Wirtschaft im Landkreis Ebersberg:"Die letzten drei Jahre waren eine Katastrophe"

Wirtschaft im Landkreis Ebersberg: Kommt da noch wer? Viele Kommunen haben Schwierigkeiten, Personal zu finden.

Kommt da noch wer? Viele Kommunen haben Schwierigkeiten, Personal zu finden.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

In den Verwaltungen einiger Gemeinden im Landkreis Ebersberg ist man bereits seit Jahren auf der Suche nach Fachkräften - sozialpädagogische und technische Stellen bleiben oftmals unbesetzt. Doch auch eine positive Entwicklung ist seit Anfang des Jahres zu verzeichnen.

Von Anna Steinhart, Vaterstetten

Stellenausschreibungen, die zwei- oder dreimal wiederholt werden müssen, weil sich niemand meldet. Lange Wartezeiten in Behörden und Ämtern. Oder wichtige Vorhaben in den Kommunen, die nicht vorankommen - weil es zu wenige Fachkräfte für die Verwaltungen der Städte und Gemeinden gibt. Zudem stehen die Kommunen im Landkreis Ebersberg bei der Personalsuche, wie andere auch, in Konkurrenz mit der Wirtschaft - oftmals ein großes Problem.

Diese Erfahrung hat beispielsweise Zornedings Bürgermeister Piet Mayr (CSU) gemacht. Die freie Wirtschaft zahle oft besser als es die Gemeinden könnten und würde somit viele Fachkräfte abwerben. Vor allem im Bauamt seien seit zwei Jahren einige Stellen unbesetzt, sagt Mayr (CSU). Besonders würden Ingenieure fehlen, wodurch es zu Verzögerungen bei der Abarbeitung von Projekten komme.

Das Abwerben von Fachkräften durch die Wirtschaft beobachtet auch Christian Bauer (CSU), Bürgermeister von Grafing und Gemeindetags-Kreisvorsitzender. Laut Bauer handelt es sich jedoch um eine allgemeine Fluktuation, die nicht auf spezifische Ämter beschränkt ist. In der Stadt Grafing sind gerade eine Stelle im Ordnungsamt sowie eine in der Kämmerei unbesetzt.

Dass immer mehr qualifizierte Fachkräfte fehlen, spürt man auch im Rathaus Ebersberg. Laut Verwaltungsleiter Michael Neumeier dauert es heutzutage viel länger, Stellen zu besetzen als früher. "Stellen müssen oftmals zweimal ausgeschrieben werden, bis überhaupt jemand Qualifiziertes gefunden wird." Das habe auch Auswirkungen auf die Bevölkerung, in Form von längeren Bearbeitungszeiten bei Projekten. Dass diese Verzögerungen oftmals bei Bauprojekten auftreten, erklärt sich Neumeier damit, dass das Bauamt in den Kommunen meist die größte Abteilung sei und dementsprechend die meisten Arbeitskräfte benötigt würden.

In Poing ist eine Stelle in der Jugendarbeit bereits seit zweieinhalb Jahren unbesetzt

In der Gemeinde Poing sei der Personalmangel am ehesten im sozialpädagogischen Bereich zu spüren, sagt Bürgermeister Thomas Stark (parteilos). Insbesondere bei der aufsuchenden Jugendarbeit gebe es Lücken, so sei die Stelle der mobilen Jugendarbeit schon seit September 2021 unbesetzt. Deren Aufgabe wäre es eigentlich, Jugendliche in schwierigen Lebenslagen zu begleiten und eine Öffentlichkeit für die Anliegen der Jugend zu schaffen. Als Gründe für die Unterbesetzung sieht der Bürgermeister die unattraktiven Arbeitszeiten beziehungsweise den Bereitschaftsdienst, der auch außerhalb der normalen Arbeitszeiten zu leisten ist.

Und auch in Poing merkt man die Konkurrenz: "Darüber hinaus erschwert die teilweise übertarifliche Bezahlung von anderen Arbeitgebern die Suche." Es werde deshalb gerade evaluiert, ob durch eine Neustrukturierung des Aufgabenzuschnitts die Stelle attraktiver gestaltet werden könne. Auswirkungen auf die Bevölkerung gibt es laut Stark jedoch nicht. Auch die Stelle der Fachkraft für Klima- und Umweltschutz sowie die Digitalisierungsstelle seien zwei Jahre lang unbesetzt gewesen. Seit Kurzem habe man jedoch glücklicherweise für beide Stellen jemanden gefunden.

In Vaterstetten sieht es gut aus - aber auch erst seit Beginn dieses Jahres

Zufrieden hingegen zeigt sich Vaterstettens Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU): Seit Anfang des Jahres sei die Situation hervorragend und es gebe keine offenen Stellen mehr. "Das ist sehr positiv, wenn man bedenkt, dass die letzten drei Jahre eine Katastrophe waren." Besonders im Bauamt gab es in der Großgemeinde einige Vakanzen: So sei die Stelle für einen Mitarbeitenden im Tiefbau ganze vier Jahre ausgeschrieben gewesen und auch im technischen Bereich hatte man große Probleme, eine Position zu besetzen. "Es ist grundsätzlich einfach schwierig, geeignete Fachkräfte zu finden", sagt Spitzauer.

Hinzu komme, dass der Bewerbermarkt in den verschiedenen Bereichen sehr unterschiedlich ist: Als Beispiel führt er an, dass es im vergangenen Jahr auf eine Stelle in der Öffentlichkeitsarbeit rund 40 Bewerber gegeben hätte, während sich im technischen Bereich auf manche Angebote fünf bis sechs Leute gemeldet hätten - und auf andere sogar überhaupt niemand. Einen Grund dafür, warum es in Vaterstetten mit der Stellenbesetzung derzeit gut laufe, könne er nicht erkennen.

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