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Tafeln im Landkreis:Zu riskant

Erste Lebensmitteltafeln in Thüringen schließen

Die Tafeln in Moosburg und Freising stellen die Essensaufgabe wegen des Coronavirus ein. Die Foodsharing-Gruppe in Freising versucht, aufzufangen.

(Foto: dpa)

Essensausgabestellen in Moosburg und Freising schließen, Foodsharer helfen.

Etwa 250 Familien, so die Schätzung, müssen sich im Landkreis im kommenden Monat darauf einstellen, ohne die Essensausgaben der Tafeln auszukommen. Denn sowohl die Freisinger als auch die Moosburger Tafel haben ihren Betrieb vorerst eingestellt, in Moosburg mindestens bis Ostern, in Freising voraussichtlich bis zum 20. April. Die Tafel in Hallbergmoos macht ihre Ausgabe so lange weiter, wie sie noch kann. In Freising versuchen Foodsharer, die Ausfälle abzufangen.

"Unsere Foodsharer sind jünger und gehören nicht zur Risikogruppe, deshalb hatten wir angeboten, uns verstärkt um Abholung zu kümmern", sagt Steffi Klatt, Foodsharerin und eine der Organisatoren der Gruppe. Erst hatten sie angeboten, sich um den Betrieb der Freisinger Tafel zu kümmern, dort hatte man sich aber letztendlich dagegen entschieden. "Es tut mir furchtbar leid, aber es ist zu riskant", meint Peter Bach, erster Vorstand der Freisinger Tafel. "Wenn jemand erkranken sollte, könnte es zu viele treffen." 550 Menschen nehmen in Freising, so schätzt Bach, das Angebot der Tafel wahr. Von seinen 70 Helfern sind etwa 80 Prozent über 70 Jahre alt oder vorerkrankt und zählen damit zur Risikogruppe derer, die eine Infektion mit dem Coronavirus schwer treffen könnte. Die Tafel also ist erst mal zu, die Foodsharer versuchen stattdessen, Menschen mit Einschränkungen, die nicht selbst einkaufen gehen können, zu unterstützen. "Wir warten auf eine Liste von der Tafel, um diesen Menschen Kisten mit Lebensmitteln an die Haustür zu bringen", erklärt Klatt. Außerdem versucht die Gruppe, andere Bedürftige, von denen sie wissen, nach deren Einverständnis zu beliefern. Alle anderen, so hofft Bach, können die Zeit überbrücken. "Über Weihnachten und Neujahr machen wir auch zwei Wochen zu und die Leute kommen klar."

In Moosburg ist die Situation ähnlich wie in Freising. Die Tafel in Hallbergmoos macht währendessen weiter, "solange es noch geht", sagt Tanja Voges. Sie hat sich das Einverständnis von der Gemeinde geholt, weiterhin einmal die Woche Lebensmittel auszugeben. "Wir haben drei separate Teams eingerichtet, damit zwei bei einem Krankheitsfall problemlos weitermachen können", bemerkt sie. Auch sonst wird unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen gearbeitet, nur zwei Kunden auf einmal dürfen zur Abholung rein, ab kommender Woche wollen sie die Ausgabe nach draußen verlegen. Noch sei die Solidarität unter der Bevölkerung da, es werden Lebensmittel abgegeben und auch neue freiwillige Helfer haben sich bei Voges gemeldet. Trotzdem, sagt sie bedauernd, können sie nur ihre Kunden weiterbetreuen und die Ausfälle in Freising und Moosburg nicht auffangen. Außerdem appelliert Voges: "Wer jetzt noch Hamsterkäufe tätigt, sollte an die denken, die eingeschränkte Möglichkeiten haben."

© SZ vom 19.03.2020

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