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SZ-Adventskalender:Nicht genug für ein neues Leben

143 Anfragen gab es im Jahr 2019, nur zwölf Frauen konnten im Frauenhaus der Diakonie aufgenommen werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Frauen, die gewalttätigen Männern entflohen sind und einen der raren Plätze im Frauenhaus ergattern, können sich hier stabilisieren. Doch danach finden sie keine Wohnung und haben oft mit materieller Not zu kämpfen.

Von Gudrun Regelein, Freising

Es sind Frauen, die oft über viele Monate hinweg Schläge, Erniedrigungen und Beleidigungen ihrer Partner ertragen. Bis sie eines Tages die Kraft haben, zu gehen und sich ein neues Leben aufzubauen. Diese Frauen finden für sich und ihre Kinder im Freisinger Frauenhaus der Diakonie einen Zufluchtsort. "Wir können fünf Frauen mit bis zu zehn Kindern aufnehmen, die Schutz vor häuslicher Gewalt suchen", sagt Diakonie-Vorständin Beate Drobniak. Das kann körperliche aber auch psychische Gewalt sein, die betroffene Frauen erleiden. Für die Kinder sei es extrem schlimm, dies miterleben zu müssen, ohnmächtig zusehen zu müssen, wie ihre Mutter leidet, schildert Beate Drobniak.

Die Plätze des Frauenhauses sind immer belegt, weshalb nicht alle Frauen, die sich melden, aufgenommen werden können. Im vergangenen Jahr gab es 163 Anfragen, gerade einmal 19 Frauen konnten einziehen. Ein Grund ist, dass die Frauen oft länger bleiben müssen, als eigentlich vorgesehen war, denn: "Der Wohnungsmarkt bei uns ist so überhitzt, dass die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung oft extrem lange dauert und die Frauen nicht ausziehen können, selbst wenn sie sich stabilisiert haben", berichtet Drobniak.

Manchmal gelingt das aber doch, zwei Bewohnerinnen, Frau Z. und Frau T., konnten in diesem Jahr in eine eigene Wohnung ziehen. Frau Z. ist Mutter von fünf Kindern, sie floh nach jahrzehntelanger Gewalt vor ihrem Mann in das Frauenhaus. Sie hat dort eine lange Zeit gelebt, sich psychisch stabilisiert und versucht nun, sich ein eigenständiges Leben mit den Kindern aufzubauen - auch wenn die vielen Jahre der Misshandlungen tiefe Spuren hinterlassen haben und sie noch immer eine Psychotherapie besucht. Für ihre neue Wohnung braucht sie nun Möbel - einen Tisch, Stühle, eine Couch und ein Bett mit Matratze. Auch der Kühlschrank muss dringend ersetzt werden, er ist ein Stromfresser und die Energiekosten sind deshalb sehr hoch. Das Geld für diese Anschaffungen aber hat Frau Z. nicht.

"Ohne Spenden ginge es nicht"

Auch Frau T. ertrug die Demütigungen ihres Mannes über viele Jahre hinweg. Erst als es ihr psychisch immer schlechter ging, fasste sie den Mut, sich an eine Beratungsstelle zu wenden. Diese vermittelte den Kontakt zum Frauenhaus. Dort gewann sie wieder Mut und Kraft, um ihr Leben selbständig zu gestalten. Vor kurzem hatte sie das Glück, eine kleine Wohnung für sich und ihren Sohn zu finden. Momentan nimmt sie an einer Qualifizierungsmaßnahme des Arbeitsamtes teil, kommendes Jahr möchte sie die Ausbildung zur Altenpflegerin beginnen. Für ihren täglichen Schulweg braucht Frau T. dringend ein neues Fahrrad, ihr altes ist kaputt und kann nicht mehr repariert werden. Auch muss sie für ihre neu bezogene Wohnung noch Haushaltsgeräte anschaffen, dafür aber fehlt ihr das Geld. "Die meisten Frauen haben, abgesehen davon, was sie in das Frauenhaus mitgebracht haben, nichts mehr für den Start in ihr neues Leben", berichtet Beate Drobniak. Das Jobcenter zahle zwar etwas für die Erstausstattung einer neuen Wohnung, aber das decke nicht den Bedarf. "Ohne Spenden ginge es nicht", betont Drobniak.

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Auch für das Frauenhaus gibt es Wünsche: "Wir benötigen dringend zwei Fahrräder für unsere Frauen und ein Kinderrad und zwei Laufräder für die Kinder. Es wird zwar viel repariert, allerdings sind unsere momentanen Fahrräder jetzt am Ende", sagt Beate Drobniak. Und um die Kinderwagen abstellen zu können, wäre eine Unterstellmöglichkeit optimal. Im Haus fehle dafür der Platz. "Das würde uns bei unserer Arbeit sehr helfen."

© SZ/nta
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