Filmfestival:Blut, Schweiß und Tränen

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Filmfestival: Bilder wie die aus dem Film "Osama", der von den Lebensbedingungen von Frauen in Afghanistan vor 2002 erzählt, schienen der Vergangenheit anzugehören.

Bilder wie die aus dem Film "Osama", der von den Lebensbedingungen von Frauen in Afghanistan vor 2002 erzählt, schienen der Vergangenheit anzugehören.

(Foto: Kino Asyl)

Beim Online-Festival "Kino Asyl" präsentieren Geflüchtete Filme aus ihren Heimatländern - unter anderem aus Uganda, Syrien und Afghanistan.

Von Josef Grübl

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose, das wissen wir spätestens seit Gertrude Stein. Während man hierzulande aber in Rosen die edelsten aller Blumen sieht, sie als symbolisches Zeichen der Liebe verschenkt, haben die Arbeiterinnen auf den Blumenplantagen in Uganda ganz andere Assoziationen: Für sie bedeuten die dornigen Schönheiten Blut, Schweiß und Tränen, für sie geht es um Ausbeutung und unwürdige Arbeitsumstände. Der knapp einstündige Film "Prickly Roses" erzählt von diesen Frauen, gezeigt wird er beim Festival "Kino Asyl", präsentiert wird er von einer ugandischen Geflüchteten, die als schwangere Jugendliche selbst in einem botanischen Garten arbeitete und darunter sehr litt. Das ist auch das Besondere an diesem Festival: Das aus 15 Filmen bestehende Programm wurde von jungen Menschen mit Fluchterfahrung zusammengestellt, sie wählten Spielfilme aus, Kurz-, Experimental- oder Dokumentarfilme. Einige von ihnen sind ganz neu, andere bereits mehrere Jahre alt. Auch ein kurzer Interviewfilm über einen Senegalesen ist dabei, der über die Motive seiner Flucht und die Gefahren seiner Reise erzählt.

"Kino Asyl" nennt diese Menschen, die Filme aus ihrer Heimat vorstellen, Kuratoren. So wird nicht nur der ugandische Blumenfilm von einer Kuratorin aus Uganda anmoderiert: Ein Kurator aus Afghanistan präsentiert einen Spielfilm über alleinstehende afghanische Frauen, während eine iranische Mutter eine Doku über eine Landsfrau zeigt, deren Asylantrag in Deutschland abgelehnt wurde. Sie alle erzählen etwas einleitend über die Filme, nach den Vorstellungen gibt es Filmgespräche.

Filmfestival: Dornen des Schmerzes: Der Film "Prickly Roses" erzählt von Arbeiterinnen auf den Blumenplantagen in Uganda.

Dornen des Schmerzes: Der Film "Prickly Roses" erzählt von Arbeiterinnen auf den Blumenplantagen in Uganda.

(Foto: Kino Asyl)

Ursprünglich hätte die siebte Ausgabe des Festivals Ende November starten sollen, an unterschiedlichen Orten wie dem Werkraum der Kammerspiele oder dem NS-Dokumentationszentrum - doch die rapide steigenden Corona-Zahlen im Herbst machten diese Pläne zunichte. Also verschoben die Organisatoren "Kino Asyl" auf Januar und wandelten es in ein reines Online-Festival um. Das mussten sie im vergangenen Jahr ebenfalls so machen, sie haben daher bereits Erfahrung mit diesem Format. Auch andere Filmfestivals sind aufs Internet ausgewichen, vom Publikum wurden diese Angebote meist gut angenommen.

Das Dok-Fest München hat sogar vom Zwang zur Online-Ausgabe profitiert

Das Dok-Fest München hat sogar davon profitiert und erreichte deutlich mehr Menschen als in den Jahren zuvor, als die Filme nur in den Kinos liefen. Das hatte vor allem damit zu tun, dass nun Zuschauer aus ganz Deutschland dabei sein konnten. "Kino Asyl" könnte ebenfalls davon profitieren: Schade ist es trotzdem, dass das Festival nur online stattfinden kann, leben doch solche Veranstaltungen von persönlichen Begegnungen, vom Austausch zwischen den Kulturen. Ganz ausfallen lassen wollte man es aber auch nicht. Immerhin kann das Publikum über die Kommentarfelder auf der Website Fragen stellen oder mit den Kuratorinnen und Kuratoren Kontakt aufnehmen. Selbst auf Instagram sollen kurze Clips erscheinen, die eine afghanische Kuratorin während des Festivals vom Handy abspielen wird.

Dem Publikum wird es also einfacher denn je gemacht, Filme zu schauen und an "Kino Asyl" teilzunehmen. Auch an den Nachwuchs hat man gedacht: Es gibt ein Kinderfilmprogramm, darin stellt ein junger Syrer Filmbeiträge über physikalische Experimente vor. Etwas explosiver sind die eigentlichen Festivalfilme, weshalb auf der Website ein Warnhinweis zu lesen ist: "Die Filme im 'Kino Asyl'-Programm behandeln heftige Themen rund um Flucht und Asyl und beinhalten explizite Darstellungen." Diese könnten belastend wirken oder beim Publikum Angstreaktionen verursachen, daher sei der Austausch umso wichtiger. Neben den Filmgesprächen werden zusätzliche Texte angeboten, die genauere Informationen zum Programm enthalten. Alle Inhalte stehen dem Publikum über den ganzen Festivalzeitraum hinweg kostenfrei zur Verfügung.

Kino Asyl, Fr., 7., bis So., 23. Januar, Online-Festival: www.kinoasyl.de

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