Geruchsbelästigung in Poinger Kita:Kita seit sieben Jahren von Gestank geplagt

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Geruchsbelästigung in Poinger Kita: Seit Jahren klagen Eltern, Kinder und Angestellte der Kinderland-Kita an der Kirchheimer Allee über üblen Geruch in der Einrichtung.

Seit Jahren klagen Eltern, Kinder und Angestellte der Kinderland-Kita an der Kirchheimer Allee über üblen Geruch in der Einrichtung.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

"Die Kleidung und die Haut meiner Tochter riechen jeden Tag danach", sagt eine Mutter. Woher kommt der Mief? Besuch an einem Ort, der Rätsel aufgibt.

Von Johanna Feckl und Marie Schmidt, Poing

Der Eingang zur Kindertagesstätte in der Poinger Kirchheimer Allee gleicht einem Portal in den Gestank. Kaum ist die Eingangstür auf, weht ein unangenehmer Geruch um die Nase. Tritt man dann ein, wird es nur noch schlimmer: Der Mief umhüllt die Gäste der Kita gänzlich. Seit sieben Jahren beherrscht dort ein Geruchsproblem den Alltag hunderter Kinder und mehrerer Erzieherinnen. Was stinkt da so? Lange brachte der Besuch mehrerer Experten kein Licht ins Dunkle, doch nach etlichen Gutachten gibt es jetzt einen Verdacht: Die penetrante Duftnote könnte sehr wahrscheinlich aus den Bädern im Erdgeschoss stammen. Der Gemeinderat hat deshalb Mitte Oktober beschlossen, in den Haushalt finanzielle Mittel für eine Sanierung einzustellen und die Pläne dafür voranzutreiben. Aktuell heißt es aber noch: Kita-Betrieb im Mief.

In den Bädern im Erdgeschoss ist der Geruch besonders stark, derzeit vor allem im "roten Bad". Beim Betreten von jedem Badezimmer wirkt es, als laufe man gegen eine Wand: Die Luft steht, schnell ist das Gefühl da, nicht mehr richtig atmen zu können. Auch nach dem ständigen Lüften, das wegen den Corona-Schutzverordnungen sowieso mehrere Stunden täglich auf dem Programm steht, lässt sich der Gestank nicht vertreiben, wie Kita-Leiterin Elke Haas erklärt. Der Geruch ist schwierig in Worte zu fassen, einige beschreiben ihn als Verwesungsgeruch, süßlich wie er ist. Andere meinen, es sei ein spezielles Desinfektionsmittel, ist er doch auch leicht chemisch. Eines steht jedoch für alle fest: So kann es nicht weitergehen.

Geruchsbelästigung in Poinger Kita: Vor allem im "roten Bad" ist der Gestank derzeit besonders stark.

Vor allem im "roten Bad" ist der Gestank derzeit besonders stark.

(Foto: Christian Endt)

Das Gebäude gehörte früher der Diakonie an, im Jahr 2014 hat es der Kita-Träger Kinderland PLUS übernommen - und damit auch den Gestank. Das damals einstöckige Gebäude wurde nach der Übernahme durch ein Obergeschoss ergänzt. Der Mief hat sich mittlerweile auch dorthin ausgebreitet, bleibt aber vor allem im Erdgeschoss wahrnehmbar. In manchen Jahren ist das Geruchsproblem stärker vorhanden, in anderen Jahren kaum merklich. Wieso? Das kann sich niemand erklären. "Man kann den Geruch auch nicht anhand einer bestimmten Witterungslage bestimmen, er ist bei gutem Wetter wie auch bei Regen präsent", so der Geschäftsführer von Kinderland PLUS, Herbert Matzner.

Den Kindern sei der Geruch, in dem sie täglich mehrere Stunden verbringen, relativ egal, sagt Kita-Leiterin Elke Haas. "Die akzeptieren das einfach. Ältere Kinder sagen manchmal zwar, hier würde es stinken, aber sie fragen nicht nach." Sie nehmen ihr Mittagsmenü ganz entspannt direkt gegenüber des "roten Bades" ein - aber wirklich appetitlich sei das trotzdem nicht.

"Ich kann keine Ordner oder Unterlagen mit nach Hause nehmen"

Geruchsbelästigung in Poinger Kita: Kinderland-Geschäftsführer Herbert Matzner, Elternbeiratsmitglied Karen Reitmayr, Kita-Leiterin Elke Haas und ihre Stellvertreterin Ruxandra Eberl (von links) führen durch die Kita-Räume.

Kinderland-Geschäftsführer Herbert Matzner, Elternbeiratsmitglied Karen Reitmayr, Kita-Leiterin Elke Haas und ihre Stellvertreterin Ruxandra Eberl (von links) führen durch die Kita-Räume.

