Airport-Zukunft Wer Michael Kerkloh als Flughafenchef folgen könnte

Am Münchner Flughafen ist noch Platz für mehr Platz.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
  • Der Flughafen München wird Ende des Jahres einen neuen Chef bekommen. Der CSU-Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch soll sich für den Posten interessieren.
  • Manch einer verdächtigt ihn, Gerüchte in eigener Sache zu befeuern. In der CSU wächst die Distanz.
  • Einem Insider zufolge liegen Weidenbuschs Chancen "bei Null". Es wird mit überaus qualifizierten Bewerbungen für den Chefposten gerechnet.
Von Wolfgang Wittl

Wenn einer der wichtigsten Posten in Bayern zu vergeben ist, verwundert es nicht, dass das Begehrlichkeiten weckt. Ende des Jahres soll der Münchner Flughafen einen neuen Chef bekommen. Es überrascht daher auch nicht, dass die Debatte um die Nachfolge von Michael Kerkloh langsam Fahrt aufnimmt. Bemerkenswert daran ist nur, wie eindimensional sie bislang geführt wird. Einziger Hauptakteur: der CSU-Landtagsabgeordnete und Rechtsanwalt Ernst Weidenbusch aus dem Landkreis München. Selbst in der CSU fragt man sich: Gibt es keine anderen Bewerber? Und welches Spiel wird hier gespielt?

Anfang November ging es los: "Spaenle bald wieder im Landtag?", fragte die Bild-Zeitung. Die eigentliche Nachricht dahinter war jedoch eine andere. Der Münchner CSU-Chef Ludwig Spaenle hatte den Einzug ins Parlament verpasst, rückt aber nach, sobald ein Abgeordneter aus Oberbayern sein Mandat abgibt - womöglich eben jener Ernst Weidenbusch. Dieser solle sich "sehr dafür interessieren", Chef des Flughafens zu werden, so die Zeitung. Und: Weidenbusch habe "offenbar auch den Segen" von Ministerpräsident Markus Söder. Schon damals legte so mancher in der Staatsregierung die Stirn in Falten.

Drei Monate später folgte die Fortsetzung in der Abendzeitung. Sie berichtete von "hartnäckigen Gerüchten", dass Söder seinen Parteifreund Weidenbusch als Flughafenchef "durchsetzen" wolle, quasi als Dank für treue Dienste. Weidenbusch hatte dem Finanzminister Söder bei den Verhandlungen zur Rettung der Bayern-LB geholfen, im Machtkampf gegen Horst Seehofer stand er fest an Söders Seite. Seine Berufung als Flughafenchef "hätte daher eine gewisse Logik", schlussfolgerte die AZ. Außerdem sei Weidenbusch von Söder nicht ins Kabinett berufen worden und somit frei für die Aufgabe am Flughafen, in dessen Aufsichtsrat er bereits sitzt.

Ernst Weidenbusch (CSU).

(Foto: Claus Schunk)

In der CSU herrschen keine Zweifel, dass vor allem Weidenbusch sich für den lukrativen Posten bestens für geeignet hält. Als immer unwahrscheinlicher gilt indes, dass er mit seinen Plänen am Zielort Chefbüro landen könnte. Weidenbusch steht im Verdacht, die Gerüchte in eigener Sache zu befeuern. Es sei nun schon der zweite Testballon, der über dem Flughafen aufsteige, grummelt ein einflussreicher CSU-Mann. Dabei sei in der Causa Geschäftsführung völlig klar: "Parteiklüngel ist ausgeschlossen." Die Entscheidung falle in einem ordentlichen Ausschreibungsverfahren, treffen werde sie allein der Aufsichtsrat. Zwar hält der Freistaat mit 51 Prozent die Mehrheit der Anteile, doch der Entschluss werde sicher nicht an den beiden Mitgesellschaftern Bund (26 Prozent) und Stadt (23) vorbei gefällt.

Der Regierungspartner Freie Wähler hat bei der CSU bereits eine Art Veto gegen Weidenbusch eingelegt. Die Personalie werde von seinen Leuten äußerst kritisch gesehen, sagte Landtagsfraktionschef Florian Streibl. Auch Ministerpräsident Söder dürfte sich wenig begeistert zeigen, ständig ohne sein Zutun als Kronzeuge für die angeblich nahende Beförderung aufgerufen zu werden. Dass er Weidenbusch nicht ins Kabinett berufen hat, war wohl eher dem Umstand geschuldet, dass der Jurist für Spitzenämter als schwer vermittelbar gilt. Schon bei den Wahlen um kleinere Posten vermag er sich in der CSU-Fraktion nicht durchzusetzen. Seine unbestrittenen Fähigkeiten stünden im krassen Kontrast zu seinem aufbrausenden Temperament und seinem Hang zum Einzelgängertum, sagen Parteifreunde.

Aus der Staatsregierung heißt es kühl, Weidenbusch könne sich wie jeder andere auf die Stelle bewerben, der oder die Beste werde genommen. Seine Chancen dürften damit "bei Null" liegen, behauptet ein Insider. Als Michael Kerkloh vor 17 Jahren seinen Job in München antrat, hatte er sich schon einen Ruf als erfolgreicher Flughafenmanager in Frankfurt und Hamburg erworben. Mit ähnlich qualifizierten Bewerbungen wird auch diesmal gerechnet. Eine Personalberatung soll sich auf die Suche nach Kandidaten machen, der Auftrag soll demnächst vergeben werden. Dann werden die Kriterien festgelegt und Vorschlagslisten mit Namen versehen.

Ernst Weidenbusch sagt, er sehe das alles sehr gelassen. Die Gerüchte um seine Person? "Keine Veröffentlichung ist von mir forciert." Irgendjemand finde es offenbar lustig, mit seinem Namen zu spekulieren. Er habe jedenfalls noch kein Angebot erhalten, sagt Weidenbusch. Gut möglich, dass es dabei bleibt.

Verkehr in München Flughafen München expandiert in die USA

Neues Geschäftsfeld

Flughafen München expandiert in die USA

Eine Tochterfirma soll künftig je ein Terminal auf den Flughäfen John F. Kennedy in New York und Newark betreiben.   Von Andreas Schubert