Kabarett:Das C-Wort

Christian Ehring ist Kleinkunstpreis-Träger und hat keine Angst vor großen Themen. Selbst wenn die längst allen zum Hals raushängen. Eine Kritik seines Auftritts im Hof des Deutschen Museums.

Von Thomas Becker, München

Erst mal: Respekt. In diesen Zeiten mit einem Programm namens "Antikörper" auf eine Bühne wie die im Innenhof des Deutschen Museums zu gehen und sich dort auch tatsächlich mit dem vermaledeiten Virus auseinanderzusetzen, dazu gehört schon Mut. Schließlich hat das C-Wort ähnlich abgründige Umfragewerte wie dieser CDU-Kanzlerkandidaten-Darsteller und liegt auf der Beliebtheitsskala noch weit hinter der Steuererklärung. Aber Christian Ehring geht ja gerne da hin, wo es weh tut, und das wie immer: mit Schwung, Verve, Empathie und Witz. Im Vorgänger-Programm 2015 ging es um das Thema Flüchtlinge und ob man nicht einen zuhause aufnehmen sollte, nun also das Virus, das einem auch so manches Dilemma bereitet, zum Beispiel: Wie mit dem besten Kumpel umgehen, wenn der zum Querdenker mutiert? Obacht, Spoiler: Er weiß es doch auch nicht.

Christian Ehring. Seit mehr als 30 Jahren macht er Kabarett, hat den Deutschen Kleinkunstpreis, Grimme- und Comedey-Preis (3x) sowie zig andere gewonnen, ist seit zehn Jahren das Gesicht von "Extra 3" und läuft doch immer so ein wenig unter dem Radar. Auch er hatte wegen eines satirischen Beitrags schon mal massiven Ärger mit Erdogan, was aber lange nicht so ein Aufreger war wie beim Kollegen Böhmermann. Zur Fraktion der Lautsprecher und Selbstdarsteller gehört Ehring eher nicht, er hat noch nicht mal eine Homepage, dafür aber jede Menge Meinung. Und um die kund zu tun, kann er sich ganz schön reinsteigern, egal ob es um Mikroplastik, Tempolimit, Lobby-Control, Putins Schurkereien oder das ewige Genöle über die Bahn geht. Klingt gar nicht nach Covid? Stimmt. An der Tagespolitik kommt einer wie Ehring gar nicht vorbei, erst recht nicht so kurz vor der Wahl. Das Virus und was es aus uns gemacht hat, ist nur das Dach für die Betrachtung, wie es um das Haus Deutschland derzeit bestellt ist. Und? Wie schaut's aus? Nun, Christian Ehring setzt sich ans Piano, stimmt "Wenn Corona vorbei ist" an und singt "Es wird alles wieder gut". Juhu.

© SZ/her/aw
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