Neue Waffe im Wald Jetzt bekämpfen die Förster den Borkenkäfer per Handy-App

Kahlschlag bis der Käfer kuscht: Das Ergebnis sieht man diese Woche in einem Borkenkäfernest bei Hohenlinden, wo sie befallene Fichten aus dem Wald holen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Befallene Bäume müssen so schnell wie möglich gefunden und gefällt werden. Dafür gibt es nun eine neue Strategie: Die Borkenkäfer-App.

Reportage von Korbinian Eisenberger

Die Rammelkammer ist das Schlafzimmer des Borkenkäfers. Und der Eingang zu einer eigenen Welt, die sich unter der Rinde auftut: eine fingernagelgroße Kerbe, wo Männlein und Weiblein kürzlich die Familiengründung vollzogen haben. Das sieht man an den Hunderten kleinen Gängen, in denen sich Larven rekeln. Für den Baum gibt es zu diesem Zeitpunkt keine Rettung mehr. Entweder finden ihn die Förster und sägen ihn um. Oder sie finden ihn nicht. Dann saugen ihn die Käfer bis zum letzten Happen aus und fliegen zu ihrem nächsten Opfer.

Im Ebersberger Forst ist in diesen Wochen wie überall in Bayern der Borkenkäfer auf dem Vormarsch. Der heißeste April seit Beginn der deutschen Wetteraufzeichnungen hat die Nadelbäume stark geschwächt. Der Käfer hat es dadurch noch einfacher. Für den Forstbetrieb geht es nun darum, ihn möglichst einzugrenzen - darum, dass nicht zu viele Rammelkammern gebohrt werden. Deswegen muss es jetzt schnell gehen. Im Forst hat der intensive Kampf gegen den Käfer begonnen. Und zwar mit einer neuen Waffe.

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Ein Vormittag Mitte Juli, die Sonne taucht die Nadelbäume in warmes Licht. Vögel zwitschern, der Duft von Fichtenzapfen. Die pure Idylle, da ertönt eine Motorsäge zwischen den Zweigen. Sekunden später kracht ein Baum zu Boden. Ihn hat ein Mann entdeckt, der jetzt mit Machete und Smartphone durch den Wald streift. "Man erkennt den Befall am Bohrmehl", sagt er und deutet auf eine kaffeesatzartige Pulverschicht, die sich in der Rinde verfangen hat. Kaum zu sehen, zumal es ja auch irgendwas anderes sein könnte. Doch Andreas Rothe sieht so was. Deswegen ist er hier. Deswegen hat ihn der Forstbetrieb beauftragt. Rothe ist eigentlich Professor für Waldbau, hier ist er nun der Käferdetektiv.

Kein anderes Insekt macht Bayerns Wäldern so zu schaffen. Im Kampf gegen den Borkenkäfer galt stets: befallene Bäume so schnell wie möglich finden, fällen und aus dem Wald schaffen. Das gilt nach wie vor, nur gibt es nun eine neue Strategie: Die Bayerischen Staatsforsten haben eine eigene Borkenkäfer-App fürs Handy entwickelt. Damit soll der ganze Prozess schneller werden. Wenn Käfersucher wie Rothe künftig einen befallenen Baum entdecken, geben sie den Standort per GPS in die App ein. Die Koordinaten können eine Abweichung von bis zu drei Metern haben. Damit die Forstarbeiter dann nicht den falschen Baum fällen, markiert Rothe den Stamm mit einem roten X.