhr am Kinder-Becken, Schlangen an Eingang und Rutsche: Die Corona-Regeln beeinträchtigen auch den Freizeitspaß in den Schwimmbädern. Das Personal im neuen Freisinger Fresch ist zunehmend auch Anfeindungen von Pandemie-Leugnern ausgesetzt.

Von Birgit Goormann-Prugger und Alexander Kappen, Freising

Freisings Bäderleiter Alexander Frederking hat jetzt gerade mal eine Woche frei, ist aber dennoch erreichbar und in Bereitschaft, Corona-bedingt. "Ich bekomme täglich die Zahlen und wenn was passiert, müssen wir schnell reagieren", berichtet er. Denn was Frederking auf jeden Fall vermeiden will, ist, dass über das Freisinger Hallen- und Freibad "Fresch" nach einem Infektionsfall die "Corona-Glocke" gestülpt wird. Es gilt also Maskenpflicht im Eingangsbereich und in den Umkleiden, Abstände müssen eingehalten werden, überall stehen Desinfektionsspender bereit und im Hallenbad ist auf den Bahnen die Schwimmrichtung vorgegeben, entgegen dem Uhrzeigersinn. Beim Eintritt muss man ein "Registrierungsformular" ausfüllen, um so mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Derzeit dürfen nach den gesetzlichen Vorgaben 1200 Besucher auf einmal auf das Gelände. "Wir haben aber schon an mehreren Tagen bei 1000 gesagt, jetzt ist Stopp." Lange warten müsse man dann aber nicht. Viele Besucher würden nur zwei, drei Stunden bleiben, so Frederking. "Wenn der eine Schwung rauskommt, dann kann der nächste wieder rein."

Auf das Gelände des "Fresch" dürfen derzeit nach den gesetzlichen Vorgaben auf einmal 1200 Besucher.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das Kinderbecken sei allerdings "ein Nadelöhr", sagt Frederking, weil die Kinder selbst die Regeln natürlich nicht beachten könnten. Da seien dann auch die Eltern in der Pflicht, die Corona-Regeln zu beachten. "Wir sprechen es auch oft an, aber das ist besonders an diesen heißen Tagen schwierig", sagt Frederking. Hinweisschilder würden die Eltern darauf aufmerksam machen, dass die Schwimmbadaufsicht sie nicht von ihrer Elternaufsicht entbinde und auch sie darauf achten müssten, dass die Abstände eingehalten werden. "Natürlich gucken unsere Leute auch, aber dem 23. Kind mit drei Jahren zu sagen, du darfst hier nicht ins Becken, das ist dann schwierig", schildert Frederking.

Durchsagen informieren die Besucher über die Regeln

Nach den vergangenen heißen Tagen habe die Bäderleitung darum entschieden, mit Durchsagen auf die Corona-Situation aufmerksam zu machen, ähnlich wie im Supermarkt. "Das machen wir künftig stündlich und an vollen Tagen halbstündlich, um es den Leuten ins Gedächtnis zu rufen. Denn oft betreten die Besucher das Schwimmbad und benehmen sich, als gäbe es kein Corona, als ob wir nie eine Pandemie gehabt hätten", erzählt Frederking. Sehr schade finde er es, dass mittlerweile die Mitarbeiter des "Fresch", die auf die Umsetzung der Corona-Regeln achten müssten, sehr hart angegangen würden. "Gäste ohne Masken lassen wir eben gar nicht ins Bad, da gibt es dann oft Riesenstreit. Wir versuchen alles umzusetzen, was uns vorgegeben wurde, aber das geht nur, solange die Leute mitspielen", so Frederking. Corona-Leugner gebe es aber leider auch im Fresch und von denen würden die Mitarbeiter oft "übelst angegangen".

Auf dem Freibadgelände, an der frischen Luft, sei die Situation etwas einfacher, aber auch da sei es immer ein Miteinander. "Wenn die Gäste, die jetzt an den heißen Tagen alle im Schatten zusammensitzen und uns sagen, sie seien alle aus einem Haushalt, können wir das nicht kontrollieren, wenn wir beim Eingang auch noch einen Ausweisabgleich machen würden, gäbe es zu den Stoßzeiten noch längere Schlangen", warnt der Bäderleiter.