(Foto: Christian Endt)

Den Eltern und Mitarbeiterinnen hingegen fällt der Geruch sehr wohl auf, vor allem zu Hause. Karen Reitmayr, Mutter eines einjährigen Mädchens und Mitglied im Elternbeirat, empfindet die Geruchssituation als extrem störend: "Die Kleidung und die Haut meiner Tochter riechen jeden Tag danach. Mein Mann und ich merken schon, dass sich das in der Wohnung ausbreitet." Kleidung und Windeln, die in der Einrichtung gelagert werden, würde sie schon lange nicht mehr mit nach Hause nehmen. "Das kann ich alles nur noch wegwerfen." Und für die Mitarbeiterinnen sei es unter diesen Umständen schwierig, Büroarbeit im Home-Office zu erledigen. "Ich kann keine Ordner oder Unterlagen mit nach Hause nehmen, das stinkt alles", sagt Ruxandra Eberl, stellvertretende Leiterin der Einrichtung.

Ein großes Fragezeichen in dieser Geschichte hinterlässt in den Augen der Mitarbeiterinnen und des Elternbeirats die Mülldeponie, die einmal neben dem Gebäude der Kita existierte. Hier wurden in den 1990er-Jahren Altlasten entsorgt. Zunächst sollten nach der Verschüttung Kleingärten auf dem Gelände entstehen, doch durch den instabilen Boden ist dies bis heute nicht möglich. "Da sinkt sogar der Rasenmäher ein", so Kita-Leiterin Haas. Kann es da nicht sein, dass das Problem und damit die Ursache für den Gestank der Grund ist?

Nachfrage bei Bürgermeister Thomas Stark. Dieser versichert, dass der Grund beziehungsweise die ehemalige Mülldeponie nicht im Zusammenhang mit der Geruchsbelästigung stehen kann. Denn auf dem Gelände der Kita wurden bereits 2011 Bodenproben genommen. Ohne Befund. Und: Auch eine Gesundheitsgefährdung durch den Gestank kann definitiv ausgeschlossen werden, das betonte Stark bereits in besagter Gemeinderatssitzung im Oktober.

Kita-Leitung sowie der Elternbeirat bleiben weiterhin skeptisch, was die Ursache angeht. Einige Mitarbeiterinnen scheinen sich trotz der wiederholten Zusicherung, dass eine Gesundheitsgefährdung definitiv ausgeschlossen ist, unwohl zu fühlen. Eltern äußern sich hingegen nicht über solche Ängste.

Bürgermeister Stark weiß um die brenzlige Lage in der Einrichtung: "Auch wenn keine Gesundheitsgefährdung besteht, muss dieses Problem unbedingt angegangen werden, da tun wir alles Mögliche. Im Interesse der Eltern und Kinder, der Mitarbeiter und der Gemeinde." Er selbst hat die Kindertagesstätte bereits mehrmals besucht, um sich ein Bild zu machen. "Ich fand diesen Geruch auch ganz schlimm."

Die Sanierung könnte ein Jahr lang dauern

Deshalb soll es jetzt möglichst schnell voran gehen mit den Sanierungsplänen: Der Hersteller des verbauten Materials in den Bädern, das nach der jüngsten Begutachtung von Experten als Ursache für das Geruchsproblem angenommen wird, hat bereits Muster der verbauten Wand- und Bodenbeläge an das Rathaus geschickt, wie Stark sagt. "Als ich das Kuvert aufgemacht habe, dachte ich mir sofort: Ja, genau so riechts da!"

Für die Kinder könnte die Sanierung einen temporären Umzug bedeuten, denn durch die Staub- und Lärmbelästigung ist fraglich, ob ein Kita-Betrieb in gewohnter Umgebung möglich bleibt. Entscheiden wird dies das Ebersberger Landratsamt als zuständige Aufsichtsbehörde - noch steht hier nichts endgültig fest. Sollte ein solcher Umzug stattfinden, hoffen die Erzieherinnen, in den bereits bestehenden Gruppen auf andere Einrichtungen aufgeteilt werden zu können. Denn wenn die Kinder nur ihre Räumlichkeiten wechseln müssen und nicht auch noch ihre Bezugspersonen und Freunde, dann wirke sich das, da sind sich die Erzieherinnen einig, positiv auf die Umgewöhnungszeit aus und erspare allen Beteiligten Stress - den Kleinen, wie auch den Großen.

Das zuständige Ingenieurbüro schätzt die Dauer der Sanierungsarbeiten auf sieben Monate, Kinderland-Geschäftsführer Matzner hingegen rechnet eher mit einem Jahr. Wie lange die Arbeiten am Ende wirklich dauern, weiß jedoch noch niemand. Und ob das Geruchsproblem mit den neuen Bädern tatsächlich behoben sein wird, ist zwar wahrscheinlich, aber nicht sicher. Für den Fall der Fälle sollen dann dezentrale Lüftungsgeräte Abhilfe schaffen. Dementsprechende Untersuchungen hat die Gemeinde bereits vornehmen lassen, die Kosten dafür würden sich auf etwa 145 000 Euro belaufen.

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