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Chemikalie im Freisinger Grundwasser:Suche nach dem Verursacher geht weiter

Die Trinkwasserbrunnen im südlichen Landkreis Freising werden beprobt, bis jetzt sind alle Werte, auch die der Freisinger Flachbrunnen unterhalb der Grenzwerte.

Das Wasserschutzgebiet Vötting liegt südlich von Freising: Dort, wohin die Giftfahne aus München fließt. Der Ursprung der Chemikalien ist weiter unklar.

(Foto: Marco Einfeldt)

In einem Brunnen in Freising ist die Chemikalie Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) nachgewiesen worden. Es handle sich um einen von insgesamt sieben Brunnen, die Freising mit Trinkwasser versorgen, erklärt der Geschäftsführer der Freisinger Stadtwerke Andreas Voigt. Die Dosis ist allerdings so gering, dass beim Trinken des Wassers keine Gefahr besteht: Die Grenzwerte würden nicht überschritten, hatte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher am Montag in der Sitzung des Finanz- und Verwaltungsausschusses erklärt. Die Stadtwerke wollen jetzt weitere Brunnen im Stadtgebiet beproben lassen. Insgesamt drei Flachbrunnen gibt es Voigt zufolge: In denen ist das Risiko für eine erhöhte Konzentration der Chemikalien höher als bei sogenannten Tiefbrunnen, bis zu dem tiefen Wasserstand dringen Chemikalien kaum vor. "Eventuell wollen wir sicherheitshalber aber auch in Tiefbrunnen proben", sagt Voigt.

Das Wasserwirtschaftsamt sucht derweil weiter nach dem Ursprung des Chemikalien-Eintrags. Das Amt arbeitet sich vom Landkreis Freising in südliche Richtung vor, also nach München. Für die neuesten Messungen hat das Amt den Bereich südlich des Frankfurter Rings untersucht, im Bereich des Münchner Stadtviertels Milbertshofen: Die hier gemessenen Werte seien ähnlich hoch wie im Hasenbergl, erklärt Stefan Homilius, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes. Das heißt: "Der Verursacher muss noch weiter im Süden liegen." Das Amt will deshalb als nächsten Schritt die Grundwassermessstellen weiter im Stadtgebiet beproben.

Im August werden die PFOS-Chemikalien erstmals festgestellt

Im August hatte das Wasserwirtschaftsamt München in der Moosach und im Nebenfluss Mauka eine erhöhte Konzentration der PFOS-Chemikalien festgestellt. Auch wild lebende Fische aus der Moosach waren betroffen, bei den Tieren aus Zuchtbetrieben waren aber nur geringe Werte gemessen worden. Möglicherweise kommen die Chemikalien aus Betrieben, die Galvanotechnik verwenden, also Metalle bearbeiten - momentan sei aber alles noch Spekulation, sagt Homilius.

Das Wasserschutzgebiet Vötting liegt südlich von Freising: Dort, wohin die Giftfahne aus München fließt. Der Ursprung der Chemikalien ist weiter unklar.

(Foto: Marco Einfeldt)

Weil die PFOS-Werte auch im Grundwasser südlich von Eching erhöht waren, wird auch dort jetzt das Trinkwasser untersucht. Ergebnisse liegen noch nicht vor, berichtet Franz Rauch, Geschäftsleiter des Zweckverbands Wasserversorgungsgruppe Freising-Süd. Das Gesundheitsamt habe aber bereits aus allen Brunnen des Verbandsgebietes - zu dem unter anderem Eching und Neufahrn gehören - Proben genommen. Rauch sagt: Dass das Trinkwasser im Versorgungsgebiet des Wasserzweckverbandes mit den Chemikalien belastet sei, könne er schon jetzt "mit ziemlicher Sicherheit" ausschließen. "Unser entscheidender Vorteil ist, dass wir fast nur Tiefbrunnen haben", erklärt er.

Steigen die Werte in den Brunnen, werden diese stillgelegt

Unabhängig davon, was die Messungen in Freising und im südlichen Landkreis ergeben werden, bleibt die Trinkwasserversorgung gewährleistet. Das garantieren sowohl Voigt als auch Rauch. Sollte tatsächlich eine Konzentration oberhalb der Grenzwerte festgestellt werden, könnten die Stadtwerke die Flachbrunnen vorübergehend außer Betrieb nehmen und die Stadt mit Wasser aus den Tiefbrunnen versorgen, so Voigt. Im Versorgungsgebiet des Wasserzweckverbands bekäme man in dem Fall Trinkwasser von benachbarten Brunnen zugeliefert. "Wir sind vorbereitet auf solche Eventualitäten", sagt Rauch.

Ob es so weit kommt, ist aber fraglich. Voigt erwartet für die Messungen aus den anderen Flachbrunnen in Freising ähnliche Ergebnisse wie für den bereits beprobten, also solche unterhalb der Grenzwerte. Übertrieben findet Rauch die Angst vor chemikalienverseuchtem Trinkwasser trotzdem nicht. "Die Angst ist schon berechtigt", sagt er und beruhigt gleichzeitig: Dass der Wasserzweckverband die Brunnen im Verbandsgebiet schließen musste, "das ist noch nie passiert in den letzten Jahrzehnten". Voigt merkt an, wie dringend die Suche nach der Quelle sei. Es könne schließlich sein, dass der Verursacher die Chemikalien nach wie vor in der Umwelt verteile.

Ist der Verursacher gefunden, kann Anzeige erstattet werden

Sollte das Wasserwirtschaftsamt einen Verdacht haben, wer dieser Verursacher sein könnte, wendet es sich an das Freisinger Landratsamt. Das entscheide dann, ob der verantwortliche Betrieb angeklagt wird, erklärt Homilius - wenn die Chemikalien denn von einem Betrieb kommen. "Im Zweifel entscheidet die Staatsanwaltschaft." Vor rund einem Monat hatte das Landratsamt wegen des Verdachts einer schädlichen Gewässerverunreinigung bereits Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Schon vor dem Fund der Perfluoroctansulfonsäure gab es in Moosach und Mauka Probleme mit Chemikalien, als nämlich ein Zuchtbetrieb das verbotene Fisch-Medikament Malachitgrün ausgebracht hatte. Damals ist das Trinkwasser aber nicht untersucht worden. Das Malachitgrün sei ausschließlich in Fließgewässern gefunden worden, so Voigt. Mögliche Auswirkungen auf das Trinkwasser haben Chemikalien demnach aber nur, wenn sie sich im Grundwasser befinden.