Neues Geschäftsfeld Flughafen München expandiert in die USA

Der Münchner Flughafen landet in New York und soll künftig Terminals in Newark und JFK managen.

(Foto: John Angelillo/Imago)
  • Der Flughafen München ist mit der Tochtergesellschaft MAI bereits in mehr als 30 Ländern im Trainings- und Beratungsbereich tätig.
  • Nun soll MAI ein neues Geschäftsfeld erschließen: den Betrieb von Terminals, und zwar an den Flughäfen John F. Kennedy in New York und Newark.
  • Die Expansion liegt auch daran, dass in Europa der Luftverkehr nur noch wenig wächst. In anderen Weltregionen erzielt er hingegen zweistellige Wachstumsraten.
Von Andreas Schubert

Die Mitarbeiter des Münchner Flughafens kommen viel in der Welt herum. In der aktuellen Ausgabe von Motion, der Kundenzeitschrift des Münchner Flughafens, ist zum Beispiel ein Porträt einer Beraterin und Projektleiterin zu lesen, die derzeit in New York aktiv ist. Sie sitzt mit am Tisch bei den Verhandlungen über das künftige Münchner Engagement an den beiden Flughäfen Newark und John F. Kennedy (JFK). Dort wird die Munich Airport International GmbH (MAI), eine Tochterfirma der Flughafengesellschaft FMG, künftig jeweils einen kompletten Terminal betreiben.

Dies ist ein Novum: Bisher waren die Münchner in mehr als 30 Ländern vor allem im Trainings- und Beratungsbereich tätig. Dazu gehören Themen wie Sicherheit, wie man mit Läden Geld verdient oder wie sich der Aufenthalt von Passagieren möglichst angenehm gestalten lässt. In Augsburg, im Golfstaat Bahrain, in Kairo und im brasilianischen Belo Horizonte übernimmt Personal der MAI im Auftrag der jeweiligen Betreiber bereits Managementaufgaben, wie etwa die Steuerung der Terminalabläufe oder der örtlichen Gastronomie und Geschäfte.

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Man wolle den Flughafen München nicht im Ausland kopieren, wird die Beraterin in der Motion zitiert. Sondern man wende das Wissen aus München so an, dass es für das jeweilige Umfeld passe. Wie genau das Engagement in den USA aussieht, darüber gibt der Münchner Flughafen derzeit noch keine Auskunft Der Vertrag sei noch nicht unterschrieben, erklärt eine FMG-Sprecherin. Bis es soweit sei, hätten die Verhandlungspartner Stillschweigen vereinbart.

Was dennoch bereits bekannt ist: Für das Amerika-Geschäft gründet die MAI mit der amerikanischen Carlyle Airport Group ein Gemeinschaftsunternehmen, das in den USA, in Kanada, Mexiko und anderen Ländern Beratungsmanagement- und Schulungsdienstleistungen im Luftfahrtbereich anbieten will Die beiden New Yorker Flughäfen sind die ersten Einsatzfelder der MAI in den USA. Am JFK-Airport entsteht in den nächsten Jahren für rund sieben Milliarden US-Dollar ein neues Terminal, finanziert von einem Konsortium, dem neben der Carlyle Group unter anderem die Fluggesellschaften Lufthansa, Air France, Japan Airlines und Korean Airlines angehören.

Die MAI berät den Betreiber bereits während der Planungs- und Bauphase. Später übernimmt sie das operative Management des neuen Terminal One, das drei bisherige Terminals ersetzt. Am Flughafen Newark in New Jersey wird bis 2022 ebenfalls ein neues Terminal One gebaut. Die MAI wird dort mit dem Betreiber, der Port Authority of New York and New Jersey, zusammenarbeiten - erst bei der technischen und operativen Planung und beim Inbetriebnahmekonzept für den neuen Terminal, dann auch als Betreiber für den dort bestehenden Terminal A. Im neuen Abfertigungsgebäude soll die MAI nach dessen Fertigstellung 15 Jahre lang für den operativen Terminalbetrieb, die Instandhaltung sowie die Vermarktung von Gastronomie, Läden und anderen kommerziellen Flächen zuständig sein.

Der Flughafen München berät sei mehr als 20 Jahren Airports auf der ganzen Welt, zum Beispiel bei der Inbetriebnahme neuer Terminals oder wenn, wie 2006 in Bangkok oder diesen März in Istanbul, ein kompletter Flughafen umzieht. 2017 wurde das internationale Geschäft in die Tochtergesellschaft MAI ausgegliedert, dort arbeiten derzeit rund 40 fest angestellte Mitarbeiter und ebenso viele freie Berater. Inzwischen machen die Geschäfte aus dem Bereich "Non-Aviation", also alles, was nicht direkt mit der Fliegerei in München zu tun hat, fast die Hälfte des Umsatzes der FMG aus. Der Gesamtumsatz lag 2017 bei 1,47 Milliarden Euro, die Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor.

Dass der Münchner Flughafen als international tätiges Unternehmen auftritt, liegt laut MAI-Chef Ralf Gaffal auch daran, dass in Europa der Luftverkehr seit einiger Zeit nur noch wenig wachse, dafür aber in Asien, Zentral- und Südamerika zweistellige Wachstumsraten erziele. Über die MAI könne der Flughafen München an dieser Entwicklung teilhaben. Das funktioniere aber nur, weil die Leistungen der Münchner weltweit sehr gefragt seien.

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Einerseits, weil 1992, als der Flughafen von Riem ins Erdinger Moos umzog, alles reibungslos geklappt hat. Andererseits, weil die britische Unternehmensberatung Skytrax den Münchner Airport mit fünf Sternen bewertet hat - als einzigen in Europa. Dazu kommt laut Gaffal, dass die FMG viele Bereiche am Flughafen selbst managt, die andernorts von Fremdfirmen übernommen werden. Das sind etwa die IT, der Handel oder die Gastronomie.

Unternehmensberatung an anderen Airports ist für die Münchner inzwischen ein einträgliches Geschäftsfeld. Und das internationale Geschäft soll in den nächsten Jahren noch weiter an Bedeutung gewinnen. Geplant sind unter anderem weitere Engagements in Afrika oder Japan.

Dieses Geschäftsfeld im Ausland ist allerdings zum Teil umstritten. So kritisierten die Landtags-Grünen im vergangenen Sommer die Geschäfte der FMG mit einem fragwürdigen Partner in Honduras. Den Unternehmer Lenir Perez bringen Menschenrechtsorganisationen in Zusammenhang mit Korruption, Gewalt und Drohungen. Die FMG wies die Kritik damals zurück, mit der Begründung, man habe "umfangreiche Überprüfungen durchgeführt" und auch Expertisen der deutschen Auslandshandelskammer und der deutschen Botschaft eingeholt. Weder die Einschätzungen dieser beiden Institutionen noch die Erfahrungen aus der bisherigen Zusammenarbeit hätten Anhaltspunkte für die Vorwürfe der Grünen gegen die honduranischen Geschäftspartner und ihre Repräsentanten ergeben, so die Flughafengesellschaft.

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