Vernissage in Ebersberg "Wenn ich diese Fotos sehe, kribbelt es wieder"

Auf den Fotos und live in den Räumen der Ebersberger SZ-Redaktion: Orchesterchefin Hedi Gruber (Mitte) und Trompeter Ferdinand Larasser am Donnerstagabend.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

In der Ebersberger SZ-Redaktion ist eine Ausstellung zur Reise des "Grafinger Jugendorchesters" zu sehen. Mit Fotos, Reportagen - und Werkstattberichten unseres Reporters.

Von Anja Blum, Ebersberg

Es gibt Bilder, die sich unweigerlich einnisten im Kopf, vor dem inneren Auge. Weil sie geronnene Erinnerungen sind, weil sie starke Emotionen verdichten zu einem Moment. Hedi Gruber, die Chefin des Grafinger Jugendorchesters, hat wahrscheinlich schon viele solcher Bilder gesammelt, ganz besonders in Südafrika, das sie mit ihrer Familie schon oft bereist - und wohin sie nun auch ihre Musiker geführt hat.

Jetzt also teilt Gruber diese Eindrücke mit vielen Menschen, mit all jenen, die bei der ersten großen Reise des Orchesters dabei waren. "Wenn ich diese Fotos sehe, kribbelt es wieder", sagt der 24-jährige Akkordeonist David Hacker am Donnerstagabend in den Räumen der SZ Ebersberg. Und man spürt sofort, wie ernst er das meint. Gruber selbst spricht gar von einem "tiefen Glücksgefühl".

In der SZ-Galerie sind nun Bilder von SZ-Redakteur Korbinian Eisenberger zu sehen, der das Grafinger Jugendorchester nach Südafrika begleitet hat. Auch er hat sie erlebt, diese intensive Zeit voller lustiger, spannender, schöner und auch trauriger Momente: Fanfaren im Flieger, der Besuch einer Musikschule, Begegnungen zwischen Blechhütten, eine Safaritour bis hin zum afrikanisch-bayerischen Tanzreigen und einem gemeinsames Konzert mit einem Jugendorchester aus Johannesburg - dem musikalischen Höhepunkt.

Der Autor und Fotograf: SZ-Redakteur Korbinian Eisenberger auf der Vernissage am Donnerstagabend.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

All diese Erlebnisse hat Eisenberger eingefangen, mit seinen Worten, aber auch mit der Kamera. Beides, Texte und Fotos, ermöglichen in der SZ-Galerie nun eine ganz eigene Rundreise mit dem Jugendorchester durch Südafrika.

Die Fotos und Geschichten zeigen den Spagat zwischen großen Emotionen und großem Elend

Zu der bestens besuchten Vernissage am Donnerstag sind Orchestermitglieder und deren Angehörige gekommen, aber auch Menschen, die keinen persönlichen Bezug zu dem Ensemble haben. Jürgen Bochynek vom Grafinger Fotoklub etwa interessiert sich als Afrikafan für die Aufnahmen, andere wollen das Orchester einfach mal jenseits der Bühne kennenlernen. Ein Land wie Südafrika live zu erleben - das sei nun mal etwas ganz anderes als Reportagen darüber zu sehen, betonen alle, Musiker wie Verwandte. "Diese Erfahrungen werden sie ein Leben lang mitnehmen", sagt etwa Renate Galster aus Eglharting über ihre Töchter Judith (20, Querflöte) und Leni (17, Geige).

Ausstellung und Gespräche vermitteln vor allem eines: dass dies eine Reise der Gegensätze war, ein einziger großer Spagat. "Einerseits in einem tollen Hotel von Menschen bedient zu werden, die selbst keine Chance haben, jemals aus der Armut rauszukommen - und andererseits viel miteinander zu lachen und Musik zu machen", nennt Mama Galster als Beispiel. "Zu sehen, wie Kinder auf einer Müllhalde spielen - und trotzdem so viel Lebensfreude bei ihnen zu spüren", sagt Florian Hacker, 22 und Saxofonist. "Dass es dort nie ums Geld geht, sondern um Menschlichkeit, das hat mich unglaublich beeindruckt."

Mitten im Elend war Reporter Eisenberger, er berichtete auch von Gewalt, Hunger und Müllbergen. Oder von einem Mittagessen auf dem Pausenhof - für viele der Kinder die einzige Mahlzeit am Tag. Das dazugehörige Foto zeigt einen hochgereckten leeren Plastikteller zwischen lauter kleinen dunkelbraunen Gesichtern.

Der emotionale Höhepunkt der Reise aber, auch da sind sich alle einig, war das Treffen mit den afrikanischen Musikschülern - als schwarze kleine Finger das erste Mal über die weißen Tasten einer bayerischen Quetsche huschen und ein junger Posaunist sein völlig verbeultes Instrument dank Schmieröl aus Grafing endlich vernünftig spielen kann. Diese Begegnung der Kulturen sei einfach unfassbar persönlich gewesen, schwärmen jene, die dabei waren. "Da war plötzlich überhaupt keine Distanz mehr da." Eisenberger hatte geschrieben: "Ein Tag für die Ewigkeit". Völlig zu Recht.

"Mia san Mix - das Grafinger Jugendorchester in Südafrika": Fotoausstellung in der SZ-Galerie Ebersberg, Ulrichstraße 1, unter der Woche von 9 bis 19 Uhr geöffnet, am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Beim Benefizkonzert zugunsten des SZ-Adventskalenders tritt das Jugendorchester am Freitag, 16. November, um 19.30 Uhr im Alten Speicher auf.

Ein Tag für die Ewigkeit

Mitten in einem Township von Soweto trifft das Grafinger Jugendorchester auf die Kinder einer Musikschule. Es kommt zu Begegnungen, die schwer in Worte zu fassen sind. Ein Versuch. Reportage von Korbinian Eisenberger mehr...