Kirchseeoner Brauchtum:Heidnische Prozession

Kirchseeoner Brauchtum: Durch verschneite Landschaften laufen die Perchten besonders gern. Ihre Gewänder sind so dick, dass die Kälte ihnen nichts anhaben kann.

Durch verschneite Landschaften laufen die Perchten besonders gern. Ihre Gewänder sind so dick, dass die Kälte ihnen nichts anhaben kann.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Perchten laufen wieder - durch Wohngebiete, Dörfer und Wälder. Aber auch so manchem Christkindlmarkt statten die gruseligen Glücksbringer einen Besuch ab.

Von Anja Blum, Kirchseeon

Die Läufe der Kirchseeoner Perchten sind ein archaisches Spektakel, ein Faszinosum zwischen Gänsehaut und Begeisterung. Doch kein Wunder, dass die Perchten starke Emotionen erzeugen, stehen sie doch für nichts Geringeres als Chaos und Tod, Glück, Segen und ein neues Leben. Die geheimnisvollen, heidnischen Prozessionen sollen rund um den Jahreswechsel die bösen Wintergeister vertreiben und jene der Erneuerung erwecken.

Wilde Tiere, Waldgeister, Fantasiewesen: Überall sieht man Zähne, Zungen, Zotteln. Die Choreografien sind mal wild, kraftvoll, treibend, dann wieder sehr poetisch, sanft. Die Perchten murmeln Segenswünsche, singen beschwörend von der Rauhnacht, der Hex, der Drud und deren wilder Jagd. Sie stampfen und tanzen, bilden mit Stöcken ein Pentagramm, den Drudenfuß, als Bannzeichen gegen das Böse, oder ein Hexagramm, als Symbol der Harmonie. Mühselige Lebensbedingungen und das geheimnisvolle Walten der winterlichen Naturkräfte hatten einst zur Entstehung düsterer Sagen geführt - und eben zu den Bräuchen der Los- und Rauhnächte. Mit ihnen wollten die Menschen sich schützen, das Glück heraufbeschwören und sogar in die Zukunft blicken.

Die Perchten wandern durch Wohngebiete, aber auch Wälder, über Felder und Wiesen, machen Halt auf Plätzen, an Bauernhöfen, unter Maibäumen und vor Kirchen. Auch so manchem Christkindlmarkt statten sie einen Besuch ab. Jeweils am ersten Adventswochenende starten die Läufe, die Saison endet am Dreikönigstag, dem 6. Januar.

Am kommenden Samstag, 9. Dezember, ist die Route "Kirchseeon Nord" dran, um 15.30 Uhr geht es los am Waldfriedhof. Tags darauf, am Sonntag, 10. Dezember, wandern die Perchten durch "Kirchseeon Süd", Start ist um 15 Uhr in der Theodor-Haagn-Straße. Das Gebiet "Kirchseeon Spannleitenberg" wird besucht am Freitag, 15. Dezember, um 18 Uhr geht's los im Gartenweg. Am Samstag, 16. Dezember, steht nach einem Lauf durchs "Kirchseeoner Moos" (15.30 Uhr ab Osterseeon) ein Auftritt beim Adventszauber am Marktplatz an. Ein Gastspiel auf dem Christkindlmarkt in Grafing kann man am Sonntag, 17. Dezember, um 14 Uhr erleben, bevor die Perchten weiterziehen nach "Eglharting Nord", diese Tour startet um 15.30 Uhr am Gasthof Hamberger.

"Eglharting Süd-Ost" darf sich am Freitag, 22. Dezember, freuen auf den Besuch der gruseligen Glücksbringer, sie versammeln sich um 18 Uhr bei der Hauptstraße 43. Tags darauf, am Samstag, 23. Dezember, steht "Eglharting Süd-West" auf dem Programm, los geht's um 15 Uhr am Aldi. Die kleinen Ortsteile Riedering, Ilching und Buch sind dran am Freitag, 5. Januar, Start ist an diesem Nachmittag um 16 Uhr. Und der "Dreikini-Abschluss-Lauf" am Samstag, 6. Januar, beginnt um 15 Uhr "An der Brücke 4".

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