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Unfallstatistik:Zahl der Verkehrsunfälle im Kreis Ebersberg sinkt

Wildunfall

Symbolfoto.

(Foto: dpa)

Auf den Straßen sind weniger Leute unterwegs. Die Polizisten müssen sich dafür um neue Aufgaben kümmern.

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Es war einer der schwersten Unfälle im Landkreis Ebersberg im vergangenen Jahr: Ein 23-jähriger Mann hatte sich Mitte März kurz vor dem Kirchseeoner Ortsteil Buch mit seinem Auto mehrmals überschlagen und kam erst etwa 300 Meter weiter im Feld zum Stehen. Der Fahrer starb noch an der Unfallstelle.

Somit war der 23-Jährige einer von insgesamt sechs Verkehrstoten, die im Ebersberger Raum 2020 zu beklagen waren. Das sind allerdings nur halb so viele wie im Vorjahr. Damit liegt der Landkreis auch im bayernweiten Trend, denn die Zahl der Verkehrsunfälle ist im Freistaat deutlich zurückgegangen. Langweilig wird es in den beiden Polizeidienststellen in Ebersberg und Poing dadurch aber nicht.

Positive Aspekte der Corona-Pandemie zu finden, ist in diesen Tagen nicht ganz einfach. Einer aber lässt sich recht eindeutig aus der bayerischen Verkehrsunfallstatistik herauslesen, die Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Ende vergangener Woche vorgestellt hat: Es kracht deutlich weniger auf den Straßen des Freistaats als noch in den Jahren zuvor.

2020 kamen bei Verkehrsunfällen in Bayern 484 Menschen ums Leben, das sind 57 Unfallopfer weniger als 2019. "Das ist der niedrigste Stand der Zahl der Verkehrstoten seit Beginn der Unfallaufzeichnungen vor mehr als 65 Jahren," so Herrmann. Der Minister führt das vor allem auf die Beschränkungen durch die Corona-Maßnahmen zurück, denn dadurch seien schlicht weniger Leute auf den Straßen unterwegs.

Diese Einschätzung teilt man auch in den beiden Polizeidienstellen des Ebersberger Landkreises. Natürlich würden sich die Corona-Maßnahmen bemerkbar machen, sagt etwa Ulrich Milius, Leiter der Ebersberger Inspektion. "Vor allem im ersten Lockdown haben wir deutlicher weniger Verkehr gehabt." Diese Erfahrung lässt sich auch konkret an den vom Innenministerium veröffentlichten Zahlen ablesen: Demnach gab es im Landkreis vergangenes Jahr 2875 Verkehrsunfälle. Das sind rund 22 Prozent weniger als noch 2019, als es 3700 Mal gekracht hat.

Bei 428 der Unfälle sind Personen zu Schaden gekommen, 2019 waren es noch 456. Auch die Zahl der Unfälle mit schwerem Sachschaden ging zurück, von 87 auf 79. Bei den Unfällen in Zusammenhang mit dem Konsum von Drogen gibt es indes wenig Veränderung, die Statistik weist mit 20 Fällen für 2020 lediglich einen weniger als noch im Vorjahr auf. Anders ist das bei Verkehrsunfällen, die als Folge von Alkohol passiert sind. Hier ist eine klare Steigerung um knapp 27 Prozent zu verzeichnen. Waren es 2019 noch insgesamt 45 Fälle, hat es 2020 57 Mal gekracht.

Eine deutliche Sprache spricht die Unfallstatistik auch bei der Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Personen. Diese nämlich hat mit Vergleich zu 2019 stark abgenommen - von 635 auf 540 Personen in 2020. Entsprechend zurückgegangen ist auch die Zahl der Verkehrstoten im Landkreis: 2020 sind sechs Autofahrer ums Leben gekommen, 2019 waren es noch doppelt so viele.

Fünf der Verkehrstoten entfallen dabei auf den Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Ebersberg, wie deren Leiter Ulrich Milius sagt. Der Dienstbereich sei - anders als im Poinger Raum - von vielen Überlandstraßen geprägt, auf denen Autofahrer gerne mal zu schnell unterwegs seien. Überhaupt sei überhöhte Geschwindigkeit nach wie vor die Hauptursache für Verkehrsunfälle, so Milius. Dennoch seien auch innerhalb dieser Kategorie die Zahlen rückläufig.

Das gilt auf den gesamten Landkreis betrachtet auch für die Zahl der Schwerverletzten in Zusammenhang mit Verkehrsunfällen. Waren es 2019 noch 140, sank die Zahl in 2020 auf 91. Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei den leichtverletzten Personen zu erkennen, hier ging die Zahl von 483 auf 443 zurück.

Während Autofahrer also insgesamt sicherer durch das vergangene Corona-Jahr gekommen sind, ist bei Radlern genau der umgekehrte Trend zu beobachten. Bayernweit ist die Zahl der Fahrradunfälle um 9,6 Prozent auf insgesamt 19 212 Stück gestiegen. "Besonders wichtig ist mir, den Radverkehr noch sicherer zu machen. Dazu gehören auch verstärkte Kontrollen - vor allem von Radl-Rowdies", sagte Innenminister Herrmann, als er die Zahlen vorstellte.

Letzteres beobachtet auch Polizeichef Milius mit zunehmender Sorge. "Die Fahrzeuge werden immer schneller", sagt er mit Blick auf die steigende Anzahl an E-Bikes. Viele Radler würden dadurch dazu neigen, ihr Fahrrad und auch sich selbst zu überschätzen. "Bremsen muss man aber eben trotzdem selber", so Milius. Dass die Zahl der Fahrradunfälle in den vergangenen Jahren konstant gestiegen sei, bestätigt auch sein Poinger Kollege Helmut Hintereder. Konkrete Zahlen lägen ihm für 2020 zwar noch nicht vor, so der Dienstellenleiter, ein Trend sei aber auf jeden Fall erkennbar.

Sorgen, dass den Beamten in den beiden Inspektionen ob der rückläufigen Verkehrsunfälle langweilig werden würde, muss nun allerdings niemand haben. "Die Aufgaben haben sich der Situation entsprechend verlagert", sagt Milius. Die Ebersberger Polizisten seien jetzt eben vermehrt mit den Kontrollen der Corona-Maßnahmen beschäftigt.

Auch der Schutz des Impfzentrums in der Kreisstadt und die Teilnahme an den Treffen des Krisenstabs gehören zu den neuen Aufgaben der Beamten. "Die gesamte Arbeit ist nicht weniger geworden", so Milius. Und auch im Zuständigkeitsbereich der Poinger Kollegen nimmt die Gesamtzahl der Einsätze stetig zu, wie Helmut Hintereder sagt. Der Dienstellenleiter führt das vor allem auf die wachsenden Einwohnerzahlen zurück: "Wo mehr Leute sind, da kann auch mehr passieren."

© SZ vom 22.02.2021/koei
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