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Energiewende:"Das könnte ein Leuchtturm-Projekt für Zorneding werden"

Symbol Elektroauto

Symbolfoto.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

In Zorneding könnten E-Ladesäulen in privaten Tiefgaragen künftig finanziell gefördert werden. Die Idee gefällt allerdings nicht jedem.

Von Andreas Junkmann, Zorneding

Wir Menschen machen uns die Dinge ja gerne so einfach wie möglich. Warum auch nicht, alles andere wäre schließlich Unsinn. Für die angestrebte Mobilitätswende weg vom Verbrennungsmotor könnte das aber zu einem echten Problem werden. Denn auf alternative Antriebsformen steigt nur derjenige um, der sich diese auch leicht beschaffen kann, oder konkret: Wer ein Elektroauto kauft, will dieses auch direkt vor der eigenen Haustür laden können.

Dass diese Möglichkeit künftig mehr Menschen haben, dafür will nun der Zornedinger Arbeitskreis Energiewende (EAK) mit einem Grundsatzbeschluss sorgen. Laut diesem soll Wohneigentumsgemeinschaften (WEG) künftig ein kommunaler Zuschuss gewährt werden, wenn sie ihre Sammeltiefgaragen mit einer Ladeinfrastruktur aufrüsten. Ob das auch tatsächlich so kommt, steht indes noch nicht fest. Denn das letzte Wort hat der Gemeinderat.

Für diesen hat der EAK am Dienstagabend eine Beschlussempfehlung formuliert. Demnach soll ein 30 000 Euro starkes Förderprogramm aufgelegt werden, das eine finanzielle Unterstützung für notwendige Außenanlagen der Tiefgaragen ermöglicht. Pro unterirdischen Stellplatz soll es bis zu 100 Euro von der Gemeinde geben. Die Kosten für den Innenausbau der Garagen muss nach wie vor jede WEG selbst tragen. Darauf hatte sich das Gremium nach einer längeren Debatte mehrheitlich verständigt. Angestoßen wurde diese von einer Zornedinger Initiative, die ihre Gemeinschaftsgarage gerne mit Ladeboxen ausstatten will - und dafür beim Rathaus wegen einer kleinen Finanzspritze angeklopft hat.

"Zorneding würde ein Zeichen setzen innerhalb des Landkreises"

Dort hat man das Projekt - es geht um 96 Stellplätze einer Wohnanlage in der Lorenz-Stadler-Straße - zwar als "besonders vorbildlich" erachtet, wie es in den Unterlagen zur EAK-Sitzung heißt, dennoch werde "im Sinne der sozialen Gerechtigkeit" empfohlen, weiterhin nur öffentliche Ladepunkte zu fördern. Diese Haltung jedoch teilte die Mehrheit im Gremium nicht. "Das könnte ein Leuchtturm-Projekt für Zorneding werden", sagte etwa Helmut Obermaier (Grüne).

Wer eine normale Garage zu Hause habe, könne jederzeit ohne große Kosten eine Wallbox aufhängen. WEGs hätten diese Möglichkeit nicht, so Obermaier, der deshalb in solchen Fällen für einen kommunalen Zuschuss plädierte. "Leichter können wir E-Mobilität nicht fördern." Das sah auch Bianka Poschenrieder (SPD) so, die sich "mehr Mut und Schmackes" in Sachen Verkehrswende wünschte.

Unterstützung bekamen die beiden Gemeinderäte neben einiger ihrer Kollegen auch von den weiteren EAK-Mitgliedern. Ulrich Erdmannsdorffer vom Energie-Forum-Zorneding machte deutlich, dass die komplette Umstellung auf E-Mobilität mit ausschließlich öffentlichen Ladepunkten nicht gestemmt werden könne. "Die Autos müssen dort aufgeladen werden, wo sie die Nacht verbringen", so Erdmannsdorffer. "Ich halte das für alternativlos", sagte auch EAK-Mitglied Wolfgang Poschenrieder. "Zorneding würde ein Zeichen setzen innerhalb des Landkreises."

Das sah man im konservativen Lager der Kommunalpolitiker deutlich kritischer. "Ich warne davor, die Bürger zu verziehen", sagte etwa Ferdinand Glasl (CSU). Wem E-Mobilität am Herzen liege, für den seien die in Summe doch recht überschaubaren Installationskosten keine Hürde. Als "etwas unausgereift" empfand Patrick Eichler (CSU) das Konzept, er vermisste vor allem eine Richtlinie, ab welcher Größe man eine Tiefgarage fördere. Peter Pernsteiner (FDP) kritisierte derweil, dass man hiermit nur Eigentum aufwerte, "und dafür ist unser öffentliches Geld eigentlich nicht da".

Letztendlich sprach sich die Mehrheit im Gremium jedoch dafür aus, dem Gemeinderat die kommunale Förderung zu empfehlen. Eine Deckelung auf 5000 Euro pro Projekt, wie sie sich Bianka Poschenrieder gewünscht hätte, wurde indes abgelehnt. Das gleiche Schicksal droht im Gemeinderat womöglich auch dem EAK-Beschluss. Denn anders als im Arbeitskreis haben dort die konservativen Kräfte die Mehrheit.

© SZ vom 25.03.2021/koei
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