Das Personal wird im "Fresch" immer öfter von Corona-Leugnern angegangen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Als nächste Herausforderung sieht er das Wintergeschäft, auf das man sich vorbereiten müsse. "Da haben wir dann nur das Hallenbad offen und es dürfen wohl nur 250 Person auf einmal hinein und noch einmal 100 in die Sauna." Überlegt werde, den Gästen spezielle Slots anzubieten, die man vorher reservieren könne.

In Moosburg "setzt man auf Menschlichkeit"

Mit renitenten Badegästen wie in Freising hat man im Moosburger Freibad keine größeren Probleme. Betriebsleiter Rostislav Zinitch hat keinerlei Erfahrungen "mit grantigen Menschen" gemacht, "man bringt uns volles Verständnis entgegen". Natürlich laufe nicht immer alles reibungslos. In Moosburg herrscht wie überall großer Betrieb. "Viele Leute bleiben dieses Jahr im Urlaub hier und sämtliche Bäder sind überfüllt", so Zinitch. Und in Moosburg, wo man sich wegen des Hallbadneubaus mit provisorischen Containern für Kassenbereich, Kiosk, Personal und Sanitäranlagen behelfen und zusätzlich zur Corona-Krise besondere Herausforderungen meistern muss, "lernen wir natürlich auch jeden Tag dazu", sagt der Betriebsleiter. So habe man kürzlich vor der Kasse Sonnenschirme aufgestellt, weil sich dort durch das Ausfüllen der Corona-Kontaktformulare längere Schlangen bilden und die Leute sonst schutzlos der Hitze ausgesetzt sind.

Die Schlange für das Rutschen ist in Moosburg lang.

(Foto: Marco Einfeldt)

In Moosburg dürfen nicht mehr als 1000 Personen gleichzeitig ins Bad. Am Sonntag waren es laut Zinitch über den ganzen Tag verteilt 1400. Mit Badeaufsicht, Reinigungs- und Kassenpersonal umfasst sein Team 23 Mitarbeiter. Gerade bei den Rettungsschwimmern habe man heuer aufgestockt, um der Situation gewachsen zu sein. Der Betriebsleiter ist voll des Lobes, "dankbar, dass ich so ein tolle Mannschaft habe". Dieser habe er in Einzelgesprächen klar gemacht, "dass wir auf Menschlichkeit setzen, wir sind ja kein Polizeibad". Man wolle mit den Leuten reden und sie überzeugen. "Und sie sind einsichtig."

Auch in Moosburg gilt eine Maskenpflicht im Eingangsbereich, am Kiosk und in den Sanitäranlagen. Dazu kommen Einbahnregelungen im Becken, die üblichen Abstandsregeln an der Kasse, auf der Liegewiese und im Wasser. Die Badegäste hielten sich in den allermeisten Fällen von ganz allein an die Regeln, seien "sehr ordentlich und halten Abstand - das ist ganz erstaunlich", sagt Zinitch. Ein Vorteil sei, dass auf dem weitläufigen Gelände genügend Platz sei und dass das Freibad erst am 17. Juni öffnete, als die Pandemie längst allgegenwärtig war "und die Leute schon an Masken, Abstand und so weiter gewohnt waren". Klar komme es vor, dass Gäste zu nahe beieinander seien, aber dann weise das Personal eben kurz darauf hin. Von einem "Schilderwald" mit Verboten hält Zinitch nichts, er setzt auf das persönliche Gespräch. Sowohl in Bezug auf die Corona-Regeln als auch auf das erst seit diesem Jahr geltende Rauchverbot auf der Liegewiese. Wer auf Zigaretten nicht verzichten kann, muss eine Raucherecke aufsuchen.

Auf Menschlichkeit und Augenmaß legt Zinitch besonders im Umgang mit den kleinen Badegästen großen Wert. An der Rutsche herrsche zuweilen "das typische Kindergedränge". Aber man habe genügend Personal, um dann wieder für die Abstände zu sorgen. In diesen ohnehin nicht leichten Zeiten, in diesem "besonderen Sommer", dürfe man den Gästen "nicht den Spaß nehmen, nicht dass sie glauben, sie sind hier in einem Arbeitslager".

© SZ vom 11.08.2020/nta

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