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Hallbergmooser Tafel:"Acht Personen ohne Schwein"

Die Hallberger Tafel im Coronamodus: Helfer packen Tüten, Kunden bekommen sie einzeln ausgeteilt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Tanja Voges von der Nachbarschaftshilfe ist für die Tafel zuständig. Sie kennt die Bedürfnisse ihrer Kunden. Diese waren zu Beginn der Coronakrise aus Angst vor Ansteckung weggeblieben, kehren jetzt aber zurück.

"Am Anfang standen wir ziemlich planlos da", sagt Tanja Voges, die bei der Hallbergmooser Nachbarschaftshilfe für die Tafel zuständig ist. Mit "wir" meint sie ihr Team, das jede Woche etwa 550 Bedürftige mit gespendeten Lebensmitteln versorgt, auch aus den Nachbargemeinden Eching und Neufahrn. Als die Hygiene-Verordnungen wegen des Coronavirus in Kraft traten, musste auch im Haus der Nachbarschaftshilfe, wo jeden Mittwochnachmittag die Verteilung stattfindet, von einer Woche auf die andere umorganisiert werden. Die Schließung war keine Option, als systemrelevanter Grundversorger durften die Tafeln stets offen bleiben.

Es herrscht immer reger Andrang in dem Raum im Erdgeschoss, auch im Wartebereich, der als kleines Café gestaltet ist. Normalerweise rücken die Kunden von Station zu Station weiter, vom Gemüse zu den Milchprodukten und weiter zur Bäckerware und erhalten das, was sie davon möchten. Wegen des Abstandsgebots geht das so nicht mehr. "Jetzt packen wir drinnen die Kisten und geben sie draußen an jeden einzelnen Kunden ab, der sie in seine Taschen umpackt", erklärt Tanja Voges das neue System. Anfangs versuchte man es mit nur zwei Kunden gleichzeitig drinnen, doch jetzt geht es schneller und sicherer.

Die Zahl derer, die zur Tafel kommen, hat um zehn bis 15 Prozent abgenommen, sagt Voges

Die erste Kundin, eine alte Frau mit Einkaufstrolley, ist an diesem regnerischen Mittwoch schon eine dreiviertel Stunde vor Öffnung da. Sie wartet unter einem aufgestellten Plastikpavillon vor dem Eingang. Bald gesellen sich weitere dazu, am Ende, kurz vor 15 Uhr, sind es über 40 Personen, alle mit Mundschutz und in gehörigem Abstand voneinander, bis auf den Parkplatz verteilt. "Acht Personen ohne Schwein", lautet wenig später die Ansage von Tanja Voges, sie kennt sämtliche Vorlieben und Bedürfnisse, die meisten Kunden sind jede Woche da. "Laktosefrei", "keine Nüsse", geht es weiter, die Helfer wissen Bescheid und reichen den gepackten Korb, zuletzt weiter an Hannes, den "Outdoor-Meister", der für die Ausgabe zuständig ist.

In den Wochen nach der Schließung sei man geradezu mit Lebensmittelspenden überschüttet worden, Hotels und Gaststätten räumten die Lager leer. "Da sind wir sehr, sehr gut versorgt", sagt Voges. Jetzt aber hört sie viele Sorgen von den Spendern. Dazu hat die Zahl derer, die sich an der Tafel eindecken, um zehn bis 15 Prozent abgenommen, aus Angst sich anzustecken, vermutet Voges. Diese Angst hat es auch bei einigen Helfern gegeben, schließlich sind die meisten von ihnen Senioren, in Hallbergmoos ist die Jüngste 56. Viele seien es nicht gewesen sagt Voges, und jetzt kämen sie langsam wieder.

Paul Kratz, der den Tafel-Bus aus Eching fährt, hat weiter gemacht, aber er fährt, wie auch Gisela Brück mit dem Bus aus Neufahrn, derzeit leer nach Hallbergmoos. Zurück kommen sie mit vollen Taschen für die Empfänger, neun sind es an diesem Tag aus Neufahrn, fünf aus Eching. An einem bestimmten Treffpunkt ist Übergabe. Derweil überlegt das Tafelteam, wie die Ausgabe an die neuen Hygieneerfordernisse angepasst werden kann, und trotzdem wieder Nähe zum Kunden entsteht. Denn die gehört schon dazu. Trennwände aus Plexiglas zum Beispiel sind ein Mittel, das man anschaffen möchte.

© SZ vom 15.05.2020/lada
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