Photovoltaik:Gigantismus vor den Toren Freisings

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Photovoltaik: Freiflächenvoltaik als Brückentechnologie, darauf setzen die Freien Wähler. Sie möchten deshalb auf der Vorbehaltsfläche für die dritte Startbahn eine gigantische Solaranlage bauen.

Freiflächenvoltaik als Brückentechnologie, darauf setzen die Freien Wähler. Sie möchten deshalb auf der Vorbehaltsfläche für die dritte Startbahn eine gigantische Solaranlage bauen.

(Foto: Ingo Wagner/dpa)

Kreisausschuss lehnt Vorschlag der Freien Wähler ab, statt einer dritten Startbahn eine riesige Photovoltaikanlage zu errichten. Immerhin soll die Idee in eine Studie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf einfließen.

Von Peter Becker, Freising

Eine gigantische Photovoltaikanlage vor den Toren Freisings, die den Energiebedarf mehr als der Hälfte der Einwohner der Landkreise Freising und Erding decken könnte: Die Idee der Freien Wähler ist gut, aber die Mehrheit der Kreisräte im Kreisausschuss des Kreistags ist noch nicht zu deren Umsetzung bereit. Der politischen Gruppierung schwebt vor, die Vorbehaltsfläche für die dritte Startbahn aus dem Landesentwicklungsplan (LEP) zu streichen. Stattdessen möchten die Freien Wähler das etwa 2,6 Quadratkilometer große Areal mit Solarzellen bestücken. Am Ende einigte sich der Kreisausschuss auf den Kompromiss, die Vorbehaltsfläche am Flughafen in eine Untersuchung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf miteinzubeziehen. Diese begibt sich derzeit auf die Suche nach geeigneten Standorten für Freiflächensolaranlagen.

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine macht deutlich, wie abhängig der Freistaat Bayern vom Energieimport aus anderen Staaten ist. Die Freien Wähler hatten nun einen Antrag gestellt, die Vorbehaltsfläche für die dritte Startbahn aus dem LEP zu streichen und durch eine solche für eine Photovoltaikanlage zu ersetzen. Ob dies der richtige Weg sei, darüber diskutierte der Kreisausschuss intensiv.

Der Antrag der Freien Wähler soll die Staatsregierung unter Druck setzen

Die Freien Wähler warben um Zustimmung für ihren Antrag. Sie sehen die Photovoltaik als Brückentechnologie, bis die Entwicklung anderer klimaneutraler Technologien ausgereift ist. Wie etwa die Energiegewinnung durch Wasserstoff. Rainer Schneider (FW) sagte, der Antrag solle die bayerische Staatsregierung unter Druck setzen. Dann müsse sie Farbe bekennen, wie ernst es ihr mit ihrer Ankündigung von mehr Nachhaltigkeit sei. "Wir brauchen Freiflächenvoltaikanlagen für die nächsten 25 bis 30 Jahre", argumentierte Schneider. Die Montage von Solarzellen auf Hopfengärten oder Dächern reiche nicht aus.

Johann Stegmair (CSU) sprach bei dem Antrag von "Gigantismus". Er bemängelte, dass dieser nicht zuvor im Planungsausschuss des Kreistags besprochen worden sei. Stegmair ist davon überzeugt, dass die Nutzung von Windkraft viel effektiver sei als Photovoltaik. Bevor die 10-H-Regelung in Kraft getreten sei, hätten die Gemeinden schon viel Vorarbeit geleistet, in dem sie Vorrangflächen für Windkraftanlagen ausgewiesen hätten. "Die Pläne muss man nur aus der Schublade nehmen", forderte Stegmair.

"Die Idee ist charmant", findet Grünen-Fraktionssprecherin Claudia Bosse

"Die Idee ist charmant", findet Claudia Bosse, Fraktionssprecherin der Grünen. Im LEP stünden aber keine konkreten Standorte für Photovoltaikanlagen drin. Sie riet dazu, die Idee der Freien Wähler in die Studie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf aufzunehmen. "Dann kann man die gigantische Fläche auf den Prüfstand stellen."

Ganz andere Bedenken hat Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (FSM). Er ist dagegen, eine Vorbehaltsfläche durch eine andere abzulösen. Der gangbarere Weg wäre für ihn, eine Fläche für Photovoltaik in einen Flächennutzungsplan aufzunehmen. Für die Stadt Freising wäre es eine große Erleichterung, wenn die dritte Startbahn endlich aus dem LEP verschwände. Dann könne sie als Kommune besser planen, betonte Eschenbacher. Eine Vorbehaltsfläche für Photovoltaik sei aber ein genauso großer Eingriff in die kommunale Planungshoheit wie eine solche für eine dritte Startbahn. "Das wäre eine neue Einschränkung."

Landrat Helmut Petz (FW) wies darauf hin, dass es aber einer Vorbehaltsfläche bedürfe. Würde die dritte Startbahn aus dem LEP gestrichen, sei es möglich, dass ein Bauer hergehe und auf dem frei gewordenen Gelände einen Stall baue. Er wolle aber nicht erst gegen die dritte Startbahn kämpfen und dann gegen eine neue Vorbehaltsfläche, beharrte Eschenbacher auf seinem Standpunkt. Am Ende stimmte der Kreisausschuss dem Vorschlag von Claudia Bosse zu.

Ohnehin bleibt erst mal die nächste Landtagswahl abzuwarten. Dann endet vorerst der Koalitionsvertrag der CSU mit den Freien Wählern. Was dann mit den Plänen zu einer dritten Stadtbahn geschieht, ist offen.

